Aarau
«T-Run»: Noch eine neue Clique aus der Telli

«T-Run» nennen sie sich: Oberstufenschüler, die sich in der Freizeit nie langweilen. Die jungen Parkour-Sportler werden nie müde, sich in Sprüngen und Salti zu üben.

Sabine Kuster
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Das Telli-Quartier scheint ein fruchtbarer Boden für jugendliche Initiative zu sein. Nicht dass es in anderen Quartieren keine Cliquen gäbe, aber es fällt auf dass die Jugendlichen in der Telli ihre Herkunft mit Stolz verkünden: Rapper Derderic hat der Telli einen Song gewidmet, ein Kollege hat «I love Telli»-Pullover hergestellt (die az berichtete). Es gibt noch mehr stolze Telli-Jungs: Vier Oberstufenschüler nennen sich angelehnt an die Telli «T-Run».

Sie sind Parkour-Sportler – die jüngsten in Aarau. Khem war erst 10 Jahre alt, als er vor zwei Jahren im Fernsehen von diesen Typen erfuhr, die durch Städte turnen, als wären sie Turnhallen.

Khem übt mit seinen Freunden Dominik, Alec und Tim seither fast täglich. Dominik – mit 14 Jahren der älteste der «T-Run»-Clique – ist am motiviertesten, er ist es, der die anderen immer wieder mitreisst.

Geübt wird in der Halle in Suhr

Zuerst lernten die Vier die Sprünge und Saltos in der Kasernenturnhalle samstags während «Midnight Sports» von älteren Parkour-Sportlern. Heute testen sie riskante Tricks in der Halle in Suhr, wo auch eine Gruppe älterer Jugendlicher trainiert. «Sie akzeptieren uns», sagen die vier.

Die ursprüngliche Idee von Parkour war, in einer Stadt direkt von A nach B zu kommen. Dabei die Hindernisse also nicht zu umgehen, sondern zu überklettern und -springen.

Rannten sie auch schon durch private Gärten? Die vier grinsen ertappt. «Wir waren schon fast überall», sagten sie, aber meistens würden das
die Leute gar nicht mitkriegen, so schnell seien sie wieder weg. In ihrer Version des «Fangis» rennen sie sozusagen in Luftlinie von der Altstadt in die Telli.

«Spielplätze» sind überall

Am häufigsten machen Khem, Dominik, Alec und Tim aber «Free runnig». Sie suchen sich einen Ort und üben da, als wärs ein Spielplatz: auf dem Gelände der Berufsschule, im Torfeld Süd, auf einem Kiesplatz in der Gais zum Beispiel.

Vor der Berufsschule wollen sie auch heute der Zeitung zeigen, was sie können. Schon über eine halbe Stunde springen sie im Regen über Mäuerchen, auf Bänke und von Treppen. Das Wasser rinnt ihnen über das Gesicht – sie scheinen es nicht zu merken. Salto vorwärts, rückwärts, Schraube, Flickflack, Sideflip, Katzensprung, Monkey Gainer, Speed Vault ... und wenns danebengeht? «Mann muss sich eben konzentrieren», sagt Dominik.

Im letzten Monat hat er sich dennoch einen Finger an einer Mauer gestaucht. «Drei Tage Pause, dann gings wieder», sagt er. Mal ein verstauchter Fuss und immer wieder Schürfungen, das gehört zu einer Sportart, die auf Asphalt und Beton stattfindet. «Früher tat mir oft die Ferse weh, jetzt lande ich besser», sagt Khem.

Parkour kostet nichts

Die Skepsis ihrer Eltern sei gewichen, sagen sie. Wenn sie gemeinsam unterwegs sind, sei es auch okay, wenn sie weiter reisen zum Üben. Nach Basel zum Beispiel auf den Klaraplatz. Sie träumen davon, mal an einem offiziellen Wettbewerb teilzunehmen. Und so treffen sie sich auch nach zwei Jahren noch fast täglich. Dominik, der inzwischen in Buchs wohnt, kommt jeweils mit dem Bus zu seinen Freunden in die Telli. «Wir brauchen nichts für diese Sportart», sagt Alec. «Die Mäuerchen sind gratis», sagt Kehm. «Wir finden immer etwas», sagt Dominik.

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