Dass es nicht zu Ausschreitungen kam, kann natürlich verschiedene Gründe haben. Einerseits war die Polizei mit einem Grossaufgebot aus insgesamt sieben Polizeikorps im Einsatz, was potenzielle Krawallmacher abgeschreckt haben mag.

Andererseits schienen die angereisten FCZ-Anhänger aber auch keine Konfrontation herbeiführen zu wollen. Statt Steine zu werfen, tranken sie auf dem Parkplatz der Kunsteisbahn neben dem Stadion, wo die Polizei sie eingekesselt hatte, Dosenbier und hörten Reggae-Musik.

Die meisten Aarauer finden lobende Worte für Polizeieinsatz vor dem Match FCA-FCZ

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Jene, die sich der Aufforderung der Polizei, das Gelände zu verlassen, widersetzten, wurden nach Spielbeginn am frühen Samstagabend gruppenweise in Kleintransportern abgeführt. Insgesamt nahm die Polizei vor dem Stadion und am Bahnhof Aarau gegen 300 Personen in Gewahrsam, wie Polizeisprecher Roland Pfister sagt. Die Fans hätten maximal 24 Stunden festgehalten werden können. Die letzten von ihnen seien aber noch am selben Abend um 22 Uhr wieder entlassen und entweder zu ihren Autos oder zum Bahnhof eskortiert worden, so Pfister.

Weckruf für die Vereine?

Also alles richtig gemacht? Ja, meint FDP-Grossrat Thierry Burkart: «Ich kann der Polizei und auch dem Justizdirektor Urs Hofmann nur Komplimente machen.» Der Entscheid der Behörden, keine Gästefans zuzulassen, könne durchaus als Muster für künftige kritische Begegnungen dienen, findet er. «Als Staat kann man nicht einfach nur zuschauen und muss irgendwann auch zu drastischen Mitteln greifen.» Zu den Kosten des Einsatzes macht die Polizei keine Angaben.

Dass diese ziemlich hoch waren, ist aber auch Burkart klar. Der Politiker hofft jedoch, dass die Sicherheitskosten dank der aussergewöhnlichen Massnahme langfristig sinken – «weil die Vereine und Fangruppierungen intern jetzt für mehr Ordnung sorgen werden». Bisher, so sein Eindruck, «haben nicht alle den Willen, gegen die gewaltbereiten Fans vorzugehen».

Etwas kritischer zum Vorgehen der Polizei äussert sich Burkarts Parteikollegin Jeanine Glarner. Es sei grundsätzlich problematisch, die Freiheit wegen Sicherheitsbedenken einzuschränken. Glarner geht aber davon aus, «dass der Entscheid gefällt wurde, weil die öffentliche Sicherheit akut gefährdet war» und kann ihn deshalb auch nachvollziehen.

Von Justizdirektor Hofmann erhofft sie sich an der heutigen Sitzung der Sicherheitskommission des Grossen Rats genauere Auskünfte darüber, wie der Entscheid zustande kam. Dass das Instrument «Gästesektor-Sperrung» Schule macht, hofft sie nicht: «Es wäre nicht im Interesse des Fussballs und der Freiheit im Besonderen.»

Zu seinem nächsten Heimspiel empfängt der FCA am 3. Mai den FC Luzern. Wiederum ohne Gästefans? «Jedes Spiel wird neu beurteilt», sagt Pfister dazu. «Die Sperrung des Gästesektors ist jetzt aber sicher kein Dauerzustand.»