Suhr
FDP-Kandidat Daniel Rüetschi: «Es wird zu viel für Strassen ausgegeben»

Acht Männer und Frauen wollen in den Suhrer Gemeinderat gewählt werden. Die AZ stellt sie mit einem standardisierten Fragebogen vor. Heute: Daniel Rüetschi (FDP).

Daniel Vizentini
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Daniel Rüetschi (51) hat bereits zwei Amtsperioden hinter sich. Folgt nun die dritte?

Daniel Rüetschi (51) hat bereits zwei Amtsperioden hinter sich. Folgt nun die dritte?

Valentin Hehli

Was stört Sie an Suhr?

Vor allem der Verkehr. Durch die grossen Hauptachsen ist unser Dorf zwar erst entstanden, heute aber schneiden sie es entzwei. Die teure Ost- und Südumfahrung bringt zumindest teilweise eine Entlastung. Es braucht aber noch weitere Massnahmen im Bereich Langsamverkehr, wie sie im neuen kommunalen Gesamtplan Verkehr aufgeführt sind. Zudem bedauere ich das Fehlen eines zentralen Dorfplatzes, wo sich die Menschen treffen können. Der Platz zwischen Museum und Schulhaus Vinci bietet dazu ein grosses Potenzial, das bisher viel zu wenig genutzt wird.

Wie lange halten Sie es ohne Handy aus – und wann tun Sie es?

Schon ein paar Stunden, zu Hause oder an Sitzungen.

Warum sind Sie Politiker geworden?

Ich wollte schon seit meiner Kindheit diese sich schnell verändernde und komplizierte Welt verstehen. Was ist ihr Sinn? Wie erreichen wir eine gute Zukunft? Ich war daher bereits früh politisch interessiert, kann aber mit den klassischen Links-Rechts-Ideologien nicht viel anfangen. Es liegt mir viel daran, in dieser zunehmend gespaltenen Welt gemeinsam Win-win-Lösungen zu finden.

Ein Wissenschafter sitzt im Gemeinderat

Daniel Rüetschi (51) ist Diplombiologe und promovierter Geograf, Mitinhaber eines kleinen Umweltberatungsbüros und in Teilzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Pro Natura Basel angestellt. Er ist seit 2013 Mitglied der FDP und wurde dann auch erstmals in den Gemeinderat gewählt.

Warum ist Andreas Glarner ein guter Politiker?

Er stösst Diskussionen an und bringt Dynamik ins Spiel. Mein Politikstil unterscheidet sich jedoch sehr von seinem: Er sucht Provokation und Spaltung. Gespalten kann unsere Gesellschaft die Herausforderungen der Zukunft schlechter meistern. Ich suche Gemeinsamkeiten und strebe als konsensorientierter Sachpolitiker trag- und mehrheitsfähige Lösungen an.

Wofür werden zu viele Steuergelder ausgegeben?

Hier muss ich wieder den Verkehr erwähnen: In den nächsten zehn Jahren stehen für Kantons- und Gemeindestrassen 22 Millionen an geplanten Investitionen an. Dies entspricht rund 40 Prozent eines Jahresbudgets von Suhr. Bei der aktuellen Finanzlage muss daher die Frage nach dem Gegenwert gestellt werden. Bei den Gemeindestrassen können wir selber entscheiden, hier ist Masshalten angesagt, ebenso bei den Gebäuden der Gemeinde.

Wenn Sie einfach so könnten: Wofür würden Sie zehn Millionen Steuerfranken ausgeben?

Bis ins Jahr 2030 sehen wir Investitionen von 35 Millionen vor. Würden wir von den zehn Millionen neun für Investitionen verwenden, müssten wir dafür keine Schulden aufnehmen und den Betrag die nächsten 35 Jahre über die laufende Rechnung abschreiben. Dies gäbe immerhin eine nachhaltige Entlastung des Budgets von zirka 257'000 Franken im Jahr. Mit der restlichen Million könnte man eine Vielzahl von einzelnen Verbesserungen in Quartieren erreichen, die für das Zusammenleben viel bringen, aber relativ wenig kosten wie zum Beispiel einen Spielplatz, der von vielen Personen in der Quartierumfrage im Feld gewünscht wurde.

Trauern Sie dem Fusionsprojekt Zukunftsraum nach?

Nein. Ich war seit jeher klar gegen eine Fusion mit Aarau, aber ebenso klar für eine verstärkte regionale Zusammenarbeit. Diese leben wir in meinem Ressort Soziales sehr gut: Die Ressortvorstehenden aller Gemeinden im Bezirk Aarau treffen sich zweimal im Jahr. Dabei entstanden zum Beispiel die Projekte «Spitex-Organisation Region Aarau» und «Pflegeregion Aarau». Diese Form der Zusammenarbeit hat Ausbaupotenzial auch in anderen Ressorts.

Finden Sie es richtig, dass für die Umfahrung von Suhr (Projekt Veras) über 200 Millionen Franken ausgegeben werden sollen? Ist das Suhrer Verkehrsproblem so zu lösen?

Es ist richtig, dass die Ostumfahrung gebaut wird. Die Situation im Dorfzentrum wird mit dem Verkehrswachstum vor allem im Suhren- und Wynental sonst bald unhaltbar. Beide Täler sind kantonale Entwicklungsachsen und profitieren von der Umfahrung mehr als Suhr, zahlen aber kaum etwas an die hohen Kosten. Hier muss der Kanton zwingend nachjustieren. Die flankierenden Massnahmen im Bereich Langsamverkehr und der Kommunale Gesamtplan Verkehr gehen in die richtige Richtung. Mit der zunehmenden Elektromobilität erhoffe ich mir eine relativ rasche und starke Verbesserung beim Lärm und den Abgasen.

Warum könnten Sie sich vorstellen, im Quartier Frohdörfli zu wohnen? Finden Sie das Quartier scheusslich oder schön?

Das Frohdörfli ist für mich ein positives Modell für die zukünftige Entwicklung von Suhr. Es hat mit dem Eigentümerwechsel massiv gewonnen: Nicht nur Rendite zählt, sondern man investiert in das Quartier und kümmert sich darum. So bleiben auch die Bewohnerinnen und Bewohner eher da und der Wert erhalten. Dies ist auch für die Gemeinde ein Gewinn, die mit dem neuen Kindergarten und der Quartierentwicklung ja ebenfalls in Suhr Süd investiert.

Wie sieht die Zukunft von Suhr aus für Sie?

Ich sehe Suhr als starke und eigenständige Gemeinde in enger und konstruktiver Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden.

Was finden Sie attraktiv an sich?

Da passe ich, das müssen andere beantworten.

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