Buchs
Teilfahrverbot Gönhard: Aarau konnte Buchs nicht überzeugen

Die Gemeinde ist nach wie vor gegen das Teilfahrverbot im Gönhard.Gemeindeammann Urs Affolter findet die Massnahme erzwungen. Ob Buchs weiterzieht, wenn Aarau die Einsprache abweist, ist noch offen.

Sabine Kuster
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Die Buchserstrasse – hier kurz vor dem Kreuzplatz – ist schon heute eine Stauzone. Das könnte sich mit dem Teilfahrverbot im Gönhard verstärken. Mario Heller

Die Buchserstrasse – hier kurz vor dem Kreuzplatz – ist schon heute eine Stauzone. Das könnte sich mit dem Teilfahrverbot im Gönhard verstärken. Mario Heller

Mario Heller

Es war eine gute Nachricht für die Bewohner des Gönhardquartiers in Aarau, welche die Stadt ihnen im Sommer vor zwei Jahren überbrachte: Über ihr Quartier soll ein Teilfahrverbot verhängt werden. Der Durchgangsverkehr wird unterbunden, nur die Quartierbewohner und Zubringer dürfen die Strassen noch befahren.

Für Buchs war das eine schlechte Nachricht: Wenn niemand mehr von Suhr auf der Tramstrasse fahrend bereits vor dem Knoten Bavaria die Südallee (Richtung Kantonsspital) hinauf abzweigen darf, muss man die Buchserstrasse befahren, um beispielsweise auf die Entfelderstrasse, eine andere Ausfallstrasse Aaraus, zu gelangen. Die Buchserstrasse aber ist schon heute oft eine Stauzone – direkt vor Buchs. Auch die Querung des Gönhards via Herzog-strasse, die beim Gais-Kreisel abzweigt, ginge nicht mehr.

Der Kanton war sich der Auswirkungen des Verbotes bewusst und hat deshalb 2014 flankierende Massnahmen verfügt: Zur Steuerung des Verkehrs soll beim Gais-Kreisel eine Ampel installiert werden. So wie auch beim Knoten Bavaria, der ebenfalls zum Kreisel umgebaut werden soll. Zudem muss auf der Tramstrasse eine Busspur eingerichtet werden.

Fahrverbot nicht dieses Jahr

Von dieser Busspur ist weit und breit nichts zu sehen. Im alten Trassee der WSB neben der Tramstrasse wuchert das Unkraut. Diese Voraussetzung ist also noch lange nicht gegeben. Doch das Teilfahrverbot darf dennoch umgesetzt werden, nämlich spätestens ein Jahr nach der Inbetriebnahme der Verbindungsspange Buchs Nord. Also jener Strasse, welche vom Gais-Kreisel am geplanten Stadion vorbei Richtung Autobahnzubringer führt. Diese ist seit Ende des letzten Jahres fertig.

Dieses Jahr kommt das Teilfahrverbot trotzdem kaum. Vorerst ist noch die Einsprache der Gemeinde Buchs gegen das Vorhaben hängig. Sie gehört zu jenen Einwendern, mit denen sich die Stadt in den vergangenen Monaten nicht hat einigen können. «Einen Einsprecher konnten wir überzeugen, dass die Lärmbelastung auf dem übergeordneten Verkehrsnetz deswegen nicht zunimmt», sagt der zuständige Stadtrat Werner Schib.

Doch Buchs geht es um den Stau. Gemeindeammann Urs Affolter sagt zudem: «Wir finden den jetzigen Zeitpunkt falsch. Und die Lärm-Sanierungspflicht im Gönhard ist gar nicht gegeben.» Dies, weil nur zwei Liegenschaften an der Weltistrasse zu hohe Lärmwerte aufgewiesen hätten. «Zudem hat man die Auswirkungen der geplanten Busspur oder die bereits erfolgten Verkehrsberuhigungsmassnahmen an der Weltistrasse nicht in die Modellrechnungen einbezogen», sagt Affolter, «diese Nachweise fehlen.» Der Kanton hatte vor zwei Jahren mit Verkehrsstudien ermittelt, wie gross die Teilfahrverbotszone sein muss, damit sie wirkt und nicht am Ende durch längere Wege noch mehr Verkehr im Quartier erzeugt. «Ich sehe nicht, warum die Stadt Aarau das Verbot jetzt schon erzwingen will», sagt der Buchser Gemeindeammann.

Das hat mit der Vorgeschichte zu tun: Die Stadt Aarau hatte 2008 mit dem Quartierverein Gönhard eine Vereinbarung abgeschlossen, mit der der Stadtrat Massnahmen gegen den Durchgangsverkehr beziehungsweise den Lärm versprach. Quartierbewohner pochten auf die Umsetzung und bekamen schliesslich vor Bundesgericht recht: Im Sommer 2010 verlangte das Bundesgericht vom Stadtrat, zu prüfen, ob und wie im Gönhard der Schleichverkehr gestoppt werden kann. Doch nicht nur das neue Umweltschutzgesetz zwang die Stadt zum Handeln: Die Unterbindung des Durchgangsverkehrs im Gönhard war auch Bestandteil einer Forderung in einer Stadion-Einsprache. Ein Gönhardbewohner zog diese Einsprache im Sommer 2014 zurück, als die Stadt das Teilfahrverbot zusicherte. Nun muss das Verbot also kommen.

Urs Affolter sagt hingegen: «Wir wollen zuerst die Modellberechnungen sehen, wie sich das für ein neues Vorhaben im Verkehr gehört. Denn gibt es auf der Tram- und der Buchserstrasse mehr Rückstau, bekommen wir das mit Ausweichverkehr in Buchs und verspäteten Bussen zu spüren.» In Buchs hat man noch nicht entschieden, ob die Gemeinde das Verfahren – falls Aarau die Einsprache abweist – weiterziehen will. Über die Einwendungen entscheidet der Aarauer Stadtrat im März oder April. Zum laufenden Verfahren mit Buchs gibt Stadtrat Schib keine Auskunft.

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