Kreuzkröten, Libellen und Kormorane hat der neu geschaffene Teich auf der Distelmatte in Suhr bereits angelockt. Die Hauptakteure fehlen allerdings noch: Die Karpfen, für die der Teich angelegt wurde, können erst in ein bis zwei Jahren ausgesetzt werden. Ursprünglich hätten die ersten Exemplare bereits dieses Jahr gefischt werden sollen. Doch noch liefere das 3000 Quadratmeter grosse Gewässer zu wenig Nahrung für die etwa 500 Fische, sagt Thomas Baumann, Bio-Landwirt und Initiant des Karpfenteichs. «Die Fische sollen sich von dem ernähren können, was sie im Gewässer finden, ganz ohne Zufütterung.»

Thomas Baumann , der den Galeggenhof in Suhr führt und Teilzeit im Naturama arbeitet, leistet Pionierarbeit im Bereich der Karpfenzucht als Bestandteil der Landwirtschaft– zumindest im Kanton Aargau. Im benachbarten Luzern sei man diesbezüglich schon weiter, sagt Baumann. Die Gemeinde Suhr war dem Projekt von Anfang an gut gesinnt. Gegenwind hingegen kam von der Abteilung Landwirtschaft des Kantons Aargau. «Die Zuständigen argumentierten, die Karpfenzucht würde Fruchtfolgefläche vernichten», sagt Baumann. «Sie wollten die Fischzucht nicht als neuen Landwirtschaftszweig anerkennen.»

Rund drei Jahre vergingen zwischen der Einreichung des ersten Baugesuchs und dem Baubeginn im Herbst 2010. Eine lange Vorlaufszeit für eine kurze Bauphase: Zwei Wochen dauerte es, bis der Teich ausgehoben, der Grund mit Folie abgedichtet und von der örtlichen Feuerwehr mit Wasser der nahen Suhre gefüllt worden ist – die Feuerwehr konnte dabei gleich ihre Pumpen testen.

Viel Geduld und ebensoviel Enthusiasmus

90000 Franken hat Thomas Baumann in den Karpfenteich investiert. Direktzahlungen vom Bund erhält er keine, dafür gibt es Gelder aus dem Regionalförderungstopf und vom Kanton einen Beitrag für naturnahe Landwirtschaft. Bis die ersten Fische im hofeigenen Laden verkauft werden und Gewinn abwerfen, dauert es noch etwa fünf Jahre. Denn ohne zusätzliches Futter brauchen die Karpfen länger – mindestens drei Jahre – bis sie das gewünschte Gewicht von drei bis vier Kilogramm erreicht haben. Der Verzicht auf Zufütterung lohne sich, weil das Fleisch dadurch fettarmer und im Geschmack nussiger werde, erklärt Baumann.

Hohe administrative Hürden , ein finanzielles Risiko und jahrelanges Warten – eine gehörige Portion Geduld und Enthusiasmus sind für das Projekt unabdingbar. «Bis jetzt besteht der Lohn in einer aufgewerteten Landschaft», sagt der Bio-Bauer. Allerdings falle zurzeit auch kaum Arbeit an. Später, wenn es daran geht, die Karpfen mit einem Schleppnetz zu fischen, auszuwählen und für den Verkauf vorzubereiten, sollte der Stundenlohn 20 Franken betragen, so jedenfalls sieht es der Businessplan vor. Nicht viel für andere Berufe, in der Landwirtschaft jedoch ein realistischer Ansatz, findet Baumann. Er sieht die Karpfenzucht als Chance für die Landwirtschaft, die nicht nur bei der Milchproduktion an ihre Grenzen komme. «Ich versuche, innovativ zu sein und Neues auszuprobieren.»

Ob weitere Landwirte dem Beispiel folgen und die Karpfenzucht als zusätzliches Standbein entdecken, wird sich zeigen. Interesse scheint durchaus vorhanden zu sein: Jedenfalls liessen sich an einem Naturama-Infoanlass zahlreiche Bauern von Thomas Baumann in die Geheimnisse der Karpfenzucht einführen. Auch wenn sich der eine oder andere davon inspirieren lässt – bis die ersten Suhrentaler Karpfen auf dem Teller landen, wird es noch eine Weile dauern.