Beide zeigten die eine oder andere Unsicherheit. Mall floppte beim Gegentreffer zum 2:3 gegen GC, König griff beim Führungstreffer von Xamax daneben. Wer hütet nun in Lausanne das Tor des FC Aarau? «Das Rennen ist offen. Beide Torhüter haben mein vollstes Vertrauen», sagt René Weiler. Und nach kurzem Zögern fügt der Trainer des FC Aarau hinzu: «Einer wird sicherlich spielen.»

Viel schlauer ist man nach dieser Aussage nicht. Die Ausgangslage beim Super-League-Aufsteiger im Kampf um die Nummer eins ist und bleibt spannend. Und sie entbehrt keinesfalls einer gewissen Brisanz. Beim 1:3 gegen den FC Basel, 4:2 gegen Luzern und 2:4 gegen die Grasshoppers kassierte Mall neun Treffer. Der 22-Jährige spielte nicht schlecht, ja er hielt sein Team gegen GC mit mirakulösen Paraden sogar lange Zeit im Spiel. In der Schlussphase segelte er nach einem Freistoss von Shkelzen Gashi allerdings am Ball vorbei – und Nassim Ben Khalifa brachte die Zürcher mit einem Kopfball aus kurzer Distanz auf die Siegesstrasse. Mall die alleinige Schuld für die Niederlage zu geben, wäre ungerecht. Beim FC Aarau funktionierte im Letzigrund das ganze Abwehrdispositiv nur ungenügend.

Weiler reagierte, setzte ein Zeichen und brachte im vierten Meisterschaftsspiel in Thun König. Der Erfolgscoach begründet den Schritt wie folgt: «Ich habe mir von König dank seiner Erfahrung einen grösseren Rückhalt und mehr Stabilität erwartet.» Die Rechnung ging fürs Erste auf. Der frühere Torhüter von Bellinzona spielte beim 2:2 gegen die Berner Oberländer solide. Beim 0:4 gegen YB und vor allem beim 3:1 im Cup gegen Xamax zeigte der bald 28-Jährige Nerven und strahlte nicht jene Sicherheit aus, die von ihm erwartet worden ist. König kassierte in den drei Spielen sieben Tore, also zwei weniger als Mall. Bessere Noten als Mall verdiente sich der Routinier allerdings nicht. Und wie schon bei Mall hatte man auch bei König nicht das Gefühl, dass das Zusammenspiel zwischen Goalie und Viererabwehrkette klappte. Ganz abgesehen davon, dass momentan alle FCA-Verteidiger zu fehleranfällig sind und Lehrgeld zahlen. Die 15 Gegentore in fünf Spielen als Beweis dieser Aussage.

Das Duell König gegen Mall ist eines auf Augenhöhe. Mall ist extrem ehrgeizig, war nach der Verbannung auf die Ersatzbank zwar enttäuscht, reagierte aber professionell. Er versucht, den Trainer mit starken Leistungen in den Trainings zu beeindrucken. Mal sehen, ob der Youngster gegen Lausanne wieder zwischen den Pfosten stehen wird. Weiler arbeitet seit zweieinhalb Jahren mit Mall zusammen, denkt nicht kurz-, sondern langfristig und sagt: «Mein Ziel ist es, Joël als Mensch und als Berufsfussballer weiterzubringen. Als Spitzensportler muss er Rückschläge wegstecken und immer nach vorne schauen. Seine mentale Stärke hilft ihm dabei.»

Weiler möchte, dass beide Keeper aus Fehlern lernen und Fortschritte machen. «Die Torhüter stehen in einer Mannschaft besonders im Fokus», sagt der Trainer. «Gegentore sind nicht zu verhindern. Ich verlange von Torhütern aber, dass sie dem Team zusätzlichen Halt geben.» In der Startphase der Meisterschaft konnten die zwei die Vorgaben des Trainers nur bedingt erfüllen. Der FC Aarau hat zwar gute, aber keine überragenden Torhüter.