Wo sonst Pferde um die Wette laufen, roch es nach Pad Thai und scharfem Curry. Von der Bühne her dröhnte thailändischer Pop. So war es beim letzten Mal. Nun verwandelt sich der Schachen Aarau am Wochenende wieder in ein Mini-Bangkok – bereits zum 15. Mal. Das «We love Thailand Festival» bringt zwei entfernte Kulturen zusammen. Dahinter steckt eine einzelne Frau.

Sie habe nur wenig Zeit, sagt Yuphin Nakharat mit thailändischem Akzent. Getränke einkaufen, Tische aufstellen, Telefongespräche führen: Die letzten Vorbereitungen für das Thailandfestival laufen auf Hochtouren. Sie organisiere alles selbst, erklärt die 42-jährige Staffelbacherin.

Zwei Mal pro Jahr findet das Thailandfest statt. An rund 50 Ständen können Gäste verschiedenste südostasiatische Gerichte probieren. Die Anbieter kommen aus allen Ecken der Schweiz - genau wie die Besucher.

Immer mehr Schweizer Familien

Nebst Essständen gibt es einen Bereich mit traditionellen Dekorationsartikeln, Früchten, Gemüse und sogar Thaimassagen. Auf einer Bühne treten asiatische Musiker und Tänzer auf. Das Fest erfreue sich inzwischen auch bei Schweizern ohne direkten Bezug zu Thailand grosser Beliebtheit, sagt Yuphin Nakharat. «Es ist eine schöne Überraschung, dass immer mehr Schweizer Familien kommen.»

Nicht immer war Yuphin Nakharat Alleinorganisatorin. Als das Festival in Kinderschuhen steckte, konnte sie auf die Hilfe ihres damaligen Partners zählen. Der Anfang sei jedoch schwierig gewesen. «Es kamen nie viele Leute.»

Als später die Liebe zerbrach, wurde es noch schwieriger. Yuphin Nakharat stand mit dem Erbe des «We love Thailand Festival» alleine da. Ausserdem war sie nun alleinerziehende Mutter von vier Kindern aus zwei Partnerschaften (heute 24, 18, 12 und 10). Der ehemalige Partner sei inzwischen mit einer neuen Freundin nach Thailand ausgewandert.

Natürlich habe sie in dieser Zeit ans Aufhören gedacht. «Ich wusste nicht, ob ich das alles als schaffe. Als Ausländerin und ohne Partner.» Die Leute hätten geredet. Die meisten hätten wohl gedacht, dass sie den Bettel bald hinschmeisse. «Das hat mich sehr traurig gemacht, aber auch Kraft gegeben.» Yuphin Nakharat wollte es schliesslich allen beweisen. Also habe sie einfach weiter gemacht – koste es, was es wolle.

Festival brachte sie ins Spital

Ich habe ein «bitzli einen sturen Kopf», sagt Yuphin Nakharat und lacht. Die Thailänderin weiss, was sie will. Mit nur 18 Jahren lernte sie ihren Ex-Mann, einen Schweizer, in Thailand kennen. Kurz darauf folgte sie ihm nach England, arbeitete dort in einer Gewürzfabrik. Später zog das Paar nach Zürich. Heute führt die Mutter ein kleines Lebensmittelgeschäft in Moosleerau und gibt Thai-Massagen.

Doch bei aller Sturheit: Die Organisation eines Food-Festivals gibt viel zu tun. «Ich mache alles von A bis Z selber», sagt sie. Nicht immer spielen die Nerven da mit. Besonders schlimm sei es vor zwei Jahren gewesen. Wegen Sturms und Regens blieben die meisten Gäste zu Hause. Zurück blieben Rechnungen für die Platzmiete, 25 Angestellte und Musiker. «Es kamen alle Probleme auf einmal.» Dann kam der Kollaps, das Krankenhaus, die Infusion. «Ich bin eine aufgeregte Person», sagt Yuphin Nakharat. Auch während des Fests sei sie immer voll dabei. Räume selbst dann noch Flaschen weg, wenn alle anderen bereits zum Singha Bier übergegangen sind.

Glücklicherweise sei schlussendlich alles gut gegangen. Das letzte Fest sei überdurchschnittlich gut gelaufen. Nun steht die 15. Ausgabe an. Yuphin Nakharat freut sich. «Das ‹We love Thailand Festival› ist eine kleine Insel.» Thailänder und Schweizer von überall kämen wie eine Familie zusammen. Ein kleines Stück Thailand mitten im Aargau.