Suhr
Thomas Baumann, Kandidat von Zukunft Suhr: «Was ist attraktiv an mir? Meine Zuversicht»

Acht Männer und Frauen wollen in den Suhrer Gemeinderat gewählt werden. Die AZ stellt sie mit einem standardisierten Fragebogen vor. Heute: Thomas Baumann (Zukunft Suhr).

Daniel Vizentini
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Thomas Baumann (60) ist seit 2014 im Gemeinderat und wurde letztes Jahr auch in den Grossen Rat gewählt. Nun will er gerne die Nachfolge von Gemeindepräsident Marco Genoni antreten.

Thomas Baumann (60) ist seit 2014 im Gemeinderat und wurde letztes Jahr auch in den Grossen Rat gewählt. Nun will er gerne die Nachfolge von Gemeindepräsident Marco Genoni antreten.

Valentin Hehli

Was stört Sie an Suhr?

Nix. Suhr ist eine Agglogemeinde, die alle Voraussetzungen hat, um sich mit der nötigen Liebe überdurchschnittlich als Ort mit besonders nachhaltiger, unverwechselbarer Lebensqualität entwickeln zu können. Okay, destruktive Nörgelei möchte ich gerne mit dem Zauberstab in positive Zusammenarbeit verwandeln ...

Wie lange halten Sie es ohne Handy aus – und wann tun Sie es?

Warum sollte ich es weglegen? Ein Supergerät! Kompakt, robust, zuverlässig, sparsam. Ich habe immer alles bei mir: Agenda, E-Mail, Telefon, Presse, Fotoapparat, Wecker, Radio, TV, Karten, Navi-Apps. Suchtgefahr besteht bei mir nicht, da mich die sozialen Medien nicht interessieren.

Warum sind Sie Politiker geworden?

Macht, Ruhm, Geld – nein, ich möchte mich aktiv an der Entwicklung der Gesellschaft beteiligen. Neben der Arbeit als Landwirt, unter anderem mit der Aufwertung und Pflege von Naherholungslandschaften, sind meine Fähigkeiten so veranlagt, dass sie in der Politik wohl den grössten Nutzen für unser Zusammenleben erzielen.

Schafft er die Wahl ins Gemeindepräsidium?

Thomas Baumann (60) hat an der ETH Agronomie studiert und arbeitet als Landwirt im Galegge-Biobauernhof sowie im Naturama. Er wurde 2013 erstmals in den Gemeinderat gewählt und letztes Jahr auch in den Grossen Rat. Der zweifache Vater gehört dem Bündnis Zukunft Suhr an und ist auch Mitglied der Grünen Partei.

Warum ist Andreas Glarner ein guter Politiker?

Das muss eine Fake News sein.

Wofür werden zu viele Steuergelder ausgegeben?

An dieser Stelle einzelne Bereiche wie Soziales, Umweltschutz, Strassen oder Sicherheit zu erwähnen, wäre Populismus und wird der ernsthaften Frage des Einsatzes von Steuergeldern nicht gerecht. Nehmen wir das Beispiel Soziales: In der heutigen sich enorm wandelnden Gesellschaft gibt es Mitmenschen, die durch alle Maschen fallen. Wahrscheinlich widerspiegelt die Summe der Sozialausgaben diese Situation. Die Frage, die sich mir stellt, ist eher, ob diese Finanzmittel richtig eingesetzt werden. Ich würde mir wünschen, dass mehr Mittel für die Quartierentwicklung, niederschwellige Jobs, Tagesstrukturen oder Nachbarschaftshilfe gebraucht würden und somit weniger für die materielle Hilfe.

Wenn Sie einfach so könnten: Wofür würden Sie zehn Millionen Steuerfranken ausgeben?

Ganz klar für innovative, nachhaltige, zukunftsfähige Projekte in allen Bereichen einer Gemeinde oder Gesellschaft. Falls eine Verschuldung vorliegt, würde ich diese abtragen. Schuldenfrei macht im Denken frei.

Trauern Sie dem Fusionsprojekt Zukunftsraum nach?

Das Projekt über die Zukunft der Region Aarau war überaus wertvoll und wird früher oder später ein Revival erfahren. Suhr hat sich dagegen ausgesprochen und wird sich eigenständig, aber weiterhin mit hohen Qualitätsansprüchen entwickeln. Dafür setzte ich mich auch ein. Wichtig ist, dass eine Auseinandersetzung mit den aktuellen Fragestellungen der zur Agglomeration Aarau zusammengewachsenen Gemeinden nicht mit Scheuklappen angegangen und die Bewahrung eines «Dorfes» Suhr nicht zum Dogma wird.

Finden Sie es richtig, dass für die Umfahrung von Suhr (Projekt Veras) über 200 Millionen Franken ausgegeben werden sollen? Ist das Suhrer Verkehrsproblem so zu lösen?

Seit 50 Jahren wurde die Umfahrung von Suhr als die Heilsbotschaft zur Lösung des Verkehrsproblems proklamiert und das ist leider nicht mehr aus den Köpfen herauszubringen. Ich habe mich aktiv im Projekt Veras eingebracht, um die beste Lösung für Suhr zu erreichen. Aber ich bin mir absolut sicher: In 15 Jahren würde ein einzig auf den motorisierten Verkehr ausgerichtetes Projekt wie dieses nie mehr umgesetzt. Digitalisierung und verändertes Mobilitätsverhalten werden nachhaltigere Lösungen mit sich bringen. Leider haben wir dann in Suhr diese hässlichen Tunneleinfahrten, Megakreisel und Brückenbauten.

Warum könnten Sie sich vorstellen, im Quartier Frohdörfli zu wohnen? Finden Sie das Quartier scheusslich oder schön?

Hätten Sie die Frage vor fünf Jahren gestellt, wäre die Antwort eine echte Herausforderung gewesen. Heute kann ich die Frage ganz klar mit einem Ja beantworten. Dank der mutigen Investitionen des Gemeinderates in die Quartierarbeit, der Stärkung des Schulstandortes Schützenweg, der Vergabe von Bauland im Baurecht an das Töpferhaus, aber auch dank einer ausgezeichneten Zusammenarbeit mit Investoren, die sich in der hochwertigen Überbauung des Henz-Areals zeigt, wird Suhr Süd zum Trendquartier. Ob im 12. Stock im Henz-Hochaus oder in der Multikulti-Wohnsiedlung Frohdörfli: Wer möchte dort nicht wohnen, ist eigentlich die Frage.

Was finden Sie attraktiv an sich?

Meine Zuversicht.

Thomas Baumann in einem Bild aus älteren Zeiten, als der Galegge-Hof in Suhr das 25-Jahr-Jubiläum des Labels «Labiola» feierte.

Thomas Baumann in einem Bild aus älteren Zeiten, als der Galegge-Hof in Suhr das 25-Jahr-Jubiläum des Labels «Labiola» feierte.

Sibylle Haltiner (21.8.2016)

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