Aarau
Superschnelles Internet für alle? Stadtrat ist gegen politischen Vorstoss

Der Aarauer Stadtrat will sich nicht mit der Möglichkeit eines Glasfasernetzes auseinandersetzen. Er kann einem entsprechenden Postulat nicht viel abgewinnen.

Ueli Wild
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Aufbau und Betrieb eines Glasfasernetzes für schnelles Internet sind dem Stadtrat mit zu grossen Risiken verbunden. (Symbolbild)

Aufbau und Betrieb eines Glasfasernetzes für schnelles Internet sind dem Stadtrat mit zu grossen Risiken verbunden. (Symbolbild)

Keystone

Der Betrieb eines Glasfasernetzes, insbesondere die Erschliessung bis zu den Endkunden (Fibre to the home FTTH), sei «keine zwingende Aufgabe, welche die öffentliche Hand zu erfüllen hat». Das schreibt der Stadtrat in seiner Botschaft an den Einwohnerrat zu einem Postulat der GLP-Einwohnerräte Alexander Umbricht und Peter Jann. Der Stadtrat beantragt die Nichtüberweisung des Postulats. Die beiden Postulanten möchten den Stadtrat dazu bringen, bis Ende 2018 in einem Bericht aufzuzeigen, «welche Möglichkeiten bestehen, dass in Aarau ab 2020 ein Glasfasernetz bis zu den Endkunden (FTTH) realisiert wird».

Erhebliche finanzielle Risiken

Seine Stellungnahme stützt der Stadtrat auf einen Fachbericht, den er bei der Eniwa eingeholt hat. Der Aufbau eines schnellen Glasfasernetzes, hält er fest, möge für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt als wünschenswert erscheinen. Allerdings weise die Eniwa in ihrem Bericht auf grosse finanzielle Risiken hin, die mit dem Aufbau und dem Betrieb eines flächendeckenden FTTH-Glasfasernetzes verbunden seien. Es stelle sich obendrein die Frage, ob eine flächendeckende Glasfaserlösung bis in die Gebäude und Wohnungen jemals von allen Bewohnern benötigt werde.

Stadtrat und Eniwa sehen deshalb derzeit keinen Grund, der von den Postulanten vorgeschlagenen Stossrichtung zu folgen. Die in Aarau angebotene Dienstleistungspalette, schreibt der Stadtrat, sei «attraktiv und im Vergleich mit den andern bestehenden Anbietern zeitgemäss und wettbewerbsfähig».

Marktfähiges Breitbandangebot

Aus Sicht der Eniwa steht nicht eine flächendeckende Glasfaserversorgung im Fokus. Vielmehr setzt die Eniwa auf «die angebotenen Breitband-Dienstleistungen für Kunden, welche Interesse und Bereitschaft zeigen, sich über eine vertraglich bestimmte Nutzungsdauer zum Servicebezug zu bekennen». In den letzten acht Jahren habe die Eniwa günstige Voraussetzungen für ein marktfähiges Breitbandangebot für die Kundschaft in ihrem Versorgungsgebiet geschaffen. Dies mit dem Neubau ihres Bürogebäudes an der Industriestrasse und seinen Glasfaserkopfstationen sowie dem bereits weit ausgebauten Glasfaserbackbone. «Backbone» bedeutet «Rückgrat» und meint die zentrale Infrastruktur eines grossen Netzwerks.