Suhr
Suhrer Steuerfuss könnte um bis zu zehn Prozent steigen

Die Steuereinnahmen 2014 lagen in Suhr deutlich unter den Erwartungen – jetzt müssen die Suhrer ab 2016 wohl tiefer in die Tasche greifen. Womöglich bis zu zehn Prozent.

Katja Schlegel
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Die Gemeindeverwaltung in Suhr

Die Gemeindeverwaltung in Suhr

Aargauer Zeitung

«Wir dürfen die Durststrecke nicht verlängern», hatte Finanzvorstand Marco Genoni im Sommer 2014 gesagt. «Wenn die Steuereinnahmen nicht steigen, müssen wir über den Steuerfuss diskutieren.» Jetzt herrscht Diskussionsbedarf: Am Infoforum hat der Gemeinderat eine Steuerfusserhöhung von bis zu zehn Prozent angekündigt.

Die Rechnung 2014 schliesst mit einem operativen Ergebnis von minus 1,22 Millionen Franken. Budgetiert war ein Minus von 878 000 Franken. Die Investitionen von knapp zehn Millionen konnten nur gerade mit 825 000 Franken selbstfinanziert werden. Immerhin fiel hier die Rechnung besser aus als das Budget. Gemäss diesen Zahlen hätten sich die Investitionen auf 12,5 Millionen belaufen, die Selbstfinanzierung beziehungsweise der Cashflow auf gut eine Million.

Trotzdem: Das Geld reicht hinten und vorne nicht. «Der Cashflow müsste über einen längeren Zeitraum reichen, um sämtliche Investitionen zu decken», erinnerte Genoni am Montagabend. «Das haben wir in den Jahren 1994 bis 2013 erreicht: In diesen 20 Jahren wurden 62 Millionen an Investitionen getätigt und der Cashflow betrug 60 Millionen Franken.»

Die Investitionen der Gemeinde werden nicht weniger. Bis 2023 sind im Finanzplan Investitionen von 77 Millionen vorgesehen. Um das Ergebnis halbwegs ins Lot zu bringen, will der Gemeinderat den Cashflow auf vier Millionen stemmen. Das funktioniert nur mit Sparen und höheren Steuereinnahmen. Und genau hier liegt der Hund begraben: Der Ertrag bei den Steuern der natürlichen Personen ist eine gute halbe Million tiefer ausgefallen als budgetiert, ebenso gingen weniger Quellen-, Aktien- und Sondersteuern ein. Unter dem Strich fehlen in der Steuerkasse 1,35 Millionen.

Das Problem seien zum einen die kantonalen Steuerreformen, die heftiger zu Buche schlagen als angenommen, zum andern sei die Steigerung bei den Aktiensteuern entgegen dem Trend ausgeblieben. Ausserdem stockten diverse Neubauprojekte, die erwarteten Neuzuzüger und ihre Steuern lassen noch auf sich warten.

Es gibt Lichtblicke

Ein paar Lichtblicke gibt es durchaus: In den letzten Monaten hat sich das geschätzte Investitionsvolumen bis 2023 um knapp zehn Millionen reduziert. Zum einen sei dies auf die Integration der Gemeindebibliothek in den Schulhausneubau Vinci zurückzuführen. Dadurch entstehe im Gemeindehaus der dringend benötigte Platz für die Verwaltung, der Erweiterungsbau könne warten. Weiter fallen die Lärmschutzmassnahmen rund 1,8 Millionen Franken günstiger aus als angenommen, und auch der Suhrer Anteil von einer Million an den Neubau der Aarauer Schachenhalle entfällt, weil die Stadt das Projekt ebenfalls aus Kostengründen auf Eis gelegt hat. Dazu kommt, dass die Schule Suhr zugesichert hat, dass sie bis zum Bezug des Schulhauses Vinci im Jahr 2017 keine Provisorien brauche. Und zu guter Letzt profitiert Suhr wegen der vielen Kinder und der hohen Sozialhilfequote vom neuen Finanzausgleich: Genoni rechnet damit, dass dieser sich auf rund eine Million pro Jahr belaufen wird. Doch das wird frühestens ab 2017 der Fall sein.

Die fehlende Million aus den Steuererträgen, die bereitet dem Gemeinderat Kopfschmerzen. «Wir kommen um eine Erhöhung des Steuerfusses nicht mehr herum», sagte Genoni. «Nur so können wir die Negativspirale durchbrechen.» Fünf Steuerprozente entsprächen rund einer Million; ein Steuerfuss von höchstens 115 ab 2016 statt der heute 105 Prozent sollte reichen, sagte Genoni und verwies gleich auf die guten Perspektiven: «Sobald wir sehen, dass sich der Cashflow bei vier Millionen einpendelt, können wir den Steuerfuss wieder nach unten anpassen.»

Hält das Neuzuzüger ab?

Der grosse Aufschrei unter den Interessierten blieb nach dieser Nachricht aus. Vielmehr wurden erste Vorschläge und Anmerkungen deponiert, wo man noch sparen könnte. Ob man die Investitionen in die Lärmschutzmassnahmen nicht an den Kanton zurückschaufeln könnte? Oder ob man nicht vermehrt Unternehmen und damit gute Steuerzahler ins Dorf holen wolle? Auch tauchten Bedenken auf, ob ein so hoher Steuerfuss Neuzuzüger nicht abschrecken könnte. Der Steuerfuss werde überbewertet, sagte Genoni, viel wichtiger seien Faktoren wie Schule, Verkehrsanbindung und familienergänzende Kinderbetreuung und Naherholungsgebiete. Gemäss Umfragen liegt der Steuerfuss als Kriterium lediglich auf Platz 7.

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