Oberentfelden

Technik beisst auch Mädchen nicht: «Tüftlerinnen» bauen Automaten unter der Leitung von Lehrlingen

Die Schülerinnen werden von Lehrlingen instruiert.

Die Schülerinnen werden von Lehrlingen instruiert.

29 Primarschülerinnen bastelten unter Anleitung von Lehrlingen einen mechanischen Automaten. Für Erich Reimann, Ausbildungsleiter des Ausbildungsverbunds, geht es darum, guten Berufsnachwuchs zu bekommen. Um diesen wird gekämpft.

«Ich finde es cool, solche Sachen zu machen», sagt Anina Berger aus Gränichen. Sie macht mit am Projekt «Tüftlerin.ch», das 10- bis 12-jährigen Mädchen ermöglicht, unterstützt von Lehrlingen in die Welt der Technik einzutauchen. Weil der erste Kurs im Dezember rasch ausgebucht war, gabs einen zweiten mit 13 Mädchen, der am Mittwochnachmittag zu Ende ging. Und zwar im Kurszentrum «Ausbildungsverbund AarauWest» bei GE Grid in Oberentfelden.

Es herrscht eine ruhige Atmosphäre an den Arbeitsplätzen, wo sonst Lehrlinge ausgebildet werden. Die Mädchen sind konzentriert bei der Sache. Meistens. Man kann auch über die Ferien plaudern oder den Lehrling mit Fragen löchern. Gemäss Konstruktionsleitfaden bauen die 4.- und 5-Klässlerinnen ihren Automaten. Das ist nicht ohne, doch die Lehrlinge der Berufe, Polymechaniker, Konstrukteur und Automatiker haben Geduld. Und auch sie sind vor Fehlern nicht gefeit.

Marcel Woodtli (17), im zweiten Lehrjahr als Konstrukteur, meint: «Mit Kindern zu arbeiten, bringt eine Abwechslung zum Alltag.» Die acht Lehrlinge sind Problemlöser. Je nach fortgeschrittener Zeit und Interesse lassen sie ihre Zöglinge, wie Anina, sogar selber löten. «Schutzbrille aufsetzen; Sicherheit geht vor», sagt Woodtli.

Kampf um guten Nachwuchs

Für Erich Reimann, den Ausbildungsleiter des Ausbildungsverbunds, geht es darum, guten Berufsnachwuchs zu bekommen. «Für anspruchsvolle technische Berufe stehen wir in einem Kampf um gute Leute», sagt er. Mitbewerber sind die Mittelschulen. Speziell im Fokus sind die Mädchen, deshalb diese Workshops ausschliesslich für Mädchen. In gemischten Gruppen wie dem Tüftelworkshop im Frühling, der jeweils drei Tage dauert und in dem man eine elektrische Kugelbahn oder einen Flipperkasten baut, sind Mädchen in der klaren Minderzahl. Nicht umsonst unterstützt das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann das Projekt «Tüftlerin.ch».

«Die Batterie erst zuletzt einsetzen; Strom kann gefährlich werden», sagt Marcel Woodtli. Gross ist die Freude, wenn man den Automaten einschalten kann und sieht, wie der Motor die Zahnräder ineinander greifen lässt, die ihrerseits die Stössel bewegen: Drehung oder Auf-und-Ab-Bewegung? Oder beides kombiniert? Das will ertüftelt werden.

Das Technische fordert auch die Lehrlinge. Ihre Hilfe und Improvisationsfähigkeit sind gefragt, je später der Nachmittag vorrückt. «Zwei Halbtage sind etwas knapp», so Erich Reimann. Deshalb haben die Lehrlinge Vorarbeiten geleistet, beispielsweise Löcher vorgebohrt.

Unverwechselbare Automaten

Jedes Mädchen trägt am Ende seinen unverwechselbaren Automaten nach Hause. Mag die Mechanik auch ähnlich sein, was auf die Stössel montiert wird, ist individuell. So lässt Emely Lüscher Cupcake und Cornet kreisen. Aus Wrap-Karton sägen die Mädchen ihre Figuren, Katze, Hase und Rüebli. Delfin und Palme. Man sieht den Kindern den Stolz auf ihr Werk an. Auch wenn die Berufswahl noch ein paar Jahre aussen vor bleibt, das Interesse an der Technik – Ziel des Workshops – könnte, im Sinne von Erich Reimann, da und dort geweckt worden sein.

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