Aarau
Tanzlehrerin Helen Minger wird 70 Jahre alt und tanzt weiter

Trotz dem Tod von Beat Minger feiert die Aarauer Balett- und Steppschule das 40-jährige Jubiläum. Seine Frau Helen und Gründerin der Tanzschule schmeisst den Laden mit ungeborchenem Engagement.

Sabine Kuster
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Helen Minger wird im April 70 Jahre alt – ihre Tanzschule feiert den 40. Geburtstag.Annika Bütschi

Helen Minger wird im April 70 Jahre alt – ihre Tanzschule feiert den 40. Geburtstag.Annika Bütschi

Annika Buetschi / AZ

Ein halbes Jahr ist vergangen, seit Beat Minger bei einem Umfall auf der Strasse ums Leben kam. Der Tanzlehrer war beliebt bei den Schülerinnen des «Mignon-Dance», doch er hinterliess seiner Frau Helen auch einen Berg Arbeit.

Sie übernahm nach seinem Tod nicht nur viele seiner Tanzstunden, sondern musste sich auch um die eine Menge Waren kümmern, die Beat in seinen manischen Phasen gekauft hatte um ein Catering-Unternehmen zu starten.

Noch sind nicht alle Rechnungen bezahlt. Das wissen auch Mingers engste Schülerinnen. Zwar hat die Schule in der schwierigen Zeit davor einige Tänzerinnen verloren, doch der Kern hält immer noch felsenfest zur Tanzlehrerin.

In Auenstein basteln Hannah (9) und Lisa (10) momentan Teelichter, Magnetkäfer, Karten und Zettelspender, die sie demnächst vor dem Volg in Auenstein verkaufen wollen, um so ihre Tanzlehrerin zu unterstützen.

Eigentlich hatten sie zusammen einen Detektiv-Klub gegründet, aber da es an Fällen zum Aufklären gemangelt habe, hätten sie sich entschlossen, für jemanden zusammeln. Zuerst wollten die beiden Freundinnen für ein Kinderhaus basteln, dann fanden sie, Helen Minger könne die Unterstützung auch gebrauchen.

Die Mütter der beiden Mädchen gingen ins zu Beat Minger ins Stepptanzen. Jetzt und wollen auch sie helfen. «Die meisten sind schon sehr lange dabei, und fühlen sich mit der Tanzschule verbunden», sagt Claudia Hanselmann, Lisas Mutter.

Der Idealismus der Mingers habe sie angesteckt. Und das Engagement beeindruckt sie: «Helen Minger geht nie in die Ferien. Und als meine Tochter für die Meisterschaften ein Stepp-Solo übte, verlangte Helen nichts für die Einzelstunden.»

Die 69-Jährige ist eine resolute, pragmantische und gleichzeitig offenherzige Frau. Eine Tanzlehrerin mit Prinzipien. «Erziehung ist das wichtigste», findet sie.

Und so sagt sie auch jetzt: «Ich muss das mit den Mädchen besprechen. Ich bin reich im Gegensatz zu andern Menschen. Armut ist etwas ganz anders. Sie sollen das Geld einer Hilfsorganisation spenden.»

Manche der älteren Schülerinnen haben nun Tanzstunden übernommen, andere helfen bei der Werbung. Die Kleinen schenken ihr Bastelarbeiten. «Das ist gut gemeint, aber ich habe schon so viel», sagt Minger, sie sei wirklich in Liebe gebettet. Über 200 alte Schülerinnen hätten ihr nach Beats Tod geschrieben.

Aber manchmal werde es ihr fast zu viel. Helen Minger sagt: «Die Schülerinnen würden sogar auf die Strasse gehen und für mich sammeln.» Aber sie wolle nicht, dass der Eindruck entstehe, in der Tanzschule sei bald Ende Feuer. «Die Tanzschule bleibt bestehen. Wenn ich es nicht durchstehe, gebe ich sie an Schülerinnen weiter.»

Nun kommt auch noch die «Birthday-Show» auf sie zu. Reservieren müssen hatte Helen Minger den Bärenmatte-Saal in Suhr schon vor zwei Jahren. 40 Jahre Tanzschule wird gefeiert und Minger zieht die Show durch – wenn auch mit einem kürzeren Programm als sonst.

Dafür gebe es am Ende Kaffee und Kuchen und Zeit, um mit den ehemaligen Schülerinnen zusammen zu sitzen. Die Teige für die Kuchen bereitet sie schon jetzt vor und friert sie ein.

Birthday-Show am Samstag 13. April um 19 Uhr, am 14. April um 17 Uhr, in der Bärematte Suhr

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