Westaargau

«Tageskarte Gemeinde» wird immer teurer: So viel kostet sie in der Region

Viele Gemeinden geben Preiserhöhungen bei Tageskarten an Kunden weiter.

Viele Gemeinden geben Preiserhöhungen bei Tageskarten an Kunden weiter.

Wie alle SBB-Billette wird auch die «Tageskarte Gemeinde» immer teurer. Viele Gemeinden in den Regionen Aarau, Lenzburg-Seetal und Wynental-Suhrental geben die Preiserhöhungen an Kunden weiter. Denn die SBB nehmen ungenutzte Tageskarten nicht zurück.

Bald beginnen die Herbstferien – Zeit für Ausflüge in alle Landesteile. Dafür bietet sich die «Tageskarte Gemeinde» an. Damit hat man einen Tag lang freie Fahrt auf dem Netz der SBB und weiteren Anbietern. Aber: Wie alle Bahnbillette wird auch die «Tageskarte Gemeinde» immer teurer.

Einwohnergemeinden bezahlen derzeit pro Jahrespaket 13 300 Franken. Eine Tageskarte kostet im Einkauf also etwa 36.50 Franken, rund einen Franken mehr als 2014. Es ist den Gemeinden überlassen, zu welchem Preis sie die Billette weiterverkaufen wollen und ob sie Bearbeitungsgebühren miteinberechnen. Während einige Gemeinden ihre Tarife trotz Preiserhöhung durch die SBB unverändert lassen, prüft Schlossrued eine Anpassung. Buchs kündigt Preiserhöhungen ab 2016 an, Aarau ab 2017.

Andere Gemeinden haben ihre Tarife bereits erhöht, um ein Verlustgeschäft zu verhindern. In Lenzburg kostet die Tageskarte neu 43 statt 42 Franken. Möriken-Wildegg hat Anfang Jahr den Preis um 3 Franken auf 45 Franken angehoben. Laut Martin Fischer, Leiter Finanzen, war dies notwendig, damit trotz Einkaufspreis-Erhöhungen die Schwarze Null beibehalten werden kann – denn bei einer durchschnittlichen Auslastung von etwa 84 Prozent bleibt für die Gemeinde meist kaum ein Gewinn.

Auch Andrea Häfliger von Tourismus Lenzburg-Seetal spricht von saisonalen Schwankungen in der Auslastung: «In den Sommermonaten liegt sie bei fast 100 Prozent, zum Beispiel während des Genfer Autosalons. Im Winter ist die Nachfrage gering.»

Verkauf weiterhin an Auswärtige

Ungenutzte Tageskarten können die Gemeinden nicht an die SBB zurückgeben, sie bleiben auf den Kosten sitzen. Um die Auslastung zu erhöhen, geben die meisten Gemeinden ihre Karten auch an Auswärtige ab. Das verbieten die SBB eigentlich seit 2011 (Ausnahme: Abgabe an Einwohner von Nachbargemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern).

Als die az Anfang 2014 schrieb, dass die meisten Gemeinden in der Region nach wie vor sowohl an Einheimische als auch an Auswärtige Karten verkaufen, rüffelten die SBB einige dieser Gemeinden per Brief. Ein Blick in die Tabelle zeigt: Davon lassen sich die wenigsten abhalten.

Region Aarau

Einige Gemeinden, wie etwa Hendschiken oder Erlinsbach, haben die Tageskarte längst wieder abgeschafft, weil die Nachfrage im Ort zu gering war. Der Gemeinderat Niederlenz hat im April entschieden, die Karte nicht mehr anzubieten: «Für unsere Gemeinde hat sich der Aufwand nicht gelohnt», sagt die stellvertretende Gemeindeschreiberin, Monika Schärer.

Auslastung von fast 100 Prozent

Einen offenbar bewährten Weg, die Auslastung zu erhöhen, hat Auenstein gefunden: Die Gemeinde kauft Tageskarten im Verbund mit Schinznach, Schinznach-Bad, Veltheim, Villnachern und Thalheim. Einwohner dieser Gemeinden erhalten die Karten billiger. Die Auslastung liege bei 98 Prozent, hiess es kürzlich in der az.

Region Lenzburg-Seetal

Auch in Schöftland scheint die Nachfrage nach den Karten gut zu sein. So wird das Angebot 2016 von drei auf vier Karten ausgebaut. Ob der Preis von heute 39 Franken bestehen bleibt, sei noch offen, sagt Gemeindeschreiber Ruedi Maurer. Damit ist Schöftland eine der billigsten Bezugsquellen. Nur Seengen gibt die Karte noch günstiger ab.

Region Wynental-Suhrental

Beim Einheimischen-Tarif von 35 Franken legt die Gemeinde gegenüber dem Einkaufspreis sogar drauf – aber am Hungertuch nagt man in Seengen bekanntlich nicht.
Am teuersten ist Teufenthal. Dort wurde der Preis für die beiden Tageskarten von 45 auf 47 Franken (Einheimische) beziehungsweise von 47 auf 49 Franken pro Stück erhöht. So ist das Angebot bereits ab einer Auslastung von 78 Prozent kostendeckend.

Übrigens: Auch Luzern ist ein teures Tageskarten-Pflaster. Die Stadt verlangt für jede ihrer 20 meist ausgebuchten Tageskarten 48 Franken. Günstiger fährt man in Baden und Solothurn (45 Franken), Zug (44) sowie Basel (41). In Winterthur kostet die Tageskarte an Werktagen neu 40 Franken, am Wochenende 47. Zürich hat das Angebot (50 Franken) 2013 eingestellt – es war defizitär.

SBB: Verkaufszahlen sind stabil

Ein Set mit Tageskarten, vordatiert für jeden Tag des Jahres, kostete von 2003 bis 2007 8500 Franken. Von 2008 bis 2010 zahlten die Gemeinden rund 9775 Franken, im Jahr 2011 bereits 11 300 Franken. 2012 stieg der Preis erneut auf 12 300 Franken pro Jahreskarten-Set, 2013 und 2014 kostete es dann 12 900 Franken. Derzeit zahlen Gemeinden im Einkauf 13 300 Franken. Innert zehn Jahren ist die Karte also im Einkauf rund 56 Prozent teurer geworden.

Laut SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi liegt die Zahl verkaufter Tageskarten-Jahressets «stabil bei gut 4500». Sie wurden von rund 1200 Gemeinden erworben. «Wir gehen aufgrund unserer Beobachtungen von einer Auslastung zwischen 85 und 90 Prozent aus.»

Meistgesehen

Artboard 1