Als sie von ihrer Beförderung erfuhr, schluckte sie leer. Nie hätte sich Beatrice Räber (50) träumen lassen, irgendwann diesen Posten zu bekommen: Gemeindeschreiberin. Nicht von einem kleinen Dorf im Hinterland, sondern von Suhr. Dem Dorf mit über 10'000 Einwohnern, das Dorf, das damit eigentlich schon eine Stadt wäre. «Da war eine riesige Freude über diese Beförderung. Aber ich musste mich schon rasch besinnen», sagt Beatrice Räber.

Sie hat sich besonnen. Und sie nimmt die Herausforderung an. Per Januar 2018 übernimmt sie das Amt von Hans Huber, der nach 30 Jahren seine Funktion abgibt.

Den Eltern hätte es gefallen

Gemeindeschreiberin also. Dabei hatte vor gut dreissig Jahren alles in eine so ganz andere Richtung gezeigt. Eigentlich wäre Beatrice Räber gerne Kindergärtnerin geworden. Weil das mit einem Sekabschluss nicht möglich war, machte sie eine Ausbildung zur Kleinkinderzieherin. «Die Vorstellung, von morgens bis abends in einem Büro zu sitzen, fand ich furchtbar.» Und dass ihre Eltern von einer KV-Lehre begeistert gewesen wären, machte ihr die Entscheidung nur noch leichter.

Doch nach der Ausbildung folgte die Ernüchterung. Kaum freie Stellen, wenig Lohn. «Ich brauchte einen Tapetenwechsel», sagt Räber. Also bewarb sie sich; ausgerechnet fürs Büro. «Dabei konnte ich nicht mehr als Maschinenschreiben und Französisch», sagt sie und lacht. Aber es klappte, Räber bekam eine Stelle im Lagerbüro der EPA Warenhäuser. Und der Bürojob gefiel ihr, zu ihrer eigenen Überraschung.

Im Büro einer Sportwaffenfabrik bekam Räber die Möglichkeit, die Handelsschule zu machen. Nach einer beruflich etwas ruhigeren Zeit nach der Geburt ihrer Tochter, kam sie 2001 zum ersten Mal auf eine Gemeinde, aufs Steueramt Wohlen, und machte da die Ausbildung zur Steuerfachfrau. Ein spannender Job, aber immer kitzelte sie der Sprung in die Kanzlei. «Diese Vielfältigkeit hat mich einfach immer interessiert, das Mitarbeiten an politischen Prozessen», sagt sie. In Bellikon konnte sie schliesslich die Gemeindeschreiber-Ausbildung machen und auch als Stellvertreterin arbeiten.

2011 kam Beatrice Räber nach Suhr, auch hier als stellvertretende Gemeindeschreiberin. «Ich habe mich in Suhr schnell wohlgefühlt», sagt die eingefleischte Wohlerin; 44 Jahre ihres Lebens hat sie dort verbracht, heute wohnt sie in Egliswil. «Das Denken, die Struktur, die Veränderungen und Probleme, die die Leute umtreiben; das war wie ein Heimkommen.» Wie Wohlen sei auch Suhr ein ursprünglich kleines Dorf, das in den letzten Jahren ein unglaubliches Wachstum erfahren hat. «Die vielen neuen Bewohner und die Verkehrsprobleme treiben die Leute in beiden Dörfern um.»

Die Fussstapfen, in die Räber im Januar 2018 tritt, sind gross. «Hans Huber kennt hier jeden, sein Wissen über die Gemeinde und ihre Geschichte ist enorm», sagt sie. «Seine Nachfolge anzutreten, davor habe ich grossen Respekt.» Die Ortsgeschichte und Jahreszahlen büffelt sie deshalb aber nicht. «Ich nehme es vorneweg. Und ich weiss, welche Antwort ich wo finde und welche Leute ich fragen kann.»

Die Entscheidung für die Stelle hat Beatrice Räber nicht leichtfertig getroffen. Der Job als Gemeindeschreiberin sei mehr als ein einfacher Büro-Job. «Man kann mitgestalten, man kann Einfluss nehmen; man kann etwas bewegen.» Aber das verlangt viel. Auch nach den normalen Bürozeiten. «Das wird eine Herausforderung», sagt Räber und lacht. Denn ihre Interessen neben der Arbeit sind vielfältig; Räber liebt es, Häuser umzugestalten, Marionetten zu bauen und vor allem zu tanzen.

Seit Kindsbeinen tanzt sie, Jazztanz, lateinamerikanische Tänze, Musicals, für den Musicalverein Mutschellen hat sie sogar schon die Choreografie entworfen.
Als Musicaldarstellerin ist sie es gewohnt, in neue Rollen zu schlüpfen, sie perfekt zu verinnerlichen. Das Gleiche gilt für die neue Funktion als Gemeindeschreiberin. «Wenn ich etwas tue, dann mit Haut und Haar», sagt Räber. «Gemeindeschreiberin zu werden, war nie ein Ziel, es hat sich einfach alles immer wunderbar ergeben. Jetzt werde ich es und ich freue mich sehr darauf.»