Die Stiftung Speranza wurde von Unternehmer und Nationalrat Otto Ineichen (2012 verstorben) gegründet. Sie bezweckte, Menschen bei der beruflichen Integration zu unterstützen. Mitte 2015 hat sie ihre operative Tätigkeit eingestellt.

Die Taten des angeklagten ehemaligen Geschäftsführers gehen aber auf die Jahre 2009 bis 2011 zurück. Der Beschuldigte war damals auch Inhaber mehrerer Firmen für Lehrgänge und für Unternehmensberatung. Im Namen dieser Firmen stellte er der Stiftung Speranza zwischen 2009 und 2011 insgesamt 20 Rechnungen für fiktive Leistungen, die er dann wiederum als Speranza-Geschäftsführer gleich selber absegnete. Insgesamt kostete das die Stiftung 177‘613 Franken.

Ab 2009 betrog er auch den Bund. Dann nämlich entschied das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie, dass das Speranza-Projekt „Networker“ Beiträge von maximal 567‘000 Franken erhält. Konkret sollten die Beiträge pro neu geschaffener Lehrstelle ausbezahlt werden. Zunächst erhielt die Stiftung eine Vorauszahlung von 450'000 Franken.

Weil aber weniger Lehrstellen geschaffen wurden, als prognostiziert war, hätte die Stiftung dem Bund 93‘000 Franken davon zurückzahlen müssen. Der Geschäftsführer fälschte jedoch die Abschlussrechnung und wies so viele neu geschaffene Lehrstellen aus, dass das Kostendach von 567‘000 Franken erreicht wurde. Damit forderte er beim Bund Nachzahlungen von 117‘000 Franken ein – dabei hätte dieser doch eigentlich eine Rückzahlung zugute gehabt.  

Im Jahr darauf wiederholte der Beschuldigte das Spielchen: Dieses Mal zahlte der Bund wiederum 450‘000 Franken im Voraus und schob später aufgrund einer gefälschten Abrechnung 131‘412 Franken nach. Tatsächlich hätte die Stiftung dem Bund 200‘000 Franken zurückzahlen müssen.

Das Bundesamt hält in einer Evaluation des Projekts denn auch fest: „Die vom Bund getragenen Kosten für die Schaffung einer Lehrstelle (zusammengesetzt aus der Entlöhnung für Networker und einem Anteil für die Geschäftsstelle Stiftung Speranza) sind zwischen 2008 und 2010 gestiegen.“

Immerhin floss dieses Geld nicht in die Tasche des Geschäftsführers, sondern in die Stiftungskasse. Das hielt auch Bezirksgerichtspräsident Reto Leiser an der Verhandlung fest. Ansonsten gab es nicht mehr viel zu sagen: Der Beschuldigte war vollumfänglich geständig und hatte bereits im Vorfeld einem Vergleich zugestimmt, weshalb es zu einem abgekürzten Verfahren kam.

In weniger als einer halben Stunde war die Sache erledigt, das Urteil gesprochen: Busse und auf 2 Jahre bedingte Haftstrafe wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung, mehrfachem Leistung- und Abgabebetrug sowie mehrfacher Urkundenfälschung verurteilt.