Suhr
Oliver Krähenbühl, Kandidat von Zukunft Suhr: «Die politischen Grabenkämpfe stören mich»

Acht Männer und Frauen wollen in den Suhrer Gemeinderat gewählt werden. Die AZ stellt sie mit einem standardisierten Fragebogen vor. Heute: Oliver Krähenbühl (Zukunft Suhr).

Daniel Vizentini
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Vor vier Jahren schaffte Oliver Krähenbühl (58) die Wahl in den Gemeinderat knapp vor Beat Woodtli. 114 Stimmen machten den Unterschied. Wird er nun im Amt bestätigt?

Vor vier Jahren schaffte Oliver Krähenbühl (58) die Wahl in den Gemeinderat knapp vor Beat Woodtli. 114 Stimmen machten den Unterschied. Wird er nun im Amt bestätigt?

Valentin Hehli

Was stört Sie an Suhr?

Eigentlich nur die politischen Grabenkämpfe, die insbesondere seit der Zukunftsraum-Abstimmung von der konservativen Seite her geschürt werden. Eine Gemeinschaft wächst in und an der fairen Diskussion. Gemeinsam erarbeitete Kompromisse sind die Basis für tragfähige Entscheide. Suhr ist eine lebendige, vielfältige Gemeinde mit einer hohen Lebensqualität und einer aktiven Bevölkerung, die ihren Lebensraum mitgestalten will.

Wie lange halten Sie es ohne Handy aus – und wann tun Sie es?

Sobald ich beruflich keine Verpflichtung mehr habe, erreichbar zu sein, halte ich es gut ohne Handy aus. Auf Reisen habe ich meist kein Handy dabei. Auch lege ich ab und an bewusst handyfreie Tage ein.

Warum sind Sie Politiker geworden?

Schon als junger Mensch habe ich mich für Anliegen, die mir wichtig sind, öffentlich und tatkräftig engagiert. Darauf folgte die Mitarbeit in Komitees und Verbänden. Auch mein Engagement in der Gemeinde Suhr begründet sich im Bedürfnis, mich aktiv für eine lebenswerte, vielfältige Gemeinde für alle einzusetzen.

Im Gemeinderat ist er der einzige Vertreter von Links

Oliver Krähenbühl (58) arbeitet als Kunstschaffender, seinen Job als Datenbankspezialist bei einer IT-Firma für Ärztesoftware gab er auf, um sich auf seine Tätigkeit als Gemeinderat konzentrieren zu können. 2017 wurde er erstmals ins Gremium gewählt. Anfang 90er-Jahre trat er der SP bei, seit 2016 ist er Mitglied von Zukunft Suhr. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.

Warum ist Andreas Glarner ein guter Politiker?

Ich analysiere Sachgeschäfte und höre mir verschiedene Meinungen an. Daraus entstehen differenzierte Entscheidungen, die manchmal etwas schwieriger zu kommunizieren, dafür langfristig zielführend sind. Herrn Glarners laute Polemik ist nicht mein Ding.

Wofür werden zu viele Steuergelder ausgegeben?

In Suhr werden die Steuergelder umsichtig entsprechend den Aufgaben eingesetzt. Der finanzielle Gestaltungsraum einer Gemeinde ist durch mehr als 80 Prozent von gebundenen Ausgaben sehr eingeschränkt. Viel Geld geht in die Infrastruktur einer Gemeinde. Es werden hohe Summen in den Unterhalt von Strassen investiert, an denen sich die Gemeinde beteiligen muss, wir jedoch als Gemeinde kaum beeinflussen können.

Wenn Sie einfach so könnten: Wofür würden Sie zehn Millionen Steuerfranken ausgeben?

Dieses Geld für den Schuldenabbau zu verwenden, würde in den Gemeindefinanzen zwar eine Entlastung bringen, aber sinnvoller wäre es, den Betrag in verschiedene Projekte für eine nachhaltige Standortförderung, für die Lebensraumgestaltung und die Bildung zu investieren, damit der daraus resultierende Mehrwert über Jahre für die Gemeinde erhalten bliebe.

Trauern Sie dem Fusionsprojekt Zukunftsraum nach?

Meiner Ansicht nach wurde eine grosse Chance für Suhr und die Region vergeben. Eine Mehrheit der Suhrerinnen und Suhrer hat sich gegen den Zukunftsraum entschieden. Das Thema ist damit vom Tisch. Die Herausforderungen für die Gemeinde wurden dadurch nicht kleiner. Wir müssen nun unsere Energie darauf verwenden, auch in der Zusammenarbeit mit unseren Nachbargemeinden zukunftsgerichtete Lösungen für diese Probleme zu erarbeiten.

Finden Sie es richtig, dass für die Umfahrung von Suhr (Projekt Veras) über 200 Millionen Franken ausgegeben werden sollen? Ist das Suhrer Verkehrsproblem so zu lösen?

Die Staus in Suhr sind kein «Suhrer-Problem», sondern ein überregionales. Veras ist das beste Projekt für dieses alte Problem, greift aber bei einer zukunftsgerichteten Betrachtung des Verkehrs zu kurz. Wir müssen als Gesellschaft unsere Mobilitätsbedürfnisse gesamtheitlich betrachten und neue Lösungen finden. Der Ausbau des langsamen und öffentlichen Verkehrs sind wichtige Bausteine dazu.

Warum könnten Sie sich vorstellen, im Quartier Frohdörfli zu wohnen? Finden Sie das Quartier scheusslich oder schön?

Das Quartier Frohdörfli lebt. Die Menschen interagieren miteinander. Die verschiedenen Kulturen bereichern sich gegenseitig. Der Grünanteil ist trotz verdichtetem Bauen grösser als bei manch neu erstellter Siedlung. Ja, ich kann mir gut vorstellen, im Frohdörfli zu wohnen.

Die Kampagne in Suhr ist gestartet. Im Bild: das Plakat von Oliver Krähenbühl (Zukunft Suhr).

Die Kampagne in Suhr ist gestartet. Im Bild: das Plakat von Oliver Krähenbühl (Zukunft Suhr).

Daniel Vizentini

Wie sieht die Zukunft von Suhr aus für Sie?

Für Suhr wünsche ich mir, dass die Menschen offen und wertschätzend miteinander ihre Umgebung und Zukunft entwickeln. Dass sie aufeinander zugehen und voneinander profitieren und lernen und so zusammen eine Gesellschaft bilden, in der sie gerne leben.

Was finden Sie attraktiv an sich?

Meine offene, kommunikative Art.

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