Er war Pflicht, der Bau des Gemeinschaftszentrums Telli: Im Grundeigentümervertrag aus dem Jahr 1971 war die Bedingung enthalten, dass nördlich des Einkaufszentrums in der Grünzone ein Gemeinschaftszentrum zu erstellen sei.

«Die Anlage dient den Bewohnern dieser Überbauung sowie öffentlichen und kirchlichen Institutionen.» Der «Zweck» des Gemeinschaftszentrums, kurz GZ, der im Gesamtkonzept von damals festgehalten wurde, gilt noch heute, auf den Tag genau 40 Jahre nach der Inbetriebnahme am 3. Mai 1974: «Das Gemeinschaftszentrum Telli dient der Pflege der zwischenmenschlichen Beziehungen unter den Bewohnern.»

Mit Windeln Kontakte knüpfen

Jetzt ist es also 40 Jahre alt, das Gemeinschaftszentrum Telli. Und mit ihm der Quartierverein und die Quartierzeitung «Telli-Post», auch sie wurden 1974 gegründet. Die grossen Veränderungen in den letzten 40 Jahren lassen sich bei allen drei Institutionen an einer Hand abzählen: Die Grösste war der Umbau des GZ in den Jahren 2011 und 2012.

Auch in der Leitung des GZ gab es nur gerade vier Wechsel. Der heutige Leiter, Hans Bischofberger, ist seit 2002 hier und liebt seinen Arbeitsplatz. Obwohl kein Tag dem anderen gleicht, ist die Aufgabe doch immer die gleiche: «Jeden Tag trägt man etwas zum angenehmen Leben in der Telli bei», sagt Bischofberger.

Wer eine Frage hat, landet unweigerlich in GZ-Büro. Dort werden die Räume vermietet, dort laufen die Fäden für die «Telli-Post»-Redaktion zusammen, hier werden Veranstaltungen koordiniert und organisiert.

Eine Arbeit, die ohne Freiwillige nicht machbar wäre. Würden dem Team keine zur Seite stehen, müsste die Hälfte der Veranstaltungen – vom Mittagstisch über den Yoga- und Tanzkurs bis hin zum Räbeliechtliumzug – gestrichen werden.

Frischgebackene Eltern bekommen ein Pack Windeln geschenkt und werden in allen Sprachen über Frühförderangebote und Anlaufstellen informiert. Und wer zuzieht, der hört über kurz oder lang auch vom GZ oder dem Quartierverein.

Ist diese Gemeinschaft in Zeiten, in denen Individualität und Anonymität grossgeschrieben werden, ein Auslaufmodell? «Ganz sicher nicht», sagt Bischofberger. «Viele Tellianer sind gerade deshalb hierher gezogen und schätzen das. Und wer nicht will, der muss auch nicht.»

Vorstand komplett ausgewechselt

Auch beim Quartierverein gab es seit 1974 kaum Umwälzungen – die grösste ist just ein paar Wochen alt: Der Vorstand hat erstmals nicht mehr nur drei, sondern zehn Mitglieder. Urs Wegmüller, Sämi Schaffner und Sämi Eichenlaub haben ihre Ämter abgegeben, als neuer Präsident wurde Dominik Landolt gewählt, Burbuqe Ibishi als Vizepräsidentin und als neuer Kassier Benjamin von Ballmoos. Dazu kommen Jasmeth Sanchez Espinosa, Lucia Kämpf, Ilkay Kinali, Lina Olarte, Hansueli Trüb, Sophia von Ballmoos und Stefan Wyss.

Eine grosse Veränderung und eine überraschende noch dazu: War es über Jahre hinweg ein Knorz, drei Vorstandsmitglieder zu finden, haben sich nun auf einen Schlag deren zehn dazu bereit erklärt.

«Wir sind positiv überrascht, dass so viele Freiwillige sich für die Telli einsetzen wollen», sagt Landolt. Ihn freut auch, dass der Vorstand nicht mehr nur aus Schweizern besteht, sondern aus sechs Nationen. Mit diesem multikulturellen Vorstand erhofft sich Landolt nicht nur einen besseren Zugang zu Bewohnern ausländischer Herkunft, sondern auch eine bessere Durchmischung der Nationen bei den Veranstaltungen.

«Bisher waren oftmals die immer gleichen Gesichter anzutreffen, die meisten davon Schweizer. Wir hoffen, dass sich das jetzt ändert, und wir so einen weiteren Teil zur Integration leisten können.»

Dominik Landolt selbst wohnt seit zehn Jahren in der Telli und hat sich von Anfang an immer für sein Quartier eingesetzt, für das Dorf in der Stadt, in dem 3500 Menschen auf engstem Raum miteinander leben. «Das ist es, was für mich den Reiz der Telli ausmacht: Man kann hier völlig anonym leben oder die Gemeinschaft geniessen. Und dafür braucht es wiederum Leute, die das koordinieren.»

Damit der Quartierverein lebendig bleibt, braucht es nicht nur viel Einsatz, sondern auch eine Portion Hartnäckigkeit. Heute zahlen rund 550 Einzelpersonen, Familien und Firmen den jährlichen Vereinsbeitrag. Weil die Adressen der Neuzuzüger dem Quartierverein nicht automatisch von der Stadt gemeldet werden, klappert der Vorstand einmal pro Jahr alle Briefkästen ab und notiert die neuen Namen.

Doch damit ist die Arbeit nicht getan, es folgt die Aufklärungsarbeit: «Selbst ein Deutscher versteht das Wort ‹Quartierverein› nicht, das ist wohl eine durch und durch schweizerische Sache», sagt Landolt. Er erkläre dann halt einfach, was der Quartierverein ist: eine «Institution, die sich für die Anliegen der Bewohner starkmacht».

Völlig umkrempeln wollen Landolt und von Ballmoos die bisherige Arbeit des Vorstandes nicht. Viele Projekte und Veranstaltungen habe man übernommen, sagt von Ballmoos. Hingegen sollen die etwas stiefmütterlich behandelten Arbeitsgruppen wieder zu neuem Leben erweckt werden.

So will die Arbeitsgruppe Kultur die ungeahnten Talente der Tellianer wecken, die Arbeitsgruppe Verkehr die Verkehrs- und Raumplanungen der Stadt beobachten und die Arbeitsgruppe Bewohnerschaft als Anlauf- und Kontaktstelle bei Mieterfragen vermitteln.

Das Jubiläum übrigens, das wird am Wochenende des 30. und 31. August gefeiert. Um die Durchmischung der Nationen zu fördern, sollen das Telli-Fest und das Kulturen-Fest zum ersten Mal zusammengelegt werden.

Doch soll nicht nur gefestet, sondern auch etwas mit Nachhaltigkeit geschaffen werden. Verraten will Bischofberger noch nicht allzu viel, aber immerhin das: Vor dem GZ soll ein Bücherschrank aufgestellt werden.