Wenn Jonny Strebel, der Chef der Technischen Betriebe Suhr (TBS), am kommenden Montag über sieben Jahre Selbstständigkeit der TBS referieren wird, hat er leichtes Spiel: Die Suhrer werden nächstes Jahr für den Strom nochmals weniger bezahlen müssen. Dank Geschick und etwas Glück im Bereich eines vorteilhaften Energieliefervertrags. Dieses Geschick zahlte sich für die Strombezüger aus: Die Suhrer zahlen, wie das Beispiel des neusten AZ-Strompreisvergleichs (siehe Tabelle unten) zeigt, im Jahr 2019 insgesamt 212.40 Franken weniger als die Aarauer und alle anderen Bewohner der 17 weiteren Gemeinden rund um Aarau, in denen die Eniwa Direktversorger ist.

Während Suhr den Strompreis für das kommende Jahr um weitere 4 Prozent senken konnte, musste die Eniwa nochmals eine Erhöhung ankünden – wenn auch nur im tiefen Bereich (im Fallbeispiel 1,2 Prozent). Die grösste Preissenkung gabs im oberen Wynen- und Seetal, im Versorgungsgebiet der EWS. Und die grösste Steigerung in Muhen, einer Gemeinde mit eigenem EW, das den Strom aber von der Eniwa bezieht, und damit ein sogenannter Wiederverkäufer ist.

Vergleiche von Stromkosten sind schwierig. Aber dank des Strompreisrechners der ElCom, der unabhängigen eidgenössichen Regulierungsbehörde, möglich. Ein Durchschnittshaushalt bezahlt in Aarau im kommenden Jahr 887.40 Franken (ElCom-Beispiel H3: 4500 kWh/Jahr: 4-Zimmer-Wohnung mit Elektroherd und Elektroboiler). Die Birrwiler bekommen die gleiche Menge Strom im AZ-Einzugsgebiet Aargau West (siehe Tabelle) am günstigsten. Sie bezahlen 640.80 Franken. Birrwil ist eine der fünf EWS-Gemeinden. Ihre Strombezüger profitieren davon, dass die Gemeinde keine Konzessionsabgabe erhebt.

Grosse Veränderungen

Einige Ränge verloren hat Rupperswil, das dieses Jahr den günstigsten Strom hatte. Aber seine Bewohner kommen immer noch in den Genuss von sehr billiger Elektrizität: Nach einer Reduktion um 10 Prozent auf dieses Jahr hin, steigt der Preis im kommenden Jahr um knapp 6 Prozent. Interessant ist auch der Fall Kölliken. Die Gemeinde hat letztes Jahr entschieden, ihr EW trotz eines verlockenden Angebots nicht an die Eniwa zu verkaufen (sie ist seit Jahren Wiederverkäuferin von Eniwa-Strom – wie Muhen). Jetzt steigt der Strompreis markant (8,4 Prozent) – allerdings immer noch auf einem tiefen Niveau. Nächstes Jahr kostet der Pfuus 714 Franken, 2017 waren es erst 626 Franken.

In insgesamt neun Gemeinden sinken die Stromkosten nächstes Jahr. Auch in der Stadt Lenzburg (allerdings nur minim). Am bemerkenswertesten ist der Rückgang in Teufenthal, das bisher zu den teuersten Gemeinden gehörte.

«Sauberer» Strom – teurer Strom

Was die Strompreisbildung betrifft, hat sich auf das kommende Jahr hin nichts grundsätzlich geändert: Bei der Preisbildung – das wird traditionell von den teuren Anbietern wie der Eniwa ins Feld geführt – spielt die «Sauberkeit» des Stroms (beispielsweise der Anteil von Kernenergie) eine Rolle. Die Eniwa-Kunden bekommen (zwangsweise) 100 Prozent erneuerbaren Strom «Wasserkraft Schweiz». Zudem, heisst es, seien die Netzkosten unterschiedlich und ebenso die Investitionen ins Netz, also in die Versorgungssicherheit.