Handball
Suhr Aarau-Präsident nach dem Aufstieg: «Wir sollten im Handball die Ortstafeln vergessen»

Thomas Kähr, Co-Präsident des HSC Suhr Aarau, will wieder eine Handball-Hochburg im Aargau. Seine Vision: «Handball Mittelland». Der HSC sei offen für Kooperationen.

Christoph Bopp
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Thomas Kähr ist der Co-Präsident des Handballclubs HSC Suhr Aarau.

Thomas Kähr ist der Co-Präsident des Handballclubs HSC Suhr Aarau.

zvg

Thomas Kähr, herzliche Gratulation zum Aufstieg des HSC Suhr Aarau in die NLA. Nach der Feier kommt schon die Arbeit. Wie soll es weitergehen?

Thomas Kähr: Danke, noch ist aber der Endinger Protest hängig (siehe Box). Das macht uns keine Freude.

Aber die Überlegungen und vielleicht sogar schon Planungen für die nächste Saison sind gemacht?

Wir haben mit Misha Kaufmann einen neuen Cheftrainer (siehe Box). Wir wollen nicht nur Ausbildungsklub für junge Spieler sein, sondern auch einem ambitionierten jungen Trainer eine Chance geben.

Das Kader bleibt aber beieinander?

Ja, wir können mehrheitlich auf unsere bisherigen Spieler zählen. Wir wissen auch, dass wir uns noch verstärken müssen, wenn wir in der NLA bestehen wollen.

Darum legte Endingen Protest ein

Gegen die Wertung des Spiels vom Samstag zwischen dem TV Endingen und dem HSC Suhr Aarau, das 29:29 endete, legte der TV Endingen Protest ein. Die Endinger führen an, dass beim letzten Angriff die Uhr zu früh gestartet worden sei, sodass sie statt fünf nur zwei Sekunden zur Verfügung gehabt hätten. Die Uhr wurde aber in der letzten Minute mehrmals zurückgestellt, die Schiedsrichter und der SHV-Delegierte dürften der Zeitmessung ihre Aufmerksamkeit gewidmet haben. Die Nationale Disziplinarkommission muss den Fall nun beurteilen. Gegen Ihren Entscheid kann beim Verbandssportgericht rekurriert werden. (shv/chb)

Konkret, bitte?

Wir brauchen zwei zusätzliche Spieler für den Rückraum, sicher einen Linkshänder. Sonst sind wir nicht schlecht aufgestellt.

Können Sie schon Namen nennen?

Nein, das ist noch zu früh. Wir haben uns schon umgeschaut, aber noch ist nichts fixiert. Es werden eher Ausländer sein, weil der Schweizer Markt doch recht ausgetrocknet ist – für unsere Verhältnisse.

Wie sieht es beim Budget aus?

Wir wollen mit dem bisherigen Budget auskommen. Das sind immerhin rund 1,1 Mio. für den ganzen Verein – inklusive Nachwuchs und Breite. Die erste Mannschaft kostet etwa 850'000 Franken.

Dieses Budget ist bereits finanziert?

Ja, das haben wir beisammen. Wir haben einen gewichtigen Sponsoren-Vertrag, den wir für die NLA abgeschlossen hatten nach dem Abstieg in der letzten Saison überbrücken können. Deshalb ist auch der Aufstieg finanziell so wichtig. Bei einer weiteren Saison in der NLB hätten wir das kaum halten können.

Reicht das für den Ligaerhalt?

Ja, wir glauben, dass das realistisch ist. Mit diesem Kader und den Verstärkungen schaffen wir das. Auch wenn wir wahrscheinlich nicht gerade in die Finalrunde durchmarschieren werden.

Die U19-Elite-Mannschaft des HSC Suhr Aarau ist Schweizer Meister geworden. Auch die anderen Nachwuchsteams haben gut abgeschnitten (die U17-Elite wurde Vize-Meister, die U15-Elite Dritter). Warum denken Sie an ausländische Verstärkungen?

Natürlich wollen wir mit unseren eigenen Spielern antreten. Aber der Sprung vom Nachwuchs in die Nationalliga ist hoch. Nachwuchsspieler brauchen Zeit für die Entwicklung. Deshalb wäre es auch wichtig, dass wir in der Region oder im Aargau eine Struktur dafür aufbauen könnten.

Sie wollen alle Vereine fusionieren?

Nein, sicher nicht. An die Vereine denke ich noch nicht gross. Wir haben mit dem HV Olten seit Jahren eine gut funktionierende Partnerschaft. Unsere Idee, mit dem TV Zofingen ein Farmteam in der NLB aufzubauen, ist leider gescheitert.

Ja, da verschwindet eine grosse Tradition in der Versenkung. Wie wollen Sie das kompensieren?

Ich weiss, dass alt Bundeskanzler Schmidt gesagt hat: «Wer Visionen hat, muss zum Arzt.» (Lacht.) Aber wir müssen in Visionen denken. Einfach Schritt, für Schritt, dann ist es auch nicht so visionär. Der erste Schritt – der Aufstieg – ist geschafft. Wir brauchen eine NLA-Mannschaft, damit die Talente, die wir herausbringen, auch bei uns bleiben. Dass uns Spieler wie Nicolas Suter und Flavio Wick (beide zu GC Amicitia) verlassen haben, tut weh. Der nächste Schritt wäre der Ligaerhalt. Das NLA-Team soll der Nucleus werden eines Konstrukts, mit dem wir die Talente wirklich zielgerichtet entwickeln können. Die nächsten Ebenen wären ein NLB-Team und ein 1.-Liga-Team, damit die Nachwuchsspieler an die Spitze herangeführt werden können.

Und wie soll das am Schluss aussehen?

Nennen wir es die Vision «Handball Mittelland». Wir sind offen für Kooperationen. Wir sollten im Handball die Ortstafeln vergessen. Aarau und Baden sind bevölkerungsmässig und wirtschaftlich die starken Zentren unseres Kantons. Sie müssen wir wohl dafür gewinnen. Gelingt es nicht, wird es schwierig, die finanziellen Mittel zu generieren, die uns ganz nach oben führen.

Misha Kaufmann ist der neue Cheftrainer

Der letztjährige Captain der 1. Mannschaft des HSC Suhr Aarau, Misha Kaufmann (32), wird neuer hauptamtlicher Cheftrainer. Er folgt auf Guido Frei, welcher die Mannschaft nach der Trennung von Markus Jud übernommen hat. Kaufmann erhält einen Einjahresvertrag mit einer Option auf zwei weitere Jahre. Er fehlte schon in den letzten Spielen wegen einer Knieverletzung. Es ist nicht vorgesehen, dass er weiterspielen wird.
Kaufmann war bisher zwar im Nachwuchsbereich als Trainer und Verantwortlicher für den Schulsport und das Pfister Nachwuchscamp tätig, auf höherem Niveau fehlt ihm noch die Erfahrung. Deshalb soll er durch den früheren Nationaltrainer Arno Ehret unterstützt werden. Ehret verfügt nicht nur über grosses Handballwissen, sondern betreut und unterstützt mit seiner Firma seit zehn Jahren Führungskräfte von Firmen und Organisationen.

foto-net / Alexander Wagner

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