Region Aarau

Tempo 30 breitet sich weiter aus – Schritt für Schritt

Während Tempo 30 in Oberkulm vom Tisch ist, hat Oberentfelden mit Erfolg sukzessive 30er-Zonen eingeführt. Auf zwei Dritteln des Siedlungsgebiets gilt hier reduziertes Tempo.

Während Tempo 30 in Oberkulm vom Tisch ist, hat Oberentfelden mit Erfolg sukzessive 30er-Zonen eingeführt. Auf zwei Dritteln des Siedlungsgebiets gilt hier reduziertes Tempo.

In vielen Gemeinden gilt fast flächendeckend Tempo 30. Während vor 15 Jahren Gemeinden noch skeptisch waren, sind 30er-Zonen auf Nebenstrassen die Regel. Doch nicht so in Oberkulm. Dort weigert man sich nach wie vor.

Tempo 30 ist eine Erfolgsgeschichte. Erste Gehversuche mit den langsamen Zonen machte die Stadt Bern 1989. Die ETH Zürich und die Beratungsstelle für Unfallverhütung untersuchten in der Bundeshauptstadt während eineinhalb Jahren die Veränderungen im Verkehr. Sie kamen zu Schluss, dass Tempo 30 die Sicherheit erheblich erhöht.

Seit der Jahrtausendwende ist auch im Aargau die Anzahl dieser Zonen sprunghaft angestiegen. Nachdem die Gemeinden vor 15 Jahren noch sehr skeptisch waren, sind Tempo-30-Zonen heute auf Nebenstrassen beinahe die Regel. Eingeführt werden sie oft auf Anregung der Anwohner. Tempo 30 ist heute quasi ein Selbstläufer.

Neue Zonen auch in Aarau

Immer noch werden neue Gebiete eingezont, etwa am Aarauer Ziegelrain. Anwohner fanden, Tempo 50 sei dort zu gefährlich für Passanten. Sie reichten Anfang 2013 beim Stadtrat eine entsprechende Petition ein. Ein Verkehrsgutachten kam zum Schluss, Tempo 30 am Ziegelrain sei sinnvoll. Seit Mitte Juni gilt nun das neue Verkehrsregime, wie schon in diversen anderen Quartieren der Stadt.

Die Anwohner fordern Tempo 30 meist wegen der Sicherheit. Die Sektion Verkehrssicherheit des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt weist daraufhin, dass mit Tempo 30 nicht nur die Sicherheit erhöht wird, sondern mit der Angleichung der Geschwindigkeit zwischen den Verkehrsteilnehmern auch der Verkehrsfluss dynamischer wird.

Ablehnung auf dem Land

Die Studie der ETH zeigt, dass die Unfallgefahr im städtischen Umfeld wie in Aarau etwa um 15 Prozent reduziert werden kann. In ländlichen Gebieten dagegen sinkt die Unfallgefahr noch viel stärker, fast um die Hälfte. Die Umsetzung sieht jedoch genau umgekehrt aus. Während in den Städten Tempo 30 vielerorts etabliert ist, ist die Ablehnung auf dem Land grösser.

In Oberkulm im Wynental wurde diesen Sommer die Einführung von Tempo 30 mit 144 gegen 23 Stimmen deutlich verworfen. Für Gemeindeammann Edmund Studiger ist das Vorhaben vom Tisch: «Wir haben nach diversen Vorstössen aus der Bevölkerung umfangreiche Abklärungen machen lassen, ob sich eine Einführung von Tempo 30 lohnt. Das Aarauer Ingenieurbüro empfahl eine flächendeckende Einführung in den Quartieren.» Vor allem die Schulwege sollten sicherer werden.

An der Gemeindeversammlung im Juni war das Traktandum allerdings überraschend schnell erledigt. Die Finanzkommission befand, das Projekt sei zu teuer. Da es um die Finanzen in Oberkulm nicht zum Besten steht, wurde das Verkehrsprojekt diskussionslos abgeschmettert. «Die Änderung der Signalisation hätte um die 150 000 Franken gekostet. Da half es auch nichts, dass es eine Investition zu unserem Vorteil gewesen wäre», sagt Studiger.

Schrittweise Einführung

Ein paar Kilometer weiter sieht es ganz anders aus. In Oberentfelden wurden die Zonen für verlangsamten Verkehr in den letzten Jahren schrittweise eingeführt. Sie bedecken inzwischen zwei Drittel der Siedlungsfläche. Hier war das offensichtlich ein grösseres Bedürfnis.

Markus Stuker, Bauverwalter der Gemeinde Oberentfelden, sagt: «Die Vorstösse, Tempo 30 einzuführen, kamen bei uns immer aus den Quartieren. Wir haben dann Arbeitsgruppen gebildet, um die Massnahmen optimal umzusetzen», sagt Stuker.

Widerstand habe es zwar teilweise gegeben, neue Verkehrsregeln seien immer gewöhnungsbedürftig. Mittlerweile ist die reduzierte Geschwindigkeit aber überall akzeptiert.

«Zone 30 ist ein positiver Standortfaktor für eine Gemeinde. Mit weniger Lärm und weniger Abgasen wird die Wohnqualität deutlich verbessert», erklärt Stuker. Nicht zuletzt profitiert die Umwelt von verringerten Emissionen, da weniger gebremst und beschleunigt wird.

Eine Frage der Zeit

Anpassungen im Strassenverkehr sind oft eine Frage der Zeit. In Buchs wurde im Jahr 2000 die Initiative «Flächendeckend Tempo 30 auf Gemeindestrassen» mit 70 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Heute gibt es hier eine Masterplanung zur Verbesserung der Wohnqualität in den Wohnquartieren. Tempo 30 ist auch in weiten Teilen von Buchs eingeführt.

Und am Ziegelrain in Aarau? Halten sich die Autofahrer wirklich ans neue Reglement? Eine Anwohnerin findet schon. Insbesondere nachts und an den Wochenenden würde merklich langsamer gefahren – insbesondere den steilen Hang hinunter. Hinauf könne man ohnehin nicht sehr schnell fahren, «sonst landet man im Affenwäldchen.»

Bis jetzt wurden noch keine Geschwindigkeitskontrollen für die Durchsetzung von Tempo 30 am Ziegelrain durchgeführt. Bewusst, wie Daniel Ringier, Chef der Aarauer Stadtpolizei, sagt. «Wir geben den Automobilisten immer eine Chance, sich an ein Regime zu gewöhnen.»

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