Aarau

Tanzfest: Die Kantonshauptstadt ist in Bewegung

Der DanceMob verwandelte den Kasinogarten im Herzen der Stadt Aarau in eine Tanzwiese.  markus christen

Der DanceMob verwandelte den Kasinogarten im Herzen der Stadt Aarau in eine Tanzwiese. markus christen

Das zweite Tanzfest machte den Kasinogarten in Aarau zur grossen Tanzwiese. Die Berührungsängte mit dem Tanzen wurden schnell abgelegt.

Vormittags um viertel vor zwölf ertönte die Musik und breiteten sich die Schallwellen aus. Das gemächliche, samstägliche Aarauer Innenstadtleben wurde rhythmisiert. Das «Dance!-Project» um Leiterin Geneviève Schüepp eroberte mit einem DanceMob, einer überfallartigen, tänzerischen Einlage, den Kasinogarten und forderte die Passanten zum spontanen Mitmachen auf.

Eine Gruppe Mädchen des Aarauer Blaurings legte die Hemmungen schnell beiseite, schaute sich die Bewegungen bei den erfahrenen Tänzerinnen ab und der Kasinogarten wurde zur Tanzwiese.

Mit dem DanceMob wurde das Tanzfest in Aarau so richtig lanciert. 25 Schweizer Städte insgesamt standen am Samstag und am Sonntag ganz im Zeichen der Bewegung. Im Kanton Aargau fand das Tanzfest heuer zum zweiten Mal statt.

Nebst dem DanceMob in Aarau und vielen Tanz-Schnupperkursen gab es in Baden unter anderem Tanzaufführungen von ausgebildeten Tänzern in Ladenschaufenstern zu sehen und fand im Kurtheater am Samstagabend eine grosse Tanznacht statt.

Tanzen ist gut fürs Hirn

«Das Ziel des Tanzfestes ist es, die Berührungsängste abzubauen», erklärt Connie Fauver von Reso, dem Tanznetzwerk Schweiz, das in Zusammenarbeit mit lokalen Tanzschaffenden und Tanzschulen das Fest organisiert. «Die Menschen sollen an diesem Wochenende zuschauen, aber auch mitmachen können.» Doch mit dem Mitmachen haperte es zumindest in Aarau noch ein wenig.

Anders als in Baden, wo die Tanzkurse laut Fauver gut bis sehr gut besucht wurden, vermochten die frühen Kurse im Jugendkulturhaus Flösserplatz nicht allzu viele Teilnehmer anzulocken. Dafür gab es jedoch interessante Geschichten zu hören und mitzuerleben.

So kann nun das Vorurteil aus der Welt geschafft werden, dass es viele Frauen gebe, die ihre Männer gegen deren Einspruch in die Tanzkurse mitschleppten. Zwei Tanzlehrerinnen bestätigten, dass dies schlicht wahr sei. «Allerdings», so Sonja Pop von der Tanzschule Aargau, «gibt es auch viele Männer, die dann grossen Gefallen am Tanzen finden.»

Jörg, der zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Kindern aus Suhr gekommen war, um einige der Kurse zu besuchen, erzählt, dass er früher regelrecht süchtig nach dem Tanzen gewesen sei. «Praktisch jeden Abend habe ich bis in die Morgenstunden Salsa getanzt. Die Belastung war irgendeinmal zu gross und ich bekam Pfeiffersches Drüsenfieber.» Eine positive Seite seiner Tanzsucht gab es allerdings auch. Er lernte so seine Frau kennen. Jörg ist überzeugt: «Wer sein Leben lang tanzt, bleibt fit. Auch im Hirn.»

Aus der Not eine Tugend

Im Spiegelsaal des Flösserplatzes machen derweil Anja aus Zürich und Kathrin aus Aarau aus der Not eine Tugend. Da die Leiterin des Ballettkurses überraschend nicht zur Veranstaltung erschienen ist, übernimmt Anja, die sieben Jahre lang den Ballettunterricht besucht hat, die Leitung gleich selbst. Die beiden Frauen haben sehr viel Spass, und wie sich herausstellt, ist Kathrin ein echtes Naturtalent.

Und je länger der Nachmittag dauert, desto mehr Teilnehmer kommen in die Kurse. Salsa Cubana und Tänze aus aller Welt sorgen für Begeisterung. Das Tanzfieber sei leider nicht mehr so gross wie noch vor 20 Jahren, sagt Tanzlehrerin Sonja Pop. Mit dem Tanzfest in Aarau wurde die Möglichkeit geboten, dass dies wieder anders werden kann.

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