Für die Entwicklung des Entwicklungsleitbildes hat die Gemeinde Suhr einigen Aufwand betrieben. Nun liegt es vor. Es umfasst neun Kernaussagen mit Erläuterungen und je fünf möglichen Umsetzungszielen. Die üblichen «Glaubenssätze», wie man sie auch schon in Leitbildern lesen konnte, sind konkret. Der Suhrer und die Suhrerin wissen, was sie erwarten können und dürfen.

Die Eigentrassierung der Wynental- und Suhrentalbahn und der Umbau des Bahnhofs sind realisiert. Der überarbeitete Zonenplan ist seit 2008 in Kraft. Der Zeitpunkt, zusammen mit der Bevölkerung ein Leitbild zu erarbeiten, war deshalb genau richtig.

1. Kinder und Jugendliche einbinden Suhr fördert Freizeitangebote und ermöglicht Begegnungen, Gespräche und Lebensfreude. Mit dieser Kernaussage sind primär auch die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen gemeint. Diese sollen aktiv in die Entscheide eingebunden werden. Vor allem in Suhr hätten die Vereine eine zentrale, mithin integrative Rolle zu übernehmen, sagt Gemeinderat Marco Genoni.

2. 30 Prozent Ausländer als Chance Kernaussage: Suhr fördert das verantwortungsvolle Zusammenleben und ermöglicht Offenheit und Integration. «Bei einem Ausländeranteil von 30 Prozent ist das ein sehr wichtiges Anliegen», sagt Genoni. Die ausländische Bevölkerung biete aber im Sinne der kulturellen Bereicherung auch eine Chance, die genutzt werden sollte. Auch Sicherheit, Sauberkeit und der sorgfältige Umgang mit öffentlichen Gütern werden unter diesem Punkt aufgeführt. Marco Genoni erwähnt beispielhaft den neuen Spielplatz beim Schulhaus Dorf, der mit viel Frondienst vonseiten der Eltern und Schüler erstellt worden ist, die selber nun auch in der Verantwortung seien, dass die grosszügige Anlage nicht verkomme.

3. «Vision Aarau behutsam angehen» Selbstständigkeit, Kooperation, Fusion – ein Thema, das die am Leitbildprozess beteiligten Suhrer stark beschäftigt. Genoni: «Nachdem Aarau in die Offensive gegangen ist, wollen wir offen in die Diskussion einsteigen. Wir sind uns aber auch bewusst, dass das Thema polarisiert, und wollen die Frage behutsam angehen. Im Leitbild heisst es: ‹Wir sind eine politisch eigenständige Gemeinde und offen für nutzbringende Formen der politischen Kooperation.›»

4. Standortmarketing wird aufgebaut Alle Einkäufe des täglichen Bedarfs sollen im Zentrum getätigt werden können. Dieses Ziel werde heute erfüllt, sagt Genoni, also gehe es darum, den Zustand zu erhalten. «Suhr schafft gute Bedingungen für kleine und mittlere Unternehmen. Die Gemeinde ist interessiert an einem breiten Branchenmix», heisst es im Leitbild. Laut Marco Genoni wird ein Standortmarketing aufgebaut. Es werde angestrebt, dass Unternehmer und auch Familien, die nach Suhr ziehen, auf der Verwaltung einen einzigen Ansprechpartner («Alles aus einer Hand») haben.

5. Platz für zentrale Grünflächen «Wir streben ein beschränktes, sozial gut durchmischtes Wachstum an», steht im Leitbild. Heute zählt die Gemeinde rund 10000 Einwohner. In 10 bis 15 Jahren dürften es 11000 bis 12000 Einwohner sein. Genoni spricht von einer «qualitativen Beschränkung», was heisst: Es soll Platz haben für zentrale Begegnungsräume und Grünflächen, damit die Einwohner unkompliziert Kontakt finden.

6. Feedback der Einwohner ausbauen Die Gesprächsbereitschaft der Behörden mit der Bevölkerung soll gepflegt werden. Mit Info-Forum und «Suhr plus» seien Plattformen vorhanden, um das Feedback der Einwohner und deren Unterstützung abzuholen; die Plattformen könnten noch ausgebaut werden, sagt Genoni.

7. Blockzeiten werden aktuell Seit anderthalb Jahren ist eine Arbeitsgruppe daran, die Grundlagen für Blockzeiten und familienergänzende Kinderbetreuung zu erarbeiten. Genoni stellt sich vor, dass das entsprechende Konzept im nächsten Jahr von der Gemeindeversammlung beschlossen und dann umgehend umgesetzt wird.

8. Velofahren soll gefördert werden Ein wichtiges Thema in Suhr. Auf dem Knoten Bären-Kreuz verkehren täglich rund 14000 Fahrzeuge. Das Leitbild fordert eine sanfte Mobilität. Der Langsamverkehr und vor allem das Velofahren sollen gefördert werden.

9. Steuerfuss kümmert Suhrer kaum Der Steuerfuss (ab 2012 auf 108 Prozent) hat die an der Entwicklung des Leitbildes beteiligten Suhrerinnen und Suhrer – es waren 240 – am wenigsten interessiert. Gefordert wird ein attraktiver Steuerfuss. Genoni: Bei einem vergleichsweise unterdurchschnittlichen Steueraufkommen pro Kopf ist es besonders wichtig, «Investitionen auf ihren Nutzen und ihre Funktionalität zu überprüfen», wie es im Leitbild steht.