Das Ziel ist ehrgeizig: Bis 2020 soll auf dem Areal gleich hinter dem jetzigen KiFF auf einer Bodenfläche von 2000 Quadratmetern ein neues Musik- und Konzertlokal gebaut werden.

Co-Geschäftsleiter Oliver Dredge betont, dass es sich beim Projekt nicht um ein neues kulturelles Angebot handelt, sondern um die «Existenzsicherung der Kultur in der Futterfabrik». «Wenn es das KiFF weiterhin geben soll, müssen wir etwas unternehmen», sagt er.

Wieso brauchts ein neues KiFF?

Der Mietvertrag mit der Immotelli läuft 2020 aus. Der Handlungsbedarf ergibt sich aber in erster Linie aus der Bausubstanz der bestehenden Kulturstätte. Nach 27 Jahren ist die umgenutzte Futterfabrik baufällig, der Konzertbetrieb wird erschwert, die Lüftung ist ungenügend, die Sicherheit zunehmend ein Problem und die produktionstechnischen Begebenheiten genügen den heutigen Anforderungen für Konzerte immer weniger.

Der Investitions- und Renovationsbedarf ist hoch und nimmt ständig zu. Doch es lohnt sich nicht mehr. Das KiFF ist abbruchreif. «Wir können nicht mehr flicken», sagt die Präsidentin Gisela Roth und Kunath ergänzt: «1 Million Tonnen Futter hat meine Familie hier produziert, 1 Million Zuschauer haben das KiFF besucht. Jetzt ist genug. Es ist Zeit für einen Neuanfang an einem neuen Ort. Jetzt oder nie.»

Vision KiFF 2.0

Dass die Tage des alten KiFF gezählt sind, weiss man in Aarau seit Jahren. Lange wurde nach einem anderen Standort gesucht. Doch gemäss Roth hat sich nichts ergeben. Eine Machbarkeitsstudie der SSM Architekten AG, die auch die Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn konzipierte, hat nun ergeben, dass das vorgesehene Areal südlich vom jetzigen KiFF möglich ist. «Es gibt keine Alternative», sagt Roth dezidiert.

Das alte KiFF stösst mehrfach an seine Grenzen. Ein Neubau eröffnet neue Möglichkeiten und markante Qualitätsverbesserungen. In ihrer Vision vom KiFF 2.0 gehen die Initianten von zwei modulablen Konzertsälen für 300 und maximal 1000 Zuschauer aus. «Mit einer Kapazität von 550 Zuschauern ist das alte KiFF zu klein, um im anvisierten Konzertmarkt bestehen zu können», sagt Dredge.

Mit einer höheren Kapazität könnten attraktivere Künstler und Musiker engagiert sowie das Einnahmepotenzial verbessert werden. Das Team verspricht sich zudem eine markante Qualitätssteigerung des Konzerterlebnisses: Der Klang und die Akustik hätten oberste Priorität, erhöht würden aber auch die Luftqualität, die Temperatur, das Licht und die Sicht auf die Bühne. Die grösseren Raumverhältnisse würden eine Bestuhlung ermöglichen, was die Ausweitung der Zielgruppe bedeutet.

Neu in der Vision ist die Gastronomie. Das KiFF sieht sich als Treffpunkt und Begegnungsort für kultur- und musikinteressierte Menschen im stark wachsenden Telli-Quartier. Als ein Ort zum Verweilen. Deshalb soll die Gastronomie ausgebaut werden und zu einem fixen Bestandteil des Konzerterlebnisses werden. Verstärkt werden sollen auch Vermietungen von Ateliers für Künstler und Proberäumen für Bands.

Das KiFF ist ein Kultur-Leuchtturm des Kantons Aargau mit einer Ausstrahlung weit über die Kantonsgrenzen hinaus. 45 000 Besucher zählt das KiFF in diesem Jahr. Das ist fast so viel wie der FC Aarau (50 800 in diesem Jahr). Der Kanton hat sich denn auch immer wieder zum Kulturlokal bekannt und seine Unterstützung bekräftigt. Auch die Stadt Aarau will das KiFF in der Kantonshauptstadt behalten. Der kommende Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker ist froh, dass sich auf dem Areal eine Möglichkeit ergibt, und betrachtet die Pläne als «realisierbar» und das Vorgehen als «sinnvoll».

Was sind die nächsten Schritte?

Die Machbarkeitsstudie geht von zwei denkbaren Varianten für einen mehrstöckigen, 12 Meter hohen Neubau mit zwei Bühnen aus. Als nächsten Schritt beantragt das KiFF beim Stadt- und Regierungsrat einen Projektkredit für einen Architekturwettbewerb. Noch zurückhaltend sind die Initianten beim Thema Kosten. Kunath ist vor anderthalb Jahren von rund 10 Millionen für das Gebäude ausgegangen. Wie präzis diese Schätzung ist, hängt vom Ausgang des Wettbewerbs ab. Die Machbarkeitsstudie geht von einer Abweichung von plus/minus 25 Prozent aus. Das wäre auf jeden Fall weniger als das Fussball-Stadion oder die Alte Reithalle.

Der Zeitplan sieht vor, dass es im Herbst 2019 zur Volksabstimmung in der Stadt Aarau kommen soll. Der Baubeginn ist für Juni 2020 vorgesehen.