Baubewilligungs-Auflagen

Suhr büsst Keba und Stadt Aarau – weil nachts die Lüftung lief

Die Kunsteisbahn Region Aarau (Keba).

Die Kunsteisbahn Region Aarau (Keba).

Der Suhrer Gemeinderat hat sowohl die Stadt Aarau als Bauherrin als auch die Keba AG als Betreiberin der Eisbahn wegen Verstosses gegen Baubewilligungs-Auflagen gebüsst. Es geht um die Lüftung des Minergie-Baus

Der Suhrer Gemeinderat greift in Sachen Kunsteisbahn Aarau (Keba) durch: Er hat sowohl die Stadt Aarau als Bauherrin als auch die Keba AG als Betreiberin der Eisbahn wegen Verstosses gegen Baubewilligungs-Auflagen gebüsst. Das bestätigt der Geschäftsleiter der Gemeinde Suhr, Philippe Woodtli, auf Anfrage dieser Zeitung.

Es geht um die Lüftung des Minergie-Baus. Diese darf laut Baubewilligungs-Auflage nachts zwischen 23 Uhr und 6 Uhr nicht laufen. Anwohner hätten sich aber mehrfach bei der Gemeinde Suhr, auf deren Boden die Keba steht, über Lärm beschwert, erklärt Woodli.

Die Gemeindebehörden hätten sich selber davon überzeugen wollen, dass die Anlage gelegentlich nachts laufe, dies sei aber just bei ihren Augenscheinen nicht der Fall gewesen. Unter anderem deswegen habe es eine Weile gedauert, bis die Stadt Aarau dann von sich aus bestätigte, dass die Anlage zu Unzeit in Betrieb gewesen sei. Offenbar schaltete sich die Lüftung aufgrund der automatisch gemessenen Luftfeuchtigkeit von alleine ein, um diese zu regulieren. Und weil es diese Regulierung brauche, so Woodtli, werde die Stadt Aarau als Bauherrin nun ein nachträgliches Baugesuch für den Nachtbetrieb einreichen müssen.

Wie hoch die Bussen sind, verriet der Suhrer Geschäftsführer nicht. Er betont aber, dass die entsprechenden Verfügungen noch nicht rechtskräftig seien. Und dass die Gemeinde Suhr die Bussen nicht gerne ausgestellt habe: «Die Keba ist eine gute Sache für die ganze Region. Doch die legitimen Interessen der Anwohner rundherum müssen gewahrt bleiben. Wenn wir Kenntnis von Verstössen gegen Baugesuchsauflagen erhalten, müssen wir büssen», so Woodtli.

Stadt prüft weiteres Vorgehen

Bei der Stadt und der Keba ist man dem Vernehmen nach nicht begeistert über die Strafe. Laut Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker ist auch noch nicht sicher, ob die Bussen akzeptiert werden: «Das wird gegenwärtig geprüft, die Fristen laufen», sagt er auf Anfrage. «Wichtig ist, dass im Baugesuch zu den definitiven Betriebszeiten der Keba, das im April 2018 eingereicht wurde und das gegenwärtig von der Gemeinde Suhr bearbeitet wird, die flexible – das heisst Betriebszeitenunabhängige – Nutzung der Belüftung- und Entfeuchtung beantragt wird.» Hat das «friendly fire» von Suhr auf den potenziellen Fusionspartner Aarau Einfluss auf die Zukunftsraum-Bemühungen? Dies verneint Hilfiker.

Das Vorgehen von Suhr muss unter dem Licht der Ereignisse rund um die Keba-Betriebszeiten betrachtet werden. Im letzten November verurteilte die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau den ehemaligen Suhrer Gemeindepräsidenten Beat Rüetschi per Strafbefehl wegen Begünstigung. Rüetschi sei in seiner damaligen Funktion als Ressortverantwortlicher für Bau, Verkehr und Planung mehrfach davon in Kenntnis gesetzt wurde, dass die Keba regelmässig und massiv gegen die bewilligten Zeiten verstosse. Dennoch habe er diese baurechtlichen Verstösse weder verfolgt noch geahndet.

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