Die unendliche Geschichte der Abfallgebühren in Oberentfelden begann 1972 und zog in der Folge Schlaufen: «Vorlage angenommen, im Referendum abgelehnt, Vorlage abgelehnt, Vorlage abgelehnt, Vorlage abgelehnt, Vorlage abgelehnt, Antrag abgelehnt, Antrag angenommen, Vorlage angenommen, im Referendum abgelehnt.»

Gemeinderätin Vreni Friker kennt die Litanei der letzten 40 Jahre auswendig. Morgen könnte die Geschichte doch noch ein Ende finden. Aber Vreni Friker sagt: «Ich habe absolut keine Ahnung, wie die Abstimmung herauskommt.»

Tendenz zur Annahme

Eine gestrige Umfrage bei rund zwanzig Passanten deutet auf ein Ja zur Einführung der Sackgebühr hin: Viele wollen endlich den Abfalltourismus aus anderen Gemeinden unterbinden.

Denn nicht nur, aber auch deswegen sammelt Oberentfelden fast doppelt so viel Abfall pro Einwohner ein wie die umliegenden Gemeinden. Zudem fanden viele, dass es mittlerweile unausweichlich sei, die Sackgebühr einzuführen. «Irgendwann wird sie sowieso kommen, warum also nicht jetzt?», sagt eine Passantin, «dann ist das ‹Gstürm› endlich vorbei.»

Die kritischen Stimmen richten sich nicht in erster Linie gegen die Sackgebühr, sondern dagegen, dass der Gemeinderat nicht versprechen will, um wie viele Prozente der Gemeindesteuerfuss danach gesenkt würde.

Fakt ist: Im Budget der Gemeinde macht die Abfallentsorgung rund 5 Prozente aus. Aber Vreni Friker sagt: «Es wäre unseriös, jetzt schon die genaue Zahl zu nennen. Fürs Budget 2013 ist noch zu viel unklar.» Und sie argumentiert: «1995 hat der Gemeinderat die Reduktion von 5 Prozent versprochen und die Vorlage wurde trotzdem abgelehnt.»

Klar sind die Kosten der Sackgebühren: Fr. 2.20 würde ein 35-Liter-Sack kosten, Fr. 8.80 ein 110-Liter-Sack. Für Grünabfuhr, Unterhalt der Sammelstellen und anderes ist eine Grundgebühr von 30 Franken pro Haushaltung und Jahr nötig.

Ein zweifelhaftes Markenzeichen

Zum Thema der Sackgebühr hat in Oberentfelden jeder eine Meinung und führt diese auch bereitwillig aus. Doch die meisten möchten lieber anonym bleiben.

Anders Sportstudent Stefan Gehri: «Es ist in Oberentfelden schon beinahe Kult, dass die Gebühr immer wieder abgelehnt wird. Ich habe den Eindruck, dass es gar nicht mehr um die Sache selbst geht», so der 22-Jährige. Vreni Friker sieht das weniger positiv. Sie bedauerte nach der letzten Ablehnung 2008, dass die Gemeinde damit schweizweit negative Schlagzeilen mache.

Ob nun Kult oder schlechte Werbung: Der Druck, in Oberentfelden endlich Abfallgebühren einzuführen, ist gestiegen. 2004 gab es noch drei weitere Aargauer Gemeinden, die ausscherten – heute ist die Entsorgung sonst nur noch in Oberwil-Lieli gratis.

Und: Ende 2011 ist die Übergangsfrist zum Bundesgesetz über den Schutz von Umwelt und Gewässer abgelaufen. Dieses schreibt den Gemeinden vor, eine Abfallgebühr nach dem Verursacherprinzip zu erheben. Regierungsrat Peter C. Beyeler hat deswegen diesen Frühling Oberentfelden schriftlich dazu aufgefordert, die Anpassung des Abfallreglements rasch an die Hand zu nehmen.

Was aber, wenn die Oberentfelder dies erneut ablehnen? Zur Zwangsverwaltung wird der Kanton kaum greifen. Aber er wird die Gemeinde wohl verpflichten, über die Gebühren noch ein 13., 14. oder 15. mal abzustimmen.

Übrige Traktanden nicht brisant

Die Kehrichtgebühren sind das 7. und letzte Traktandum der Gemeindeversammlung von morgen. Die Traktanden davor, Rechnung 2011, Kreditabrechnungen, Rechenschaftsbericht, zehn Einbürgerungen und die Fusion der ZSO Entfelden mit Aare und Suret zur ZSO Aare Region dürften zügig genehmigt und abgehakt werden.