Suhr
Eine Zeitreise mit der «Putzfädi» – Ausstellung zur Textilwäscherei Suhr

Seit 1884 gehört die Textilwäscherei Schmid zu Suhr – das Dorfmuseum stellt nun ihre Geschichte aus.

Katja Schlegel
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Die Putzfädi an der Suhre ums Jahr 1900.

Die Putzfädi an der Suhre ums Jahr 1900.

zvg Aargauer Zeitung

Die Rosse der «Putzfädi», die mit Wagen voller Fässer zum Bahnhof zuckelten. Die Arbeiterinnen und Arbeiter, die zu Dutzenden durchs Steinfeld zur Suhre hin marschierten. Oder die Rauchwolke, die über der Fabrik aufstieg; «s chunt wieder Schwarz», wie die Suhrer sagten. Lauter Erinnerungen, die wohl noch viele Alteingesessene teilen – und die nun die neue Sonderausstellung «Textilwäscherei Schmid» im Museum Suhr wieder weckt.

Die Ausstellung wurde durch die Fachgruppe des Museums Suhr gestaltet, in enger Zusammenarbeit mit Ines Schmid, die das Unternehmen heute in fünfter Generation gemeinsam mit Schwester Petra führt; unterstützt von Mutter Doris. Markus Bertschi von der Fachgruppe kennt die Erinnerungen rund um die «Putzfädi» haargenau; er selbst hat als Bub stundenlang den Arbeitern zugeschaut, wie sie am Bahnhof Suhr mit dem Kran die Stoffballen und Fässer voller Öl oder Fett verluden. Später betreute er in der Hausarztpraxis die halbe Belegschaft.

Markus Bertschi von der Fachgruppe kennt die Erinnerungen rund um die «Putzfädi» haargenau.

Markus Bertschi von der Fachgruppe kennt die Erinnerungen rund um die «Putzfädi» haargenau.

Katja Schlegel / Aargauer Zeitung

Da erkennt man das eine oder andere bekannte Gesicht

1884 in einer ehemaligen Papierfabrik an der Suhre von Friedrich Schmid gegründet, extrahierte die Textilwäscherei aus gebrauchten Putzlumpen und Putzfäden Öl und Fett. Nicht nur diese Rohstoffe, sondern auch die Lumpen wurden mehrfach wiederverwendet. Dokumentiert ist das alles nicht nur mit alten Fotos, Plänen und Rechnungsbüchern, sondern insbesondere auch mit einem Film von 1945, auf dem nicht nur Suhrer das eine oder andere bekannte Gesicht entdecken: Franz Dietiker beispielsweise, oder Transport-Pionier Hans-Rudolf Dreier, beide damals Lehrlinge bei Schmid.

Heute gilt die Schmid Textilrewashing AG nach eigenen Angaben als «umweltschonendste Wäscherei der Schweiz». Verarbeitet werden Gastrowäsche, Haushaltswäsche und Putztücher, angeboten werden zudem Objektreinigung, Reinhaltematten und Arbeitskleider im Leasing-System.

Der Zufall hat das Archiv vor dem Feuer bewahrt

Für das Museum ist es eine grosse Freude, die Geschichte dorfeigener Unternehmen aufzuarbeiten und in eine Ausstellung zu verpacken. Jene über die Textilwäscherei Schmid ist nicht die erste, den Anfang gemacht hat 2019 die Sonderausstellung zur «Butteri». Die Fachgruppe hat weitere Suhrer Unternehmen auf der Liste, die sie noch ausstellen möchte.

Dass die Firmengeschichte übrigens so gut dokumentiert ist, ist im Falle der Textilwäscherei Schmid keine Selbstverständlichkeit: 2010 hat ein Vollbrand den Hallen-Neubau vernichtet. Das Archiv aber blieb erhalten; Ines Schmid hatte die Unterlagen erst Tage vor dem Feuer zufällig aus dem Gebäude geholt.

Hinweis

Sonderausstellung «Textilwäscherei Schmid Suhr» im Museum Suhr, noch bis 19. Juni 2022. Offen jeden 1. und 3. Sonntag im Monat (14 bis 17 Uhr, mit Ausnahme der Schulferien. Eintritt frei. www.museum-suhr.ch

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