Suhr will Velostadt werden

Bezahlte Parkplätze seien laut Gemeindepräsident nicht Teil des neuen Gesamtplans Verkehr.

Daniel Vizentini
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Die Suhrer Quartiere werden heute von verkehrsreichen Kantonsstrassen getrennt.

Die Suhrer Quartiere werden heute von verkehrsreichen Kantonsstrassen getrennt.

Bild: Ueli Wild (9.8.2019)

So viel vorweg: Um Parkgebühren geht es im neuen Kommunalen Gesamtplan Verkehr (KGV) der Gemeinde Suhr nicht. Enthalten sind dort laut Gemeindepräsident Marco Genoni Zielsetzungen für den Nahverkehr, vor allem für ÖV, Velos und Fussgänger, aber auch für Themen wie die Verringerung von Verkehrslärm. «Die Parkierung steht überhaupt nicht im Vordergrund», sagt er. Kurz bevor der KGV im Sommer 2018 an der Gemeindeversammlung behandelt wurde, ging ein Aufschrei durch Suhr: Pfister hatte nach einer Bemerkung vom Gemeinderat am Infoforum befürchtet, die Gemeinde könnte den neuen KGV nutzen, um den Möbelhändler zum Erheben von Parkgebühren zu zwingen. «Das waren Fake News», sagt Marco Genoni. Die Sache sei damals mit den Betroffenen schnell geklärt worden. «Seitens Gemeinderat wird es keine bezahlten Parkplätze bei Pfister geben.»

Der KGV ist ein Planungsin­strument: Er gibt verbindliche Richtlinien vor für die Gestaltung des Verkehrs in der Gemeinde in den nächsten Jahrzehnten. Oberentfelden etwa hat kürzlich seinen KGV nach 20 Jahren aktualisiert und den Entwurf öffentlich zur Mitwirkung aufgelegt (AZ vom 2.10.). Dieser Schritt steht in Suhr noch bevor: Wegen der Aufruhr um die Pfister-Parkplätze nahm die Gemeindeversammlung den Kredit von 150000 Franken für einen neuen KGV mit 231 zu 224 Stimmen nur sehr knapp an – und wohl auch nur, weil zuvor beschlossen wurde, dass der KGV-Entwurf zuerst nochmals an einer Gmeind abgesegnet werden muss, bevor er zur Prüfung an den Kanton geht.

Gemeinderat will öffentliche Parkflächen überprüfen

Das Misstrauen war damals wegen der befürchteten Erhebung von Parkgebühren gross. Dabei braucht der Gemeinderat dafür keinen KGV: Unabhängig davon will er das Parkierungsreglement auf den Parkflächen, die der Gemeinde gehören, in den nächsten Monaten sowieso überprüfen und allenfalls an die Situation der Nachbargemeinden Buchs oder Aarau angleichen, sagt Marco Genoni.

Am Informationsforum, das letzte Woche wegen Corona abgesagt worden ist, hätte er aber nur über den aktuellen Stand des KGV berichtet. Die Suhrer Bevölkerung gab letztes Jahr 314 Rückmeldungen dazu, die die Arbeitsgruppe von Gemeinde und dem Raumentwicklungsbüro Planar aufgenommen und umgesetzt hat. Im Frühling 2021 soll die offizielle öffentliche Mitwirkung starten. Nach der geforderten Absegnung durch die Gemeindeversammlung geht der KGV an den Kanton.

Von Quartier zu Quartier mit dem Velo oder zu Fuss

Erwarten darf Suhr laut KGV in Zukunft eine Gemeinde, in der man sich als Fussgänger oder Velofahrer sicher fühlt. So will der Gemeinderat den internen Autoverkehr verringern, Staus sollen der Vergangenheit angehören. Die Bevölkerung soll von sich aus eine nachhaltige Mobilitätsform bevorzugen, weil sie dank guter Infrastruktur eine echte Alternative ist.

«Wenn man sich sicher fühlt, nimmt man eher kein Auto, um von einem Quartier ins andere zu gelangen», sagt Marco Genoni. «Wir wollen zur Velo-Fussgänger-Stadt werden.»