Aarau

Stunde Null für die Traglufthalle: 11 von 17 «aarau regio»-Gemeinden sind an Bord

Badi Suhr statt Pyrenäenhöhe, dafür weniger Risiko: Der Schwimmclub Aarefisch hat sein Trainingslager verlegt.

Badi Suhr statt Pyrenäenhöhe, dafür weniger Risiko: Der Schwimmclub Aarefisch hat sein Trainingslager verlegt.

Nach der keba kommt die Traglufthalle im Freibad Suhr-Buchs-Gränichen. 11 von 17 «aarau regio»-Gemeinden wollen sich an der überdachten Badi in Suhr beteiligen.

Rund zehn Jahre nach der Keba packen die Gemeinden der Region, vereint im Regionalplanungsverband «aarau regio», erneut ein gemeinsames Bauprojekt an: die Traglufthalle im Freibad Suhr-Buchs-Gränichen. Monatelang war das Projekt nicht wirklich greifbar, vieles blieb unklar – die Nutzergruppen, wie viele der 17 Gemeinden sich beteiligen, und vor allem zu welchem Preis. Doch jetzt naht die Stunde Null: An den Wintergemeindeversammlungen traktandieren verschiedene Gemeinden einen Verpflichtungskredit.

Als erstes legte die Gemeinde Gränichen die Zahlen auf den Tisch: Im am Mittwoch veröffentlichten Gmeindsbüechli findet sich unter Traktandum 7 nebst allgemeinen Erläuterungen auch der Kostenteilschlüssel. Und der lässt einiges an Rückschlüssen zu.

Traglufthalle würde dringend nötige Kapazitäten schaffen

Doch der Reihe nach: Die Idee einer Traglufthalle fusst auf der Tatsache, dass es der Region an gedeckter Wasserfläche fehlt. Nicht nur für Vereine (unter anderem der Schwimmclub Aarefisch, die Schweizer Lebensrettungs- Gesellschaft und der Mittelländer Kanuclub) sowie für private Sportschwimmer, sondern insbesondere auch für all die Schulkinder von Primar- bis Oberstufe, die nach Lehrplan 21 Schwimmunterricht bekommen müssen.

Zwar gibt es in der Region die Hallenbäder Entfelden und Telli Aarau, doch reichen die Kapazitäten nicht aus. Ein neues, grosses Hallenbad soll deshalb gebaut werden, da sind sich die Gemeinden im Planungsverband einig. Ein solches Bad dürfte aber rund 30 Millionen Franken kosten. Bei der Realisierungszeit rechnet der Verband mit rund 20 Jahren.

Um diese Engpässe und die Zeitspanne zu überbrücken, möchte der Regionalplanungsverband eines der bestehenden Becken ab Winter 2021 rund 15 Jahre lang während der Wintermonate überdachen. Das 50-Meter-Becken im Suhrer Freibad (Trägergemeinden sind Suhr, Buchs und Gränichen) ist dafür gemäss Prüfungsbericht das geeignetste. Eine erste Hürde – das Vorentscheidungsgesuch – hat die Traglufthalle im Sommer bereits genommen (diverse Artikel in der AZ). Die einmaligen Kosten für diese Halle samt Umrüstung der Garderobenanlagen auf Winterbetrieb belaufen sich auf 3 Millionen Franken. Daran beteiligt sich der Kanton mit 25 Prozent oder 750000 Franken aus dem Swisslos-Sportfonds.

Für die «aarau regio»-Gemeinden bleiben also noch 2250000 Franken, die sie gemeinsam stemmen müssen. Gemäss Kostenteilschlüssel im Gränicher Gmeindsbüechli zeigt sich nun, dass nicht alle der 17 Gemeinden – zwölf im Kanton Aargau und fünf im Kanton Solothurn – hinter der Traglufthalle stehen. Gränichen weist einen «Sockelbeitrag Regionalsolidarität» von rund 22300 Franken aus. Das entspricht knapp einem Zehntel der Nettoinvestitionskosten.

Oberentfelden und Kölliken machen nicht mit

«Wir haben alle 17 Gemeinden eingeladen, einen Beitrag an die Traglufthalle in ihre Budgets aufzunehmen», sagt Hanspeter Hilfiker, als Aarauer Stadtpräsident auch Präsident des Regionalplanungsverbands. Erwartungsgemäss haben sich insbesondere die Solothurner Gemeinden schwergetan damit, mit Ausnahme von Erlinsbach SO.

Nicht an die Traglufthalle zahlen wollen auch zwei bevölkerungsstarke Aargauer Gemeinden: Oberentfelden und Kölliken. «Oberentfelden hat als Grund die Beteiligung am eigenen Hallenbad genannt», so Hilfiker. Und für Kölliken sei der Standort Suhr etwas weit entfernt.

Es bleiben also elf Gemeinden. Wie hoch ihre Anteile ausfallen, wird sich in den nächsten Wochen zeigen, wenn die Gmeindsbüechli verschickt werden. Klar ist: Zum Sockelbeitrag (basierend auf Einwohnerzahl und einem Faktor für die Gemeindegrösse) kommt ein proportionaler Beitrag nach Einwohnerzahl. Die Standortgemeinden (Suhr, Gränichen, Buchs) und Aarau (engagiert sich aus Interessensgründen als Standortgemeinde) zahlen zusätzlich pauschal je 275000 Franken. An den jährlichen Betriebs- und Unterhaltskosten beteiligen sich nur die Standortgemeinden. Und auch die nutzenden Vereine sollen einen Beitrag bezahlen. Dieser Schlüssel soll laut Hilfiker auf das Budget 2022 vorbereitet werden.

Im Falle von Gränichen resultiert so ein einmaliger Verpflichtungskredit von total 410000 Franken, der der Gemeinde separat vorgelegt wird. Aarau hat im Budget 2021 einen Betrag von 603000 Franken aufgenommen, Küttigen wird das Traktandum erst an der Sommergmeind bringen. Ob alle Gemeinden die Traglufthalle separat traktandieren oder – abhängig vom Betrag – über den Investitionsplan laufen lassen, wird sich zeigen.

«Mit den gegenwärtig zugesagten Beteiligungen und dem in Aussicht gestellten Kantonsbeitrag kann das Investitionsvolumen gestemmt werden», sagt Hilfiker. Doch der Spielraum ist relativ knapp; würden eine oder mehrere Gemeindeversammlungen den Beitrag kippen, wäre das ein herber Rückschlag. Aber nicht das Aus, betont Hilfiker: «Würden massgebliche Beitragende aussteigen, müssten wir neues Investitionskapital suchen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1