Oberentfelden/Lenzburg

Stiftung macht Wachstumssprung – und kauft die Garage Sollberger

Sabine Sutter-Suter (Präsidentin), Martin Sollberger (Verkäufer Garage), Martin Bhend (Geschäftsführer) und Daniel Schneeberger (Leiter Bereich Arbeit) stehen auf dem Areal der Garage Sollberger. Auf dem Getreideacker dahinter (vor dem roten Gebäude der Stiftung) soll der Neubau entstehen.

Sabine Sutter-Suter (Präsidentin), Martin Sollberger (Verkäufer Garage), Martin Bhend (Geschäftsführer) und Daniel Schneeberger (Leiter Bereich Arbeit) stehen auf dem Areal der Garage Sollberger. Auf dem Getreideacker dahinter (vor dem roten Gebäude der Stiftung) soll der Neubau entstehen.

Die Stiftung «Orte zum Leben» investiert 10,8 Mio. Fr. und kauft die Garage Sollberger.

Bis 2017 kannte man sie als «Stiftung für Behinderte Aarau-Lenzburg». Jetzt heisst sie Stiftung «Orte zum Leben». Die Institution, eigentlich ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von zuletzt 27,3 Millionen Franken, hat Standorte in Lenzburg, Staufen und Oberentfelden. Jetzt setzt sie zu einem Entwicklungssprung an, wird etwa 30 Prozent grösser.

«Wir wachsen in den nächsten drei Jahren um 100 Klienten und mindestens 50 Betreuungspersonen, erklärte gestern Geschäftsführer Martin Bhend an einer Medienorientierung. Präsidentin Sabine Sutter-Suter, CVP Grossrätin aus Lenzburg, verriet: «Wir steigen in die Autobranche ein.»

Prominenter Verkäufer

Die Stiftung kauft per Ende Jahr für 2,8 Millionen Franken die Garage Sollberger (bis Ende Jahr Mitsubishi und Alfa Romeo) in Oberentfelden. Für den Verkäufer Martin Sollberger ist das eine Nachfolgeregelung. Wie viele seiner heute sieben Angestellten (inklusive einem Lehrling) zu «Orte zum Leben» wechseln werden, ist im Moment noch unklar. Der im Pensionsalter stehende Vollblut-Garagier («ich bin seit 41 Jahren im Geschäft») behält die «Garage Sollberger AG» und wird noch für einige Zeit mit Autos handeln. Er ist kantonsweit bekannt als langjähriger Präsident der Sektion Aargau des Auto Gewerbe Verbandes Schweiz (AGVS). Dieses Amt wird er vorerst noch behalten. Sollberger wurde eben erst für zwei Jahre wiedergewählt.

Das Gebäude der Garage Sollberger liegt nur etwa 300 Meter von Oberentfelder Zentrum der Stiftung entfernt. Die beiden Obergeschosse werden wie bisher fremdvermietet. Die Werkstatt, die Tankstelle und die Waschstrasse werden künftig von der Stiftung genutzt. Es soll Arbeitsplätze nahe am 1. Arbeitsmarkt geben. Es wird etwa die Praxisausbildung Automobil angeboten. Ein wichtiger Auftrag besteht in der Wartung der 18 stiftungseigenen Fahrzeuge. Zudem hofft man, in das Geschäft mit der Fahrzeugaufbereitung einsteigen zu können. Aus Platzgründen von Lenzburg nach Oberentfelden verschoben und gleichzeitig ausgebaut werden die Fahrradwerkstatt und der Gartenunterhalt. Zudem besteht die Absicht, im Garagengebäude am Lerchenweg einen kleinen Verkaufsladen einzurichten.

Kaffeerösterei in Staufen

Die ganze Expansion ist nur möglich, weil der Kanton (Abteilung Sonderschule und Heime im BKS) der Stiftung «Orte zum Leben» die Schaffung von 42 Tagesstruktur- und 22 Wohnplätzen genehmigt hat. Für die Wohnplätze soll in Oberentfelden auf der Wiese zwischen dem bestehenden Stiftungsgebäude und der Garage Sollberger ein Neubau errichtet werden. Kostenpunkt: 6 Millionen Franken. Das Land will man von der Gemeinde Oberentfelden im Baurecht übernehmen. Als Investor tritt die Impact Immobilien (Bern) auf. Sie plant unter anderem auch den Neubau «Töpferhaus Suhr».

Die Stiftung «Orte zum Leben» betreut erwachsene Menschen mit einer kognitiven oder mehrfachen Beeinträchtigung. Die Klienten beziehen eine 100-prozentige IV-Rente. «Bei uns steht die Förderung im Vordergrund und nicht die Pflege», betont Martin Bhend. Ende letzten Jahres beschäftigte die Stiftung 326 Mitarbeiter (236 Vollzeitjobs). Die Zahl der Klienten wird mit etwa 330 angegeben.

Insgesamt werden jetzt 10,8 Millionen Franken investiert. 2 Millionen Franken kosten der Umbau und die Sanierung des Gemeinschaftshauses in Staufen. Aus dem «Kafi Träff» wird eine Cafeteria mit eigener Kaffeerösterei. Man hofft auch auf Kunden aus dem benachbarten Wohnboomgebiet Esterli-Flösch.

Neu drei Kantinen des Kantons

Einen grossen Auftrag erhielt die Stiftung «Orte zum Leben» eben vom Kanton: Sie kann ab 1. Januar 2020 die drei Kantinen Behmen, Buchenhof und Telli (Hochhaus) betreiben. Bisher kochte hier die Stiftung Faro (Windisch), die sich nun aber aus diesem Geschäft zurückzieht. Die Stiftung «Orte zum Leben» setzte sich in einem Ausschreibungsverfahren gegen diverse andere Anbieter durch. Der Kantinen-Deal ermöglicht die Schaffung von 47 Arbeitsplätzen (47 Klienten und 10 Personal). «Wir können damit auf einen Schlag unsere Präsenz im Raum Aarau stärken und haben bereits weitere Abnehmer unseres zukünftig selbstgerösteten Kaffees gewonnen. «Freude herrscht!», schreibt die Stiftung.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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