Autofahrer meldeten der Polizei am Donnerstagabend eine Schlägerei in Aarau. Laut Mitteilung der Kapo Aargau trafen die Beamten vor Ort auf einen 36-jährigen Franzosen und dessen Ehefrau. Die beiden schilderten, sie seien zu Fuss vom Kreuzplatz her in Richtung Gais-Kreisel unterwegs gewesen, als vier dunkelhäutige Männer auf sie zukamen. Diese hätten Geld gefordert und den Mann dann unter Schlägen und Fusstritten zu Boden gezerrt, wobei dieser leicht am Kopf verletzt wurde. Die Frau wurde geschubst und stürzte ebenfalls. Danach flohen die Täter ohne Beute.

Auf der Fahndung sichteten die Polizisten einen möglichen Täter, der sofort die Flucht ergriff. Er wurde kurz danach angehalten. Es handelte sich um einen 18-jährigen eritreischen Asylbewerber. Fast gleichzeitig nahm die Polizei am Bahnhof einen 17-jährigen Eritreer fest. Beide sind in Unterkünften in der Region untergebracht. Die Ermittlungen gegen den 17-Jährigen und seine Komplizen laufen. Nach ersten Erkenntnissen scheint der 18-Jährige nichts mit der Tat zu tun zu haben. Die Flucht ergriff er, weil mit einer Wegweisung für die Stadt Aarau belegt ist. Solch ein Rayonverbot wird bei Fehlverhalten im öffentlichen Raum vom Migrationsamt erlassen.

Die beiden Eritreer befinden sich vorläufig in Haft. Nach den anderen mutmasslichen Tätern wird nach wie vor gefahndet. Augenzeugen sollen sich bei der Kantonspolizei West in Buchs melden (Tel. 062 835 80 20).

Sonst wenig Probleme
Die Asylbewerber, die in Aarau im Umfeld des Bahnhofs ständig anzutreffen sind, sorgen immer wieder für Gesprächsstoff. Zu ernsthaften Zwischenfällen mit Passanten kommt es jedoch selten. Letztmals im Oktober 2014 überfiel ein 24-jähriger Eritreer bei der Kettenbrücke eine Frau, belästigte und schlug sie und raubte ihr schliesslich das Handy. Muss man sich auf den Strassen Aaraus derzeit fürchten?

«Nein, diesen Eindruck habe ich nun wirklich nicht», sagt Stadträtin Regina Jäggi (SVP), zuständig für öffentliche Sicherheit. Grundsätzlich habe man – abgesehen von Kleinkriminalität wie Drogenhandel oder Ladendiebstählen – wenig Probleme mit Asylsuchenden in Aarau, schon gar keine Gewaltdelikte. Auch in der Geschützten unterirdischen Operationsstelle (Gops) beim Kantonsspital nicht, wo sich eine Grossunterkunft befindet: «Dort gab es bisher in keiner Art und Weise Schwierigkeiten.»

Die Sicherheitsmassnahmen genügen nach Ansicht der Stadträtin: «Kantons-, Stadt- und Bahnpolizei sowie die Security sind bereits im Einsatz. Sie können aber schlicht nicht überall gleichzeitig sein.» Eine personelle Aufstockung sei derzeit weder nötig noch bezahlbar – «nicht, solange der Grosse Rat bei der Sicherheit spart».

Jäggi verurteilt den Überfall «so wie jegliche Form von Gewalt». Ihr tue das Ehepaar sehr leid. Es sei wichtig, dass man die Tat konsequent ahnde. Aber: Die SVP-Stadträtin warnt – nicht unbedingt parteitypisch – davor, nun in jedem Asylsuchenden einen Kriminellen zu sehen: «Das sind Menschen wie Sie und ich, die teilweise viel Schlimmes durchgemacht haben. Man kann nicht alle vorverurteilen.»

Die Situation sei nicht einfach, es fehle an Kapazitäten für die Betreuung und Beschäftigung der Asylsuchenden: «Sie müssen erst lernen, wie man sich hier bei uns verhält. Und sie müssen etwas zu tun haben.» Der Stadtrat suche in enger Zusammenarbeit mit den kantonalen Behörden nach Lösungen, aber «das geht nicht von einem Tag auf den anderen».