Buchs/Suhr
Statt auf dem Friedhof: Ewige Ruhe am Fuss einer Eiche

Mit dem Projekt «RuheWald» schafft die Forstverwaltung eine naturnahe Begräbnisstätte. Ganze Abdankungsfeiern sollen im Wald nicht abgehalten werden. Geplant sind eher stille Zeremonien in kleinem Rahmen.

Nadja Rohner
Drucken
Werner Lutz, Förster und Betriebsleiter der Forstverwaltung Suhr-Buchs, zeigt eine Eiche, unter der man sich bestatten lassen kann.

Werner Lutz, Förster und Betriebsleiter der Forstverwaltung Suhr-Buchs, zeigt eine Eiche, unter der man sich bestatten lassen kann.

Nadja Rohner

Nichts ist so sicher wie die Endlichkeit des Lebens. Und so muss sich jeder damit auseinandersetzen, was mit seinem Körper passieren soll, wenn es so weit ist. Wer eine Erdbestattung wünscht, bekommt diese nur auf dem Friedhof. Aber nicht allen gefällt die Atmosphäre dieser Thujahecken-umsäumten Parkanlagen mit ihren akkurat angelegten Grabfeldern. Deshalb werden alternative Bestattungsorte, zumindest für kremierte Verstorbene, immer beliebter.

In der Region steht das Projekt «RuheWald» der Forstverwaltung Suhr-Buchs kurz vor der Umsetzung. Künftig kann die Asche nach der Kremation in den Waldgebieten Suhret und Oberholz begraben werden. Direkt am Fusse eines Baumes. Etwa ab Ende April ist der Forstwerkhof bereit für die ersten Bestattungen.

Je etwa hundert Bäume

Die AZ fährt zusammen mit Förster und Betriebsleiter Werner Lutz in den 400 Hektaren grossen Suhret-Wald hinein. Schon seit 17 Jahren ist der gebürtige Rheinland-Pfälzer bei der Forstverwaltung Suhr-Buchs angestellt. Fast der ganze Wald, den seine Truppe betreut, gehört den beiden Ortsbürgergemeinden. Und aus diesen Kreisen kam auch der Input für das Projekt «RuheWald». Bei Lutz stiess die Bevölkerung damit auf offene Ohren: «Über so eine Naturbegräbnisstätte in unseren Wäldern hatte ich mir schon vorher Gedanken gemacht», sagt er.

Wir lassen das Auto stehen und gehen ein paar Meter zwischen den Bäumen hindurch tiefer in den Wald hinein. Die künftigen Grab-Bäume stehen meist nicht direkt am Weg. Es sind etwa hundert Exemplare in jedem Waldgebiet. Verschiedenste Arten, etwa Eiche, Lärche, Tanne oder Buche, stehen zur Verfügung. «Wir treffen eine Vorauswahl», erklärt Lutz. «Die Bäume sollen erstens markant sein und zweitens vital, weil sie den Verstorbenen und deren Angehörigen ja über einen möglichst langen Zeitraum zur Verfügung stehen sollen. Diese schöne Eiche hier zum Beispiel: Sie steht seit ungefähr 80 Jahren hier – das ist für eine Eiche gar nichts. Sie werden mehrere hundert Jahre alt.»

Bis 12 000 Franken teuer

Es gibt drei verschiedene Begräbnis-Angebote: Man kann für 5000 bis 12 000 Franken Gebühr einen Einzelbaum nutzen. Darunter sind bis zu zwölf Bestattungen möglich, also zum Beispiel für Familienmitglieder. Wer sich das nicht leisten kann oder will, kann sich für rund 800 Franken unter einem Gemeinschaftsbaum bestatten lassen – allerdings mit bis zu neun Fremden. «Wir orientieren uns bei den Tarifen stark an den Gebührenordnungen der umliegenden Gemeinden», sagt Werner Lutz. Und: Geplant sind auch Bäume explizit für Sternenkinder, also für Babys, die vor oder bald nach der Geburt versterben. Für diese Bestattungen verlangt der Forstbetrieb nur eine Aufwandsentschädigung – eine besonders schöne Geste. Überhaupt sei das ganze Projekt zwar ein willkommener Zustupf in die Forstkasse, aber das Geld verdienen stehe sicher nicht im Vordergrund, betont Lutz.

Spaziergänger und andere Waldnutzer müssen nun nicht befürchten, ständig in eine grosse Trauergemeinde hineinzuplatzen. Es sei nicht die Idee, dass im Wald ganze Abdankungsfeiern stattfänden, sagt Werner Lutz. Die Beisetzung solle eine stille Zeremonie im kleinen Rahmen sein. Ein Mitarbeitender des Werkhofs begleitet die Hinterbliebenen. Er bereitet das Loch im Wurzelbereich des Baumes vor, in welches die Asche geleert wird – und verschliesst es am Ende wieder. Grabschmuck ist nicht erlaubt. Nur eine Nummern-Plakette am Baum. Die Grabstätten sind ausserdem in einem Kataster vermerkt, damit sich auch Ortsunkundige orientieren können.

50 Jahre Ruhezeit

Die Ruhezeit beträgt bei Einzelbäumen 50 Jahre, bei Gemeinschaftsbäumen 25. Da aber im Wald nie ausgeschlossen werden kann, dass ein Baum stirbt oder durch äussere Einflüsse – etwa einen Sturm – gefällt wird, gibt es einen Plan B: «Wenn ein Baum fällt, an dessen Wurzeln schon jemand bestattet wurde, wird am selben Ort ein neuer Baum gepflanzt», sagt der Betriebsleiter.

Wer eine Wald-Bestattung wünscht, kann sich für eine Beratung direkt an die Forstverwaltung wenden. Werner Lutz erwartet, dass das Angebot gut ankommt. «Je länger ich mich damit beschäftige, desto überzeugter bin ich, dass es etwas Gutes ist.» Bereits gibt es Wartelisten für Leute, die sich einen Begräbnisbaum aussuchen wollen. Noch zu Lebzeiten, damit die Angehörigen wissen, was zu tun ist, wenn das Ende kommt.

Aktuelle Nachrichten