Suhr
Warum das Quartier keinen fixfertigen Platz bekommt

Am Suhrer Schützenweg entsteht ein neuer Quartierplatz. Die Anwohner packen mit an – dahinter steckt eine Strategie.

Katja Schlegel
Merken
Drucken
Teilen
Für den neuen Quartierplatz im Frohdörfli packen alle mit an.

Für den neuen Quartierplatz im Frohdörfli packen alle mit an.

Katja Schlegel / Aargauer Zeitung

Noch braucht es gutes Vorstellungsvermögen: Der Platz ist geteilt in Kiesplatz und Wiese, auf der einen Seite steht der neue Kindergarten, auf der anderen der Neubau der Stiftung Töpferhaus, Regentropfen pflatschen in eine riesige Pfütze. Doch die Veränderung steht kurz bevor: Bis zum 9. September, dem Eröffnungstag des Töpferhauses, soll sich dieser Platz zum öffentlichen Quartierplatz wandeln.

Nicht zu unterschätzender Nebeneffekt

Hinter dem «Nachbarschaftshaus», dem ehemaligen Kindergarten Schützenweg auf der anderen Strassenseite, wird an dieser Verwandlung gewerkelt: Bewohner der Quartiere Frohdörfli, Buhalde und Helgenfeld arbeiten gemeinsam mit Teammitgliedern der Aarauer Werkstatt Prozessor am Mobiliar, das dereinst auf dem Kiesplatz stehen soll: Vier Bänke und drei Liegewiesen sind geplant; im Spätherbst sollen der Brunnen und diverse Bäume folgen. Um ihn besser ins Quartier einzufügen, werden zudem neue Wege geschaffen und Hecken und Zäune geöffnet. Den Kredit von 330'000 Franken haben die Suhrer 2020 genehmigt.

Auf diesen Streifen Land mit Kies und Wiese soll der Quartierplatz zu liegen kommen. Die Hecke im Vordergrund wird dafür geöffnet.

Auf diesen Streifen Land mit Kies und Wiese soll der Quartierplatz zu liegen kommen. Die Hecke im Vordergrund wird dafür geöffnet.

Katja Schlegel / Aargauer Zeitung

Beteiligt beim Projekt «Quartierplatz Schützenweg und Frohdörfli», wie es offiziell heisst, ist die Begleitgruppe, in der auch die Quartierentwicklung vertreten ist. Letztere hat mehrere Nachmittage organisiert, an denen Anwohnende und andere Interessierte schweissen, schrauben, hobeln und schleifen können.

Anna Greub, Leiterin der Quartierentwicklung.

Anna Greub, Leiterin der Quartierentwicklung.

Katja Schlegel / Aargauer Zeitung

«Wir wollten dem Quartier nicht einfach einen fertigen Platz präsentieren», sagt Anna Greub, Leiterin der Quartierentwicklung. «Wir wollen, dass sich die Leute hier kennen lernen, dass sie ihre eigene Verbindung zum Platz schaffen. Und dass sie sich noch lange an lustige Baumomente im Sommer 2021 erinnern.» Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt: Wer etwas selbst mitgebaut hat, trägt ihm auch besser Sorge.

Man erkennt es kaum mehr wieder

Wer das Quartier betrachtet, der erkennt das einst vernachlässigte «Suhr Süd» kaum wieder. Mit dem Besitzerwechsel des Frohdörflis, dem Kindergartenneubau und dem Bau der Stiftung Töpferhaus ist kaum ein Stein auf dem andern geblieben; vom in den nächsten Monaten wachsenden «Henz-Areal» ganz abzusehen.

Die Aufbruchstimmung ist spürbar, sichtbar, der verwitterte Lack ist abgeplatzt. Zu verdanken sei dies dem guten Miteinander von Profond AG und Itoba (Besitzer beziehungsweise Siedlungsmanagement des Frohdörfli), der Stiftung Töpferhaus und der Gemeinde, sagt Anna Greub. Und natürlich dem Willen der Quartierbevölkerung, ihren Teil zu leisten. «Die Entwicklung hat eine Dynamik angenommen, die ich mir zwar erhofft habe, die aber überhaupt nicht selbstverständlich ist», sagt Anna Greub.

«Lindenfeld» hat Tafeln überklebt

Veränderungen erfährt aktuell nicht nur das Frohdörfli, sondern auch das Quartier Feld: Eine Bedarfsanalyse der Quartierentwicklung hat ergeben, dass sich die Bewohner mehr Begegnungsmöglichkeiten wünschen, beziehungsweise eine bessere Nutzbarkeit bestehender Anlagen wie der Park des «Lindenfelds». Das «Lindenfeld» habe zu ihrer grossen Freude sofort reagiert, sagt Anna Greub: «Die Tafeln mit Regeln für die Benutzung der Anlage wurden sofort abgeklebt, um den Leuten die Hemmungen zu nehmen, den Park zu betreten.»

Hinweis

Die Bauaktion läuft noch am Dienstag, 13. Juli (13.30 bis 18 Uhr im Prozessor), am Donnerstag, 15. Juli (14.30 bis 17.30 Uhr) und Samstag, 17. Juli (11 bis 17.30 Uhr). Infos und Anmeldung auf www.quartierentwicklungsuhr.ch 

Zeitgleich zu den Bautagen findet das Sommerferienangebot Play & Stay für Kinder von 6 bis 12 Jahren statt: Die Kinder basteln unter anderem Sitzhocker für den Quartierplatz oder malen den Sandkasten beim Nachbarschaftshaus neu an.