Junge Muslime, die ihren Lehrerinnen den Handschlag verweigern, Moscheen, die von regierungsnahen türkischen Kreisen finanziert werden. Malik Allawala, Pressesprecher des Verbands Aargauer Muslime (VAM), hatte in den vergangenen Monaten allerhand unangenehme Anfragen zu beantworten und musste sich als Vertreter der aargauischen Muslime in den Medien für Dinge rechtfertigen, die er persönlich verurteilt.

In der Region vertritt der VAM insgesamt elf Moscheen in Buchs, Lenzburg, Niederlenz, Reinach, Seon, Staufen und Suhr. Gestern Montag, am 6. 6., hat für die Muslime der Fastenmonat Ramadan (arabisch für «der heisse Monat») begonnen. Zeit für 6 «heisse» Fragen an Malik Allawala – über Kritik an der Islamausbildung, über Handschlagverweigerer und wie man es den ganzen Tag ohne Flüssigkeitszufuhr aushält.

1. Im April gerieten im Aargau predigende Imame in die Kritik, weil sie direkt aus der Türkei entsandt wurden und im Verdacht stehen, ihre Gemeinden im Sinne des türkischen Staatspräsidenten Erdogan zu beeinflussen. Was macht eigentlich ein Imam genau?

Malik Allawala: Die Hauptaufgabe jedes Imams ist die Seelsorge, immer da zu sein, wenn die Gemeinde Zuspruch und Unterstützung bedarf. Dies unabhängig davon, ob es sich um religiöse oder soziale Themen handelt. Die Seelsorge umfasst unter anderem Geburt, Hochzeiten und Todesfälle. Daneben leitet der Imam die Gebete und unterrichtet Kinder, Jugendliche und Erwachsene in religiösen Themen.

2. Imame dürfen bis heute nicht in der Schweiz ausgebildet werden. Wo haben die Imame, die in den Moscheen in der Region predigen, ihre Ausbildung gemacht?

Die Imame werden an staatlich anerkannten Universitäten in unterschiedlichen Ländern ausgebildet. Wichtig ist dabei die breit abgestützte Anerkennung dieser universitären Ausbildung in der muslimischen Gemeinschaft. In der Schweiz selber werden bis jetzt leider keine Muslime ausgebildet. Die Ausbildung zum Imam entspricht einem Studium auf Universitätsstufe. Wir wünschen uns aber sehr, dass in absehbarer Zeit in der Schweiz eine anerkannte Ausbildung zum Imam angeboten werden kann.

Die Moschee in Niederlenz an der Industriestrasse 3

Die Moschee in Niederlenz an der Industriestrasse 3

3. In Therwil (BL) haben muslimische Jugendliche ihrer Lehrerin den Handschlag verweigert. Wie geht man mit diesem Thema in Ihren Moscheen um? Was sagen die Imame dazu?

Dieses Thema wurde in unseren Gemeinschaften intensiv diskutiert. Gemäss unseren Imamen darf aus Gründen des Respekts keine ausgestreckte Hand in der Luft gelassen werden, egal, ob sie einem Mann oder einer Frau gehört. In unseren Gemeinschaften kennen wir das Problem, dass Personen einander den Handschlag verweigern, aber sowieso nicht.

4. Für viele Nicht-Muslime war das Handschlag-Thema in den vergangenen Wochen ein offenbar drängendes Problem. Welche Probleme beschäftigen die Menschen in Ihrer Religionsgemeinde?

Uns bekümmert die Verbindung unseres Glaubens mit negativen Ereignissen im Ausland. Wir möchten als Menschen wahrgenommen werden und uns nicht für die Taten anderer, verirrter Personen im Ausland rechtfertigen müssen. Daneben beschäftigen uns natürlich auch die allgemeinen Themen aller Bürger: Gesundheit, Arbeit, Familie, Ausbildung ...

5. Trotz vorschneller Verbindungen, die zwischen Muslimen in der Schweiz und ausländischen Terroristen gezogen werden: Fühlen sich die Muslime in der Region akzeptiert und wohl?

Ja, wir sind sehr froh, dass wir in diesem freien Land leben und unsere Religion praktizieren können. Störend sind leider die manchmal vorwurfsvollen Blicke und Äusserungen mancher Politiker, die uns stigmatisieren wollen. Wir haben Gewalt und Terror stets verurteilt. Manchmal erscheint es uns, als dies einfach nicht gehört werden will.

6. Am 6. Juni hat der Fastenmonat Ramadan angefangen, während dem für Muslime tagsüber strenge Fastenregeln gelten. Wie hält man es im Sommer den ganzen Tag lang ohne Wasser aus?

Letztlich ist es eine Frage des Willens und der Überzeugung. Bei normaler Aktivität ist das Fasten körperlich völlig problemlos. Kranke, Gebrechliche und hart Arbeitende sind vom Fasten entbunden.