Zukunftsraum

Suhr machte aus dem Nein ein Ja – doch die Gegner geben nicht auf

Nur 101 Stimmen trennen das Ja- und das Nein-Lager. (Symbolbild)

Nur 101 Stimmen trennen das Ja- und das Nein-Lager. (Symbolbild)

52 Prozent des Souveräns wollen das Fusionsprojekt weiterverfolgen. 1227 waren dagegen. Suhr lässt also eine Fusion weiter prüfen.

«Jä no», sagt Martin Saxer. Er ist einer der Köpfe der «IG pro Suhr», die sich gegen den «Zukunftsraum Aarau» engagiert. Soeben hat Saxer von der az erfahren, dass die Suhrer Stimmbevölkerung nicht in seinem Sinne entschieden hat: 1328 sagten Ja zu einem Kredit von 76 000 Franken, mit dem der nächste Teilschritt im Fusionsprojekt, ein Leitbild, finanziert werden soll.

1227 waren dagegen. Suhr lässt also eine Fusion weiter prüfen. Der Ausgang der Abstimmung sei offen gewesen, sagt Saxer. «Wir geben nicht auf. Über den Zukunftsraum wird noch ein paar Mal abgestimmt. Das aktuelle Ergebnis ist nur ein Teilerfolg für die anderen.»

Die anderen, das ist vorab der überparteiliche Verein Zukunft Suhr. Dieser hatte gegen den Entscheid der Gemeindeversammlung vom November das Referendum ergriffen. Zur Erinnerung: Damals verabschiedeten sich die Stimmbürger mit 199 Nein gegen 182 Ja provisorisch aus dem Zukunftsraum. «Wir haben uns ins Zeug gelegt, um das Referendum zustande zu bringen», sagt Martha Brem, Präsidentin von «Zukunft Suhr».

Auch Suhr stellt die Ampel wieder auf Grün – nun steht noch die Referendumsabstimmung in Unterentfelden aus.

«Es freut mich, dass sich dieser Einsatz gelohnt hat.» Die Stimmbevölkerung habe dem Gemeinderat damit die Erlaubnis erteilt, sich mit den anderen Zukunftsraumgemeinden an einen Tisch zu setzen und «zu schauen, ob und wo wir gemeinsame Ebene finden». Die hohe Stimmbeteiligung von 47,4 Prozent legitimiere das Ergebnis zusätzlich.

101 Stimmen Unterschied

Martha Brem hat aber auch zur Kenntnis genommen, dass das Resultat sehr knapp ausgefallen ist: Nur 101 Stimmen trennen das Ja- und das Nein-Lager. Eine Überraschung? Nicht unbedingt. «Die Gegner haben auch recht Gas gegeben und die Auswirkungen einer Fusion bereits jetzt thematisiert, obschon es bei der Abstimmung noch gar nicht um einen Fusionsentscheid ging.»

Sie erwarte nun, dass sich nicht nur der Gemeinderat oder ein kleiner Kreis von Behördenvertretern mit der Schaffung des Leitbildes beschäftigt, sondern die ganze Bevölkerung. Vor gut einem Jahr wurde ein Workshop durchgeführt, an dem sich rund 70 Personen beteiligt hatten. Sie hätten sich «sonnenklar» für den Zukunftsraum ausgesprochen, erinnert sich Brem.

Es seien aber hauptsächlich Personen anwesend gewesen, die einer Fusion ohnehin positiv gegenüberstehen: «Ich hoffe nun, dass sich während der Ausarbeitungsphase auch die Gegner des Zukunftsraums an der Diskussion beteiligen.»

Gemeindepräsident Beat Rüetschi bestätigte gegenüber der az, dass das Volk auch künftig Gelegenheit haben wird, sich einzubringen. Das gestrige Resultat hat ihn nicht überrascht: «Wir haben schon länger eine 50:50-Situation», sagte er. «Die Vorlage ist zu einer Fusionsabstimmung heraufstilisiert worden, was sie aber gar nicht ist.»

Es gehe lediglich darum, dass eine Faktenlage erarbeitet werde. «Im Moment laufen zwei Schienen: Im Rahmen des Zukunftsraums wird ein Leitbild zu einer Fusion erarbeitet. Und im Rahmen des Planungsverbandes aarau regio wird die vertiefte Zusammenarbeit überprüft. Am Ende werden die Ergebnisse beider Abklärungen dem Volk vorgelegt. Erst dann kann es einen Fusionsentscheid fällen – aufgrund von Fakten.»

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