Aarau
Streitfall Philosophenweg: Müssen Hunde an die Leine?

Der Philosophenweg hat viele Funktionen. Für die einen ist er eine reine Fortbewegungsstrecke, für die anderen Naherholungsraum. Wo so unterschiedliche Tempi und Interessen zusammenkommen, gibt es fast zwangsläufig Konflikte.

Nadja Rohner
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Radfahrer, Fussgänger und Hündeler kommen sich am Philosophenweg in Aarau immer wieder in die Quere.

Radfahrer, Fussgänger und Hündeler kommen sich am Philosophenweg in Aarau immer wieder in die Quere.

Chris Iseli

Jüngst berichtete die az über Spaziergänger, die sich durch rasende Velofahrer belästigt fühlen (az vom 9. 6.). Oder umgekehrt, wie ein Beispiel vom Mittwochabend zeigt. Da lief das Hündchen eines älteren Paares vor das Velo eines Mannes. Der darob entstehende Disput zwischen dem Senior und dem jungen Velofahrer war laut und unschön. Unter anderem ging es um die Frage, ob Hunde auf dem Philosophenweg an der Leine geführt werden müssen oder nicht.

Die Stadt Aarau kennt diesbezüglich ein relativ restriktives Polizeireglement: «Innerhalb von überbautem Gebiet auf Strassen und Plätzen» müssen Hunde eigentlich an die Leine. Aber gehört da der Philosophenweg auch dazu, der auf einer Seite durch Gebüsch und Aare begrenzt wird?

Leinenpflicht nicht auf dem ganzen Weg gegeben

Die az hat bei Daniel Ringier nachgefragt. Der Chef der Aarauer Stadtpolizei weist darauf hin, dass es einer richterlichen Prüfung bedürfe, um definitiv festzustellen, was strafbar ist und was nicht – respektive, wo genau auf dem Philosophenweg Leinenpflicht herrscht. Er könne aber eine polizeiliche Einschätzung geben: «Im Bereich zwischen dem Johann-Rudolf-Meyer-Weg bis zur Aurorastrasse (östliche Seite) erscheint mir der Weg als überbaut zu gelten.

Nicht so jedoch auf der westlichen Seite, das heisst von der Einmündung Zurlindensteg bis Unterführung Kettenbrücke.» Ringier erachtet daher eine Leinenpflicht nicht auf dem ganzen Philosophenweg als gegeben. Allerdings: «Wenn es sich um einen Hund mit erhöhtem Gefährdungspotenzial handelt, könnte es sein, dass so oder so eine Leinenpflicht auf dem ganzen Weg besteht.»

Radfahrer, Fussgänger und Hündeler kommen sich am Philosophenweg in Aarau immer wieder in die Quere.

Radfahrer, Fussgänger und Hündeler kommen sich am Philosophenweg in Aarau immer wieder in die Quere.

Chris Iseli

Oft nicht nur ein Schuldiger

Aber auch ohne Leinenpflicht gibt es Regeln: «Das Hundegesetz schreibt vor, dass Hunde so zu halten sind, dass Menschen und andere Tiere nicht gefährdet oder übermässig belästigt werden und dass Hunde jederzeit unter Kontrolle zu halten sind», erklärt Ringier. Laut Hundeverordnung sei es ausserdem verboten, Hunde unbeaufsichtigt frei laufen zu lassen. Das Polizeireglement sage schliesslich aus, dass ein Tierhalter bestraft werden könne, wenn sein Tier Menschen, andere Tiere oder Sachen belästigt oder gefährdet. «Der Hundehalter ist also so oder so in der Pflicht.»

Dennoch, so findet der Polizei-Chef, solle man nicht die ganze Verantwortung auf eine Person abschieben. «Oft braucht es beidseitig Fehler, bis es zum Vorfall kommt. Vorausschauen, Problemsituationen frühzeitig erkennen und sich den herrschenden Umständen anpassen, verhindern oft das Ereignis», sagt Daniel Ringier. Gerade bei einem Konflikt zwischen Velofahrern und Hundehaltern. «Neben dem Fehlverhalten des Hundehalters kann auch das zu schnelle und rücksichtslose Fahren einen Anteil am Problem mit sich bringen.» Es seien also alle gefordert: «Immerhin bewegen sich auf dem Philosophenweg nicht nur Radfahrer und Hunde, sondern auch Fussgänger wie der Hundehalter. Diesen gegenüber ist dann auch der Radfahrer in der Pflicht.»

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