Suhr
Sonja Ihle, Kandidatin von Zukunft Suhr: «Ich wundere mich immer wieder, wie viel Geld für Strassenbau vorhanden ist»

Acht Männer und Frauen wollen in den Suhrer Gemeinderat gewählt werden. Die AZ stellt sie mit einem standardisierten Fragebogen vor. Heute: Sonja Ihle (Zukunft Suhr).

Daniel Vizentini
Drucken
Teilen
Schulpflegepräsidentin Sonja Ihle (54) will ihre Erfahrung nach der Abschaffung der Schulpflege künftig im Gemeinderat einsetzen können. Zukunft Suhr schickt sie ins Rennen, um den Sitz vom abtretenden Marco Genoni zu verteidigen.

Schulpflegepräsidentin Sonja Ihle (54) will ihre Erfahrung nach der Abschaffung der Schulpflege künftig im Gemeinderat einsetzen können. Zukunft Suhr schickt sie ins Rennen, um den Sitz vom abtretenden Marco Genoni zu verteidigen.

Chris Iseli

Was stört Sie an Suhr?

Sonja Ihle: Eigentlich nichts. Suhr ist eine attraktive Wohn- und Arbeitsgemeinde. Ich würde an der weiteren Gestaltung gerne aktiv mitarbeiten.

Wie lange halten Sie es ohne Handy aus – und wann tun Sie es?

Da ich meine ganze Agenda auf dem Handy habe, brauche ich es im täglichen Umgang. Es ist also weniger eine Frage, ob ich es ohne Handy aushalte, es geht vielmehr darum, wann ich ein notwendiges und praktisches Arbeitsinstrument bewusst abschalte. Das tue ich in Besprechungen, Vorträgen, Gemeindeversammlungen – generell dann, wenn ich meinem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit widme.

Warum sind Sie Politikerin geworden?

Weil mir das Wohl der Gemeinde am Herzen liegt. Ich möchte gezielt die gute Entwicklung von Suhr unterstützen und weitertragen. Denn was in Suhr in den rund 20 Jahren, seit ich hier wohne, passiert ist, finde ich grossartig. Ich denke da vor allem an die ganze Schulraumplanung und die renovierten oder neuen Bauten, an die familienergänzenden Tagesstrukturen oder die Quartierentwicklung. Hier hat Suhr einen grossen Vorsprung auf die umliegenden Gemeinden. Das macht mich stolz und motiviert mich.

Von der Schulpflege in den Gemeinderat?

Sonja Ihle (54) ist seit zehn Jahren in der Suhrer Schulpflege, seit 2015 als Präsidentin. Sie arbeitet zudem als Co-Geschäftsführerin der Kaffeebar und Co-Working-Space BYRO in Aarau. 2009 trat sie dem Bündnis Zukunft Suhr bei. Sie ist mit Manfred verheiratet und hat drei Kinder.

Warum ist Andreas Glarner ein guter Politiker?

Mein Fokus liegt nicht auf anderen Politikern, sondern auf der Sachebene und der Gemeinde Suhr.

Wofür werden zu viele Steuergelder ausgegeben?

Steuergelder sind Mittel zum Zweck und müssen gezielt eingesetzt werden. Darüber, was zielführend ist, um eine Gemeinde weiterzuentwickeln, gehen die Meinungen weit auseinander. Generell wundere ich mich immer, wie viel Geld für den Strassenbau vorhanden ist.

Wenn Sie einfach so könnten: Wofür würden Sie zehn Millionen Steuerfranken ausgeben?

Ich würde sie nicht ausgeben, sondern in einem Fonds anlegen. Der Gemeinderat soll dann über die Finanzerträge aus dem Fonds frei verfügen können. Ich würde aber die Auflage machen, dass das Geld über einen Zeitraum von zehn Jahren immer zu einem Drittel der Bildung, der Quartierentwicklung und der naturnahen Gestaltung der öffentlichen Räume dienen muss.

Trauern Sie dem Fusionsprojekt Zukunftsraum nach?

Ich schaue nach vorne, der Zukunftsraum ist für die nächsten Jahre vom Tisch und es bringt nichts, über Vergangenes zu brüten. Wir müssen Suhr nun eigenständig entwickeln und die knappen Mittel umso gezielter einsetzen.

Finden Sie es richtig, dass für die Umfahrung von Suhr (Projekt Veras) über 200 Millionen Franken ausgegeben werden sollen? Ist das Suhrer Verkehrsproblem so zu lösen?

Wir haben zu viele Autos auf den Strassen und der Raum zum Ausbau fehlt, da auch die Bevölkerung steigt und Platz für den Bau von Wohnraum benötigt wird. Den Verkehr – und da spreche ich vor allem vom Transitverkehr, weil dafür Veras gebaut wird – können wir damit längerfristig nicht eindämmen, aber zumindest entlasten. Auch der Verkehr innerhalb von Suhr – der Binnenverkehr, also die Wege der Suhrer Bevölkerung zur Post, zur Apotheke, zum Einkauf – wird damit entlastet. Also ja, das Projekt Veras ist gut. Wir müssen uns als Gemeinde unbedingt weiter aktiv in die Planung einbringen und dafür sorgen, dass der Langsamverkehr im Dorf miteinbezogen wird und entsprechende Wegführungen vorhanden sind.

Warum könnten Sie sich vorstellen, im Quartier Frohdörfli zu wohnen? Finden Sie das Quartier scheusslich oder schön?

Ja, ich könnte mir vorstellen, im Frohdörfli zu wohnen, warum nicht? Ich habe jahrelang in Dietikon und in Wettingen in «solchen» Quartieren gewohnt, weil ich auf günstigen Wohnraum angewiesen war und ihn dort bekommen habe. Ich fand den bunten Mix und die vorhandene Soziokultur immer interessant, aber auch herausfordernd. Gut war es immer dort, wo es nicht anonym war und man sich gegenseitig kannte. Also finde ich das Quartier sicher nicht scheusslich, und was die Gemeinde und vor allem die Abteilung Gesellschaft da erreicht hat, ist gewaltig.

Wie sieht die Zukunft von Suhr aus für Sie?

Diese möchte ich mit Thomas Baumann als Gemeindepräsident und Oliver Krähenbühl als Gemeinderat gerne mitprägen: Suhr ist attraktiv für Familien, grün, belebt und ein Vorbild für alle Agglomerationsgemeinden.

Was finden Sie attraktiv an sich?

Meinen Humor.

Aktuelle Nachrichten