Sie polarisieren – häufig auch, weil mit Halbwahrheiten gekämpft wird. Am Wochenende finden in Kölliken, Schafisheim und Gränichen besonders spannende Abstimmungen statt. Urnengänge, zu deren Ausgang kaum jemand eine Prognose zu stellen wagt. In Schafisheim hat Referendumsführer Michael Letic (25) eine heisse Kontroverse über die Gemeinderatsbesoldung ausgelöst. In Kölliken kämpfen Peter Rytz (58) und Edi Roth dafür, dass die Gemeinde ihr Elektrizitätswerk EWK Energie AG für 12 Millionen Franken an die Eniwa (ehemals IBAarau) verkauft. Die Gemeindeversammlung hatte das noch mit 94 zu 78 Stimmen abgelehnt. Und in Gränichen versucht eine Gruppe, die kein Sprachrohr hat, die im November beschlossene Einführung von Tempo 30 doch noch zu verhindern.

Schofiser Gemeinderat zu teuer?

Michael Letic (25) ist in Schafisheim geboren und aufgewachsen. Er war Chemielaborant und hat sich zum Primarlehrer umschulen lassen. Und er hat das Ziel, in der Politik mitzumischen. Im Herbst fehlten dem Kandidaten der Freien Wähler nur neun Stimmen für den Gemeinderat. Dafür gelang es ihm und seinen Mitkämpfern, 228 Unterschriften für das Referendum gegen den Gemeindeversammlungsbeschluss über die Gemeinderatsbesoldung zu sammeln. Letic kämpft gegen eine Erhöhung um 18 Prozent auf 150'000 Franken (jährlich für das 5-köpfige Gremium). Er behauptet: «Eigentlich müsste das Honorar des Gemeinderates sogar sinken.» Praktisch alle Ortsparteien und ehemaligen Mandatsträger sind für ein Ja zu den 150'000 Franken.

Rot statt Gelb in Gränichen?

In Gränichen geht es um zwei Dinge: Einerseits um die flächendeckende Einführung von Tempo 30 und andererseits um die Signalisierung eines Zonenfahrverbots im Gebiet Bleien. Erstens soll der Verkehr im Quartier sicherer gemacht werden und zweitens der Schleichverkehr wynentalabwärts aus dem Quartier zurück auf die Kantonsstrasse verdrängt werden. Ein besonders heisses Eisen ist die Entfernung von Fussgängerstreifen, die nach der Einführung von Tempo 30 nur noch in Spezialfällen zulässig sind. In einer Stellungnahme schreibt der Gemeinderat: «Alternativ könnten anstelle der Fussgängerstreifen im Tempo-30-Bereich Querungsbereiche mit roter Farbe markiert werden.» Das Referendum ist mit 1453 Unterschriften deutlich zustande gekommen. An der Gemeindeversammlung wurde das Geschäft (ein 144'000-Fr.-Kredit) mit 256 zu 221 Stimmen relativ knapp angenommen.

Kölliker Luxusproblem

12 Millionen Franken nehmen oder nicht? Diese Frage stellt sich in Kölliken. Viele Stimmbürger tun sich trotz des lockenden Geldes schwer damit, das Elektrizitätswerk zu verkaufen. Eine rein emotionale Sache? Oder das Misstrauen, dass die Eniwa (ex IBAarau) ihr Versprechen, den Köllikern weiterhin günstigen Strom zu liefern, nicht halten kann? Die Gegner argumentieren damit, die Gemeinde verliere an Autonomie. Die Befürworter sprechen von einer einmaligen Chance.