Oberentfelden
Statistik hüllt Schuldenberg in Nebel

In der kantonalen Gemeindefinanzstatistik erscheint Oberentfelden als vermögende, nicht als verschuldete Gemeinde. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Ueli Wild
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Oberentfelden hat gerade nichts zu lachen – zumindest nicht mit Blick auf die Gemeindefinanzen.

Oberentfelden hat gerade nichts zu lachen – zumindest nicht mit Blick auf die Gemeindefinanzen.

Ueli Wild

Wer die jüngste Gemeindefinanzstatistik des Kantons betrachtet, reibt sich die Augen. Oberentfelden – alles im grünen Bereich, tatsächlich? Dabei empfehlen Gemeinderat und Finanzkommission der Stimmbevölkerung dringend, am 28. Februar das Budget mit einer Steuerfusserhöhung um 12 auf 116 Prozent gutzuheissen –damit die Verschuldung der Gemeinde nicht noch weiter anwächst. Wie lässt sich dieser Widerspruch erklären?

Die kantonale Gemeindefinanzstatistik 2014 weist für Oberentfelden in der Rubrik Nettoschuld I ein Nettovermögen von nahezu 8 Mio. Franken aus. Dementsprechend ergibt sich auch eine negative Pro-Kopf-Verschuldung – einfacher gesagt: ein Vermögen pro Einwohner von etwas mehr als 1000 Franken. Oberentfeldens Finanzverwalter Ralph Frey hat keine Freude an diesen Zahlen. Es entstehe ein völlig verzerrtes Bild, das die Stimmberechtigten verwirren könne, lässt Frey durchblicken – und das zwei Wochen vor der Budgetabstimmung.

Inklusive Spezialfinanzierungen

Wie es zu den unverständlichen Werten kommt, kann Frey leicht erklären: Bei den vom Kanton veröffentlichen Zahlen sind die Spezialfinanzierungen, also die Eigenwirtschaftsbetriebe (Elektrizitätswerk, Wasser, Abwasser, Abfall) mitgerechnet. In Freys Augen ist das problematisch: «Der Fokus ist auf den steuerfinanzierten Bereich zu legen.» Lässt man die Spezialfinanzierungen aus dem Spiel, ergibt sich nach Angaben des Finanzverwalters für Oberentfelden eine Nettoschuld von etwas mehr als 5 Mio. Franken. Das entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von rund 650 Franken.

Extrem hoher Nettozinsaufwand

Abgesehen davon, dass die neueste Gemeindefinanzstatistik das Jahr 2014 abbildet und damit längst nicht mehr aktuell ist, gibt die Nettoschuld I auch keinen Hinweis darauf, wie hoch eine Gemeinde gegenüber Darlehensgebern wie Banken und Versicherungen verschuldet ist. Erahnen lässt sich das jedoch aufgrund des Zinsaufwands: Tatsächlich zeigt die Gemeindefinanzstatistik 2014 für Oberentfelden einen erheblichen Nettozinsaufwand von nahezu 550 000 Franken – den mit Abstand höchsten im Bezirk und einen der höchsten im Kanton. Nur Oftringen und Baden mit anderthalb- bis zweimal so vielen Einwohnern gaben 2014 noch mehr Geld für die Verzinsung von Darlehen aus. Dass in Oberentfelden aktuell rund 100 000 Franken weniger für Zinsen budgetiert sind als damals, hängt mit der Zinsentwicklung zusammen.

Die Bruttoverschuldung Oberentfeldens nimmt stetig zu. Das schleckt keine Geiss und auch keine Verwirrung stiftende Gemeindefinanzstatistik weg. Bei der Präsentation des Budgets im letzten Oktober war noch die Rede von 27 Millionen. Mittlerweile machen die Verbindlichkeiten gegenüber Dritten bereits 32 Mio. Franken aus, wie Finanzverwalter Ralph Frey ausführt. Pro Kopf sind das 4120 Franken. Im Moment ist Geld günstig zu haben, doch eins ist klar: Wird der Schuldenberg nicht abgetragen und die Zinsen steigen, wirds teuer für Oberentfelden.

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