«Eigentlich sind die Gemeinden ja schon zusammengewachsen», sagte ein Mann. Er merke das täglich. Nämlich zum Beispiel wenn er an der Haltestelle Brummelstrasse zusammen mit Buchsern auf den Bus warte. «Alle wohnen im selben Quartier aber in unterschiedlichen Dörfern. Das sind unnatürliche Grenzen.» Eine Frau pflichtete ihm bei. Im Feld würden sich die Suhrer ohnehin nach Aarau orientieren. So auch Martha Brem, Mitglied des Vereins In-Fusion, der sich für eine Fusion mit Buchs und Aarau einsetzt. «Ich nutze schon lange die Infrastruktur von Aarau. Mein Altglas entsorge ich dort. Es ist für mich viel näher.» Auch für andere Votanten steht einer Fusion mit Aarau nichts im Wege. «Ich sage sowieso allen, ich wohne in Aarau», sagte ein Mann.

Den Vorschlag, eine sogenannte «soft institution» einzurichten, der regionale Aufgaben zuteilwerden, sahen die meisten als nicht zukunftstauglich an. Vor allem zweifelten viele an der Verbindlichkeit, die eine solche Institution mit sich bringen soll. «Der Grund, weshalb man diese Option diskutiert, ist ja, dass Erlinsbach immer Nein gesagt hat», sagte ein Mann und sprach damit die interkommunale Zusammenarbeit an. Dass die Gemeinden eine Institution über die umstrittenen Themen entscheiden lassen würden, halte er für unwahrscheinlich. «Es würde nur der kleinste gemeinsame Nenner an Themen delegiert werden.»

Überraschenderweise sprachen sich viele Teilnehmer auch für die radikalste Variante aus, also dieFusion aller im Zukunftsraum Aarau integrierten Gemeinden. «Im Gegensatz zur Teilfusion sind die Grundlagen hier klar. Was bedeutet es denn, wenn wir mit Aarau fusionieren? Fusionieren wir dann mit Aarau-Rohr, Aarau-Rohr-Entfelden, Aarau-Rohr-Entfelden-Densbüren?», argumentierte eine Teilnehmerin. Langfristig mache die Fusion der gesamten Region am meisten Sinn.

Doch viele waren sich einig: Für die Radikallösung sei es noch zu früh. Für einen Zusammenschluss mit Aarau und Buchs jedoch sei jetzt der richtige Zeitpunkt. «Jetzt können wir selbstbewusst auftreten und auf Augenhöhe diskutieren. Wer weiss, wie das in zehn Jahren aussieht», sagte Martha Brem. Das Argument eines Mannes, eine Fusion bringe ein Abwandern der Dienstleistungen in die Stadt mit sich, beurteilten viele als unproblematisch «Ich muss sowieso regelmässig nach Aarau. Mir macht es deshalb mehr Mühe, in Suhr auf der Gemeinde etwas zu erledigen», sagte ein junger Mann.

Reto Steiner vom Kompetenzzentrum für Public Management der Universität Bern zeigte sich überrascht über das klare Ergebnis der Diskussion. «In den Befragungen die wir bis jetzt durchgeführt haben, hat sich diese Haltung nur schwach gezeigt», so Steiner. Sollte der Wunsch nach einer Fusion mit Buchs und Suhr tatsächlich die Haltung der Suhrerinnen und Suhrer sein (am Workshop nahmen rund 50 Einwohner teil), sollte der Gemeinderat dieser Idee intensiv nachgehen. «Besser rechtzeitig, als wenn der Zug schon abgefahren ist.»

Gemeindepräsident Beat Rüetschi war über den Ausgang der Diskussion nicht ganz so erfreut. Er plädiere für die Einrichtung einer regionalen Institution. «Das ist der machbare und pragmatische Weg.» Dennoch verstehe der Gemeinderat es als Auftrag, den Wunsch der Teilnehmenden umzusetzen. «Wir gehen in diese Richtung. Es gibt aber Zwischenschritte.»