Aarau

Testplanung des Kasernenareals: «Alte Reithalle kann erster wichtiger Baustein sein»

Drei Entwicklungsbänder: Im Norden die historischen Gebäude, das Mittelstück mit dem Platz, im Süden dominiert die Reithalle.

Drei Entwicklungsbänder: Im Norden die historischen Gebäude, das Mittelstück mit dem Platz, im Süden dominiert die Reithalle.

Mit der Testplanung des Kasernenareals in Aarau wurden die Ziele des Leitbildes und die Potenziale der Arealentwicklung städtebaulich untersucht – der Erkenntnisbericht definiert drei Entwicklungsbänder.

Die Entwicklung des Kasernenareals soll in drei Entwicklungsbänder gegliedert werden. Das ist der wohl zentrale Punkt des gestern öffentlich gemachten Erkenntnisberichts, der die Ergebnisse der sogenannten Testplanung beinhaltet.

Mit der Testplanung wurden die Ziele des Leitbildes und die Potenziale der Arealentwicklung städtebaulich untersucht. Zuständig waren drei interdisziplinäre Teams, die mit einem breit abgestützten Begleitgremium im Dialog standen. Die Empfehlungen des Begleitgremiums wurden gestern zunächst den Medien vorgestellt und am Abend im Rahmen des von rund 100 Personen besuchten Forums III zur Entwicklung des Kasernenareals diskutiert.

Der nördliche Bereich mit der Kaserne ist Teil der offen strukturierten Laurenzenvorstadt mit historischen Einzelbauten und Freiräumen. Angedacht ist, dass sich hier ein eher ruhiger Bereich befindet, der auch die Funktion eines Erholungsraums hat. Beim Kasernen-Parking ist eine Erweiterung in zwei Etappen vorgespurt.

Ziel ist es, dass die Anbindung des motorisierten Verkehrs nicht via Bahnhofstrasse erfolgt. Grundsätzlich ist ohnehin ein hoher Anteil von Fussgänger- und Veloverkehr kalkuliert – abgesehen vom öffentlichen Verkehr, der mit Bahn und Bus in der unmittelbaren Nachbarschaft gewährleistet ist.

Im mittleren Abschnitt, dem Kern des Areals, erkennt die Begleitgruppe das grösste Potenzial für die Entwicklung «eines dichten, durchmischten Stadtquartiers» (Wohnen und Arbeiten). Hier können schwergewichtig Neubauten realisiert werden. Eigentliche Hochhäuser soll es nicht geben – aber «hohe Häuser» mit bis zu 30 Meter Höhe. Der Turm der katholischen Kirche Peter und Paul, so die Vorgabe, soll damit das höchste Gebäude in diesem Teil der Stadt bleiben.

Grosser Platz vor der Reithalle

Der südliche der drei Arealteile steht in enger Beziehung zum Bahnhof und zum Stadtzentrum. Hier ist auch die Kultur zu Hause: Das dominante Element bildet in diesem Abschnitt die Alte Reithalle. Diese erhält, wie François Chapuis, Leiter Immobilien Kanton Aargau, gestern vor den Medien sagte, «einen neuen Auftritt».

Heute wird sie primär vom Apfelhausenweg her wahrgenommen. Hier liegt dereinst nur noch der Hinterhof des Kulturzentrums. Die Reithalle soll sich dem Besucher vom nördlich an sie angrenzenden Platz her erschliessen. Anders, als man denken könnte, soll der Hauptplatz des Areals (auf der Planskizze rechts als grosse gelbe Fläche erkennbar) nämlich nicht vor der Kaserne, sondern im südlichen Bereich des mittleren Bandes zu liegen kommen.

In der unmittelbaren Nachbarschaft ist, um Konflikten vorzubeugen, keine reine Wohnnutzung vorgesehen. Die Kasernenstrasse soll als Promenade das Areal durchmessen. Grundsätzlich ist eine starke «Durchwegung» des Areals vorgesehen.

Wie Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker deutlich machte, werden die Ergebnisse der Testplanung in einem wichtigen Zeitpunkt präsentiert – wenige Wochen vor der Abstimmung über die Alte Reithalle. So könne man erkennen, erklärte Hilfiker, wie sich das Areal als Ganzes entwickeln und dass die Reithalle einen positiven Akzent setzen könne.

Es sei auch wichtig, zu sehen, dass es auf einem ein Areal von dieser Grösse nicht nur eine einzige Nutzung geben könne. Die hinter der Testplanung stehenden Studien zeigen nach Ansicht des Begleitgremiums, «dass die Reithalle ein wichtiger erster wichtiger Baustein der Arealentwicklung sein kann».

Sowohl Chapuis als auch Hilfiker beide Mitglieder des Begleitgremiums – räumten ein, dass bis zu einer umfassenden Arealentwicklung noch viel Zeit vergehen wird. Es gehe aber darum, sagte Chapuis, jetzt schon die Chancen auszuloten. Sprich: Zu wissen, was man will, wenn es dereinst so weit sein sollte. Es sei «alles sehr dynamisch», so Chapuis. «Wir wissen nicht, ob 2030 so kommt, wie es angedacht ist.» Bei den Plänen des Militärs etwa, deutete Hilfiker an, könne es relativ schnell zu Anpassungen kommen.

«Wir sind sehr flexibel»

Auf die Frage, ob die Arealentwicklung flexibel auf solche Entwicklungen reagieren könne, antwortete Chapuis: «Wir sind sehr flexibel.» Der Vertreter des Kantons schloss auch gewisse militärische Zwischennutzungen nicht aus – sofern diese mit der Gesamtentwicklung kompatibel seien. Die Nutzung durch kombattante Truppengattungen dürfte diese Vorgabe nicht erfüllen.

Jedoch will man laut Chapuis Leerstände in – den teilweise zivil nicht einfach zu bespielenden – historischen Gebäuden vermeiden. Ein Kommando könnte hier unterkommen. Oder, wie Chapuis ausführte, könnte beispielsweise das Militärspiel in eines der Gebäude an der Laurenzi hinüber wechseln. Was es sicher nicht mehr geben werde, sei eine «verbotene Stadt» in der Stadt. Fakt ist aber auch, dass sich 0,7 ha des 4,7 ha grossen Areals im Besitz des Bundes befinden. «Den Bund», so Chapuis, «können wir nicht enteignen.»

Die Planungshoheit liegt bei der Stadt. Grundeigentümer im zur Diskussion stehenden umfassenden Perimeter ist im Wesentlichen der Kanton mit 3,2 ha. 0,2 ha gehören der Stadt Aarau. 0,6 ha sind in privatem Besitz.

Die Testplanung habe gezeigt, heisst es im Bericht, dass die privaten Parzellen an der Kasinostrasse unabhängig weiterentwickelt werden können. – In einem nächsten Schritt wird es dann darum gehen, in einem Masterplan verfeinert aufzuzeigen, wie die Entwicklung vollzogen werden kann.

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