Die Basketballkörbe sind schon länger weg. Die Fussballtore sind zwar noch da, aber ans Gitter gekettet und somit unbenutzbar. Und die Sitzbänke sind wegen eines Lärmschutznetzes nur noch zur Hälfte nutzbar. Nein, der Pausenplatz des Primarschulhauses in der Telli wirkt wenig einladend dieser Tage. Einige Mädchen sitzen auf den Betonbänkli und hören – leise – Musik, ein paar Jungs üben auf dem Roten Platz Kunststücke mit ihren Velos, der Kiesplatz daneben liegt verlassen da. Es ist Ferienzeit. Doch das ist nicht der Grund, weshalb so wenige Kinder hier sind. Man will sie nicht.

Weil ein paar Anwohner reklamiert hatten, beschloss eine übergeordnete Stelle vor ein paar Wochen, dass die Fussballtore in der unterrichtsfreien Zeit nicht mehr genutzt werden dürfen. Eine schwere Stahlkette hindert die Kinder daran. Offenbar waren den Anwohnern die aufprallenden Bälle zu laut gewesen. Deshalb auch das Lärmschutznetz zwischen Schulhaus-Wand und Platz.

Doch dieses nehme den Kindern einen Grossteil der Sitzmöglichkeiten auf «einem der kleinsten Pausenplätze der Stadt», sagen Hansueli Trüb und Silvie Theus. Er ist Präsident des Quartiervereins, sie Mitglied des Elternteams des Telli-Schulhauses. Und gemeinsam mit Gleichgesinnten haben sie eine Petition gestartet, um sich zu wehren. Das Thema hatten vor kurzem schon die Einwohnerratsmitglieder Susanne Klaus (Grüne) und Thomas Grüter (SP) aufgenommen.

«Fehlende Toleranz»

«Statt sich für die Interessen der Kinder stark zu machen, stellt sich die Stadt auf die Seite einiger Anwohner und Anwohnerinnen, die sich durch spielende Kinder gestört fühlen», heisst es in der Petition auf petitio.ch. «Die fehlende Toleranz gegenüber Kindern und Jugendlichen und ihren Bedürfnissen nach Spiel und Bewegung verdrängt sie von Flächen, die sich zum Fussballspielen und Basketballspielen eignen und damit auch aus dem öffentlichen Raum. Wir finden: Das geht so nicht!» Und weiter: «Die Kinder brauchen Spielgeräte und Sitzplätze, eine anregende und freundliche Umgebung, und sie sollten innerhalb der vom Gesetz vorgegebenen Regeln sämtliche Spiel- und Sportanlagen auf städtischem Gebiet frei nutzen dürfen», heisst es weiter.

Die Initianten der Petition fordern deshalb nicht nur, dass der Stadtrat seine Haltung im Fall des Telli-Pausenplatzes nochmals überdenkt. Sie wollen eine gesamtheitliche Betrachtung. «Was nun beim Tellischulhaus passiert ist, kann überall passieren», sagt Silvie Theus. «Die Kinder werden aus dem öffentlichen Raum verdrängt und haben ausserhalb von Vereinen und Schulsport keine Möglichkeit mehr, die Infrastruktur im freien Spiel zu nutzen – ohne Aufsicht, ohne Trainer.» Die Petitions-Initianten fordern die städtischen Behörden deshalb auf, «den Stellenwert von Spiel- und Freiräumen für Kinder und Jugendliche grundsätzlich zu überdenken und die Qualität der Pausenplätze zu überprüfen». Konkret möchten die Petitionäre, dass die Stadt gemeinsam mit verschiedenen Akteuren – Kreisschule, Quartiervereine, Schulsozialarbeit, Jugendkoordination, Polizei und eventuellen externen Fachstellen – ein Spiel- und Freiraumkonzept erstellt. Auch die Qualität der Pausenplätze soll geprüft werden, und zwar unter Einbezug der Schülerinnen und Schüler.

Auch solle die Stadt ein Konzept erarbeiten, wie bei künftigen Konflikten im öffentlichen Raum vorgegangen werden kann, ohne gleich einschneidende Massnahmen verhängen zu müssen. «Es gibt in der Telli zum Beispiel keine aufsuchende Jugendarbeit», sagt Silvie Theus.

Und nicht zuletzt fordern die Petitionäre, dass in der Zwischenzeit die Basketballkörbe und die Fussballtore beim Telli-Schulhaus wieder fest montiert werden. Die Stadt solle sich bei den beschwerdeführenden Anwohnern für die Interessen der Kinder einsetzen und vermitteln. «Mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen wird das Gespräch gesucht, und es werden gemeinsame Spielregeln ausgearbeitet», so die Idealvorstellung der Petitionäre. «Der Stadtrat soll ein Zeichen Setzen, dass Aarau eine offene und fröhliche Stadt ist und bleiben soll.»

Ironie des Zufalls: In den kommenden Wochen führt die Stadt Befragungen bei Kindern zwischen 5 und 12 Jahren durch, mit dem Ziel, das Unicef-Label «Kinderfreundliche Stadt» zu erhalten.