Gränichen

Streit wegen Asylunterkunft im Familien-Quartier

In diese Liegenschaft am Holtengraben 16 ziehen bald Asylsuchende.

In diese Liegenschaft am Holtengraben 16 ziehen bald Asylsuchende.

Ein Anwohner stört sich am «stillschweigenden Vorgehen» des Gemeinderats – der Gemeindeammann kontert die Kritik.

Alles, was mit dem Thema Asyl zu tun hat, geht in Gränichen nicht reibungslos über die Bühne. Schon als die Asylunterkunft Liebegg vor der Eröffnung stand, wollten sich einige Gränicher mit Baseballschlägern bewaffnen. Andere wiederum gründeten den gemeinnützigen Verein «integraenichen», um das Zusammenleben mit den Flüchtlingen für alle so gut wie möglich zu gestalten.

Und nun gibt es wieder eine neue Asylunterkunft – und wieder Unmut im Dorf. «Asylunterkünfte werden mitten in ruhigen Einfamilienhaus-Quartieren realisiert» – so lautet der Titel eines Leserbriefs, den André Gerber der az hat zukommen lassen.

Anwohner fürchtet Probleme

«Sich in den eigenen vier Wänden sicher fühlen und in einem ruhigen Quartier erholsam leben, das wünscht sich jeder hart arbeitende Bürger oder im verdienten Ruhestand lebende Rentner», schreibt Gerber. «Der Gemeinderat Gränichen und der Kanton stellen diese wichtigen Werte der steuerzahlenden Bürger infrage, indem mitten in einem friedlichen Einfamilienhaus-Quartier stillschweigend eine Asylunterkunft errichtet wird.»

Das werde «mit Sicherheit» Probleme nach sich ziehen, die von den Nachbarn auszubaden seien, so André Gerber weiter. «Bedenke man hier nur zum Beispiel die Eventualität der erhöhten Kriminalität oder von Drogenhandel sowie Nichteinhalten von unseren Werten, Gebräuchen und Verhalten», schreibt er.

Was ist da passiert?

Offenbar hat der Gemeinderat einen Reiheneinfamilienhaus-Teil an der Holtengasse 16 gemietet, in unmittelbarer Nachbarschaft von Gerber. Diesem fehlt ein «Konzept über Nutzung, Sicherheit und Betreuung dieser Unterkunft». Ausserdem ärgert er sich über die «fehlende Kommunikation seitens Gemeinderat». Ein Ratsmitglied habe ihm gegenüber durchblicken lassen, es werde absichtlich nicht vorzeitig informiert, sonst gäbe es nega-
tive Reaktionen.

Gemeindeammann Rolf Arber will das nicht so stehen lassen: «Das hat der Gemeinderat so sicher nie gesagt – sondern dass die Nachbarn durch den Kanton und unseren Sozialdienst informiert werden, wenn der Mietvertrag vorliegt.»

Nun ziehen übernächste Woche zwei Ehepaare mit zwei Kindern plus eine Mutter mit Baby ein. Arber: «Eine Familie lebt seit Jahren in Gränichen, die andere seit einem Jahr. Beide Familien sind bis dato nie negativ aufgefallen und brauchen auch kein Sicherheitskonzept – sie werden, wie bei Familien üblich, vom Kanton und vom Sozialdienst der Gemeinde betreut.» Allfälligen Reklamationen werde nachgegangen.

André Gerber wirft in seinem Leserbrief die Frage auf, was in ein bis zwei Jahren geschehe. «Werden dann doch junge alleinreisende Männer einquartiert? Was passiert nach der Schliessung der Liebegg? Hierbei appelliert der Gemeinderat an unser Vertrauen – genau dieser Gemeinderat, welcher eine solche stillschweigende Realisierung der Unterkunft durchführen lässt». Gerber hält fest: «Die Unterbringung von Asylsuchenden wird nicht infrage gestellt. Jedoch bleibt die Frage offen, ob in einer ruhigen Sackgasse mit Einfamilienhäusern, in unmittelbarer Nähe zu Kindergarten und Kita, der richtige Standort ist.»

Fehlt eine Baubewilligung?

Der Leserbriefschreiber stört sich nicht nur an seinen neuen Nachbarn, sondern auch daran, dass der Vermieter der Liegenschaft das Haus noch renoviert. Angeblich umfassend. Für die neue Wärmepumpe liege nicht einmal eine Baubewilligung vor, so Gerber. «Die gesetzesgetreuen Nachbarn dürfen künftig wohl die damit verbundene Lärmentwicklung der Anlage vor ihren Schlafzimmerfenstern geniessen.»

Ob wirklich eine Baubewilligung fehle, entziehe sich seiner Kenntnis und sei für die Unterbringung der Asylsuchenden auch nicht relevant, sagt Gemeindeammann Rolf Arber dazu. Er hält fest: «Anscheinend gibt es zwischen der Vermieterin und den Nachbarn seit längerem Differenzen, die diese aber privatrechtlich untereinander lösen müssen.»

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