SP Aarau
Strahlefrau Gabriela Suter: Dank Christoph Blocher im Grossen Rat

Was Ex-Bundesrat Christoph Blocher mit der Wahl von SP-Frau Gabriela Suter in den Grossen Rat zu tun hat.

Katja Schlegel
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Gabriela Suter, SP-Politikerin.

Gabriela Suter, SP-Politikerin.

Chris Iseli

Gabriela Suter tun die Arme weh. Nicht vom Händeschütteln, nicht vom Umarmen oder vom Anstossen. Sondern vom Plakate-Abräumen nach der Feier. «Die Plakatständer haben ein ganz schönes Gewicht», sagt sie und lacht. Doch auch das Händeschütteln reisst nicht ab. Immer wieder gratulieren Passanten im Kasinopark spontan zur Wahl in den Grossen Rat, zum vierten SP-Sitz.

Mal Bekannte, mal Wildfremde. Man kennt Suters Gesicht, gefühlt lächelte keine Kandidatin im Raum Aarau von mehr Kandelabern, Plakatwänden und Geländern entgegen. Doch wer ist diese Frau?

Suter ist 44 Jahre alt, Historikerin, Mutter von zwei Kindern, aufgewachsen in der Region Lenzburg, war lange Zeit Lehrerin für Geschichte und Staatskunde an der Alten Kantonsschule Aarau, arbeitet jetzt selbstständig als Historikerin und absolviert aktuell das Masterstudium in Nonprofit und Public Management.

Sie fährt am liebsten Velo und stochert zur Entspannung gerne mit Schaufel und Harke im Gemüsebeet, mag Städtereisen, Schnee und kritisch denkende Menschen und verabscheut Schenkelklopferwitze, Ungerechtigkeit und Birchermüesli – «wegen Konsistenz und Aussehen». Mehr gibt Suter nicht preis. «Meine Familie ist ein Teil meines Lebens, die Politik ein anderer. Ich will das nicht vermischen.»

«Ich war schockiert»

Also bleiben wir bei der Politik – und kommen zu Christoph Blocher. Seine Wahl in den Bundesrat im Dezember 2003 war der Grund, weshalb Suter in die Politik einstieg. «Ich war schockiert über seine Wahl. Und gleichzeitig dachte ich mir, dass ich nicht bloss darüber wettern, sondern mich einsetzen sollte.» Das tat sie.

Sie wurde Mitglied der Stadtpartei der SP und 2006 in den Einwohnerrat gewählt, 2013 wurde sie Vorstandsmitglied der SP Aarau, 2015 deren Präsidentin und seit 2014 ist sie Mitglied der Geschäftsleitung der SP Aargau, letztes Jahr kandidierte sie für den Nationalrat. Ob Werbung für sich selbst, Flyer für die Jubiläumsfeierlichkeiten der SP Aarau oder Unterschriftenbogen für die Städteinitiative oder die Initiative «Raum für alle», irgendetwas davon steckt eigentlich immer in Suters Handtasche.

Die neu gewählte SP-Grossrätin Gabriela Suter stemmt ihr Wahlplakat.

Die neu gewählte SP-Grossrätin Gabriela Suter stemmt ihr Wahlplakat.

Alex Spichale

Das ist anstrengend, nebst Familie, Beruf und Weiterbildung. «Aber wenn ich etwas tue, dann tue ich es richtig. Ich mag keine halbbatzigen Sachen.» Und warum tut sie es? «Wegen meinem Wunsch nach mehr Gerechtigkeit.» Gleiche Ausgangslagen für alle schaffen, das sei ihr Antrieb. Und der Erfolg, den ihr dieser Einsatz beschert, sei es, der sie zum Weitermachen motiviert. «Wenn ich dazu beitragen kann, die Welt ein bisschen gerechter zu machen, dann tue ich das.» Suter unterbricht sich selbst. «Das tönt nach Weltverbesserin, nicht wahr?», fragt sie und lacht schallend. «Aber ja, genau das ist meine Motivation.»

Wissen, was der Gegner denkt

Vielleicht ist Gabriela Suter eine Weltverbesserin – aber ohne den fahlen Beigeschmack von Naivität. Wer es darauf anlegt, kann sich mit ihr fetzen. Mit ihr Ringen sowieso, mit Leuten mit anderen Meinungen spricht sie noch so gern – «man muss wissen, was der Gegner denkt, um sich die richtigen Schachzüge zurechtzulegen». Sich selbst umschreibt sie mit den Attributen «initiativ», «ausdauernd» und «genau».

Als Generalistin, die sich schnell in unterschiedlichste Themen einarbeiten kann. Und auch wenn sie ihr charmantes Lächeln nie verliert, so lässt sie einen doch ab einem gewissen Punkt auf Granit beissen.

Jetzt kommt also das Abenteuer Grossrat. Suter freut sich, auch wenn sie noch nicht recht weiss, was auf sie zukommt. Sie drängt es, der Linken neuen Schub zu verleihen. «Es kann nicht sein, dass wir nur auf die Aktivitäten der Rechten reagieren. Wir müssen selber wieder aktiv werden, unsere Ideen vorbringen.» Suter ballt die Faust. Ganz oder gar nicht.