Aargau West
Steuer-Starre wegen der Pandemie: Bei den Steuerfüssen 2021 gibt es kaum Änderungen

Viele Gemeinden in der Region Aargau West warten mit Änderungen an ihrem Steuerfuss ab. Somit bewegt sich bei den Steuerfüssen 2021 kaum etwas. Veränderungen gibt es Stand heute nur in acht Gemeinden.

Nadja Rohner
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Blick in die Zukunft: Kandidaten für eine Steuererhöhung könnten Biberstein, Rupperswil, Moosleerau, Staufen und Oberentfelden sein.

Blick in die Zukunft: Kandidaten für eine Steuererhöhung könnten Biberstein, Rupperswil, Moosleerau, Staufen und Oberentfelden sein.

KEYSTONE/GAETAN BALLY

«Schätzung», «Spekulation» und «Blindflug» waren Schlagworte, mit denen Gemeinderäte in der Region ihre Budgets für das kommende Jahr vorstellten. Wie sich die Coronakrise auf die Ausgaben, besonders aber auf die Steuereinnahmen 2021 auswirken wird, kann bestenfalls Handgelenk mal Pi bestimmt werden. Deshalb war die Pandemie auch nirgends Hauptgrund für eine Steuererhöhung.

Überhaupt bewegt sich bei den Steuerfüssen 2021 nicht viel – in der AZ-Region Aargau West gibt es vier Gemeinden, die ihren Steuerfuss senken, und ebenfalls vier, die ihn erhöhen. Noch nicht abschliessend entschieden haben Hunzenschwil, Hendschiken und Egliswil (Urnenabstimmung am nächsten Sonntag) sowie Unterentfelden und Othmarsingen, die ohne gültiges Budget ins neue Jahr starten (Urnenabstimmung erst am 24.1.2021).

Hallwil erhöht seine Steuern praktisch diskussionslos von 117 auf 127 Prozent – das ist der nötige Steuersatz, um vom Kanton Ergänzungsbeiträge zu erhalten. In Schlossrued hat sich das 2020 derart bewährt, dass die Gemeinde per nächstes Jahr wieder auf 123 Prozent runtergehen kann. In Kirchleerau, wo der Gemeinderat mit demselben Gedanken einen Steuersprung auf 127 Prozent beantragt hatte, scheiterte das Vorhaben: Man einigte sich an der Gmeind auf 123 Prozent – was bedeutet, dass der einzelne Steuerzahler zwar weniger bluten muss, vom Kanton aber auch kein zusätzliches Geld in die Gemeindekasse fliesst.

Am Ende obsiegte der Gemeinderat

Wie in Kirchleerau war auch die Erhöhung in Suhr stark umstritten. Der Gemeinderat wollte vier Prozentpunkte rauf (auf 112), die SVP wollte nur 110 Prozent, «Zukunft Suhr» 114 – und ein ehemaliger Gemeinderat im Publikum der Gemeindeversammlung stellte gar den Antrag auf eine Senkung des Steuerfusses um drei Prozentpunkte. Am Ende obsiegte der Gemeinderat.

Gut möglich, dass per 2022 oder 2023 einige jener Gemeinde, die jetzt noch auf eine Erhöhung verzichteten, signifikante Anpassungen machen müssen. Das schimmerte an den Gemeindeversammlungen durch: Man will keine Salamitaktik und belässt vorläufig alles beim Alten, um in ein bis zwei Jahren, wenn bezüglich Pandemie-Auswirkungen mehr Klarheit herrscht, zu handeln.

Die Kandidaten für eine Steuererhöhung

Kandidaten für eine Steuererhöhung könnten Biberstein, Rupperswil, Moosleerau, Staufen und Oberentfelden sein – Letzteres aufgrund des Ausstiegs aus dem «Zukunftsraum». In Biberstein hat der Gemeinderat angetönt, dass eine Anpassung von 92 auf 95 Prozent die hohe Verschuldung durch den Schulhausneubau abbauen könnte. In Staufen war am «Politapéro» von einer Erhöhung um fünf Prozentpunkte per 2022 die Rede, und der Moosleerber Gemeinderat weist darauf hin, dass er nicht noch mehr sparen kann. Und in Rupperswil, wo die Finanzkommission dieses Jahr bereits den Antrag auf eine Erhöhung um 3 auf 100 Prozent gestellt hatte, könnten sich die Finanzprobleme akzentuieren.

Keine Finanzsorgen hat Meisterschwanden, das dank ausserordentlichen Fiskaleinnahmen den Steuerfuss auf 60 Prozent senken kann und damit zu den steuergünstigsten Gemeinden im Aargau zählt. In der Nachbar­gemeinde Seengen würde eine Senkung in den nächsten Jahren ebenfalls nicht überraschen.