Erlinsbach

Tempo 30 schlägt im Dorf hohe Wellen — Jetzt wehren sich die Befürworter

Auch in Erlinsbach spaltet Tempo 30 die Gemüter. (Symbolbild)

Auch in Erlinsbach spaltet Tempo 30 die Gemüter. (Symbolbild)

Vor einer Woche kam die «IG gegen Tempo 30» zu Wort. Nun dreht sich der Spiess: Die Befürworter «Aktion Lebensraum Erlinsbach» haben eine Medienmitteilung verfasst. Darin widersprechen sie allen Argumenten der Gegner.

In Erlinsbach geht der Kampf um Tempo 30 in die finale Phase – die Referendumsabstimmung gegen das Ja der Gemeindeversammlung findet in 24 Tagen statt. Das AZ-Interview mit Richard Meier, Initiant der «IG gegen Tempo 30», hat im Dorf hohe Wellen geschlagen. Die Befürworter sind mit Meiers Aussagen – und mit dem Flugblatt, dass die IG in den letzten Tagen verteilt hat – gar nicht einverstanden.

Die «Aktion Lebensraum Erlinsbach» (ALE) beispielsweise wehrt sich per Medienmitteilung gegen die Darstellung der IG, wonach der Fussgängerstreifen Brühlstrasse/Buchhalte bei Einführung einer flächendeckenden Tempo-30-Zone wegfallen würde. Tatsächlich sind in fast allen Gemeinden, in denen 30er-Zonen diskutiert werden, die Fussgängerstreifen ein Knackpunkt. Etwa in Aarau beim Herzogplatz oder in Gränichen.

Weil Fussgänger nämlich in Tempo-30-Zonen grundsätzlich überall queren dürfen, dabei aber keinen Vortritt haben, empfiehlt die Beratungsstelle für Unfallverhütung den Gemeinden, vorhandene Fussgängerstreifen zu entfernen. Ausnahmen: vor Heimen, Spitälern, auf wichtigen Schulwegen.

Letzteres ist auch der Grund, weshalb der einzige Fussgängerstreifen, der in Erlinsbach innerhalb der geplanten Tempo-30-Zone liegt, bleiben darf. «Die Vorlage des Gemeinderates sieht unmissverständlich vor, diesen Fussgängerstreifen als zulässige Ausnahme von der BFU-Regelung nicht aufzuheben», so die Mitteilung der ALE.

Gemessene Spitzentempi ausgeblendet?

Richard Meier von der «IG gegen Tempo 30» argumentierte im AZ-Interview mit Verkehrsmessungen, die zeigen würden, «dass auf den meisten Strassen schon jetzt nicht schneller gefahren wird als 30 bis 35, mit ganz wenigen Ausnahmen». Die «Aktion Lebensraum Erlinsbach» ist mit dieser Interpretation nicht einverstanden – unter anderem, weil darin gemessene Spitzengeschwindigkeiten von 60 bis 68 km/h auf der Brühlstrasse und der Sonnhalde ausgeblendet würden. «Das wird von den Gegnern klar bagatellisiert.»

Auch widerspricht die «Aktion Lebensraum Erlinsbach» den Äusserungen der «IG gegen Tempo 30», wonach aufgrund der Einengungen der Strassen durch Stelen oder sonstige Bauwerke mehr Lärm und Abgase wegen dem Abbremsen und Anfahren entstünden. «Diese Feststellungen sind willkürlich und widersprechen klar den Feststellungen der Verkehrsexperten», schreibt die ALE.

Sie zitiert das Bundesamt für Umwelt, das schreibe: «Wenn Tempo 30 statt Tempo 50 gilt, werden die Lärmemissionen um rund drei Dezibel reduziert. Das entspricht einer Halbierung des Verkehrs.»

Solothurner Schwestergemeinde ist zufrieden mit Tempo 30

Es stimme auch nicht, so die ALE weiter, dass die in Erlinsbach AG zur Abstimmung stehende Lösung mit 105'000 Franken teuer sei – in Erlinsbach SO habe dasselbe Anliegen anno 2008 doppelt so viel gekostet. Die Solothurner Schwestergemeinde sei mit ihrem Tempo-30-Modell überdies sehr zufrieden. Und sie habe bei der Wirksamkeitskontrolle ein Jahr nach Einführung der Temporeduktion auch nicht mehr teuer nachrüsten müssen, wie die «IG gegen Tempo 30» in Erlinsbach AG befürchtet.

Zudem führt die ALE an, die meisten Quartierstrassen, auf denen auch Kinder unterwegs seien, würden nicht über Trottoirs verfügen. Dass auf solchen Strassen überhaupt Tempo 50 erlaubt sei, hält die ALE für «verantwortungslos».

In einer Medienmitteilung äussert sich auch die SP Erlinsbach: «Tempo 30 in unseren Quartierstrassen bedeutet gegenseitige Rücksichtnahme und mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden.»

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