Aarau

«Starjongleur» Kaspar Tribelhorn will, dass alle Jonglieren lernen

Kaspar Tribelhorn (35) alias «Starjongleur» in seinem Atelier im Rüetschi-Haus in Suhr.

Kaspar Tribelhorn (35) alias «Starjongleur» in seinem Atelier im Rüetschi-Haus in Suhr.

Der Aarauer Kaspar Tribelhorn bringt demnächst ein Jonglierbuch heraus. Er selber kann bereits von seiner Kunst leben.

Folgt man dem allgemeinen Vorurteil, dann sind alle Kleinkünstler Chaoten, die zwar tolle Shows bieten, aber zum Überleben auf «echte Jobs» angewiesen sind. Nicht so Kaspar Tribelhorn: Der gelernte Elektroniker und studierte Ingenieur hatte eine gute Arbeitsstelle, die er auch mit Freude ausübte. Doch irgendwann merkte er: Eigentlich will ich lieber jonglieren.

Mit Bällen, Ringen, brennenden Keulen, Messern oder gar mit laufenden Kettensägen. Dazu einen intelligenten, humorvollen Auftritt hinlegen, mit dem Publikum interagieren, Feuer schlucken, auf einer Artistenleiter balancieren und zum krönenden Abschluss zum Beispiel eine Tischbombe auf seinem Kopf platzen lassen.

Das alles macht «Starjongleur» Kaspar Tribelhorn mit unübersehbar grosser Freude und vor allem felsenfester Überzeugung. «Vielleicht liegt es an meiner Persönlichkeit: Wenn ich etwas mache, dann mache ich es voll und mit Herzblut», sagt der 35-jährige Aarauer.

Das sei auch bei seinem früheren Job so gewesen, nun stecke er all seine Energie in seine Shows. Über 1000 waren es in den letzten Jahren, in Europa und Kanada. In der Region trat er unter anderem an den Theatertagen Aarau oder den Jugendfesten in Biberstein und Küttigen auf.

«Viele Menschen sagen mir, sie bewundern meinen Mut», sagt er. Alles hinzuschmeissen und etwas Neues anzufangen, sei nicht einfach. «Aber was das mit Mut zu tun hat, verstehe ich nicht. Ich habe einfach das gemacht, was ich wollte.»

Auch der Zufall will geplant sein

Fakt ist: Nach zwei Jahren auf Tournee mit dem Theaterzirkus Wunderplunder machte er sich 2013 selbstständig – und er kann von seiner Tätigkeit leben. «Ich kann zum Glück auch mit Zahlen umgehen. Daran scheitern wohl viele Künstler», sagt er.

Kann sein, dass ihm das Ingenieursdenken zugutegekommen ist. Bei der Vorbereitung seiner Auftritte jedenfalls geht er absolut methodisch vor. Gerade damit er in seinen Shows gewisse Dinge dem Zufall überlassen kann, geht Kaspar Tribelhorn zuerst auf Nummer sicher und nimmt etwa immer Requisiten mit für dreimal mehr Sketches, als er dann tatsächlich vorführt.

«Ich sage stets: Profis haben immer alles doppelt.» So nimmt er etwa jeweils zwei Stereoanlagen mit zu seinen Shows, falls eine mal nicht funktioniert. Manche Dinge besitzt er gar in mehrfacher Ausführung: Für sein Outfit etwa verfügt er über 15 rote Hemden und sechs Paare derselben Schuhe.

Dank akribischer Planung schafft sich Kaspar Tribelhorn Freiheit für Spontanes, kann so besser auf sein Publikum eingehen. Bei den 50 Minuten langen Auftritten soll es denn auch für jeden etwas geben. «Ich will etwas anbieten, das die Zuschauer auf verschiedenen Ebenen anspricht», sagt er.

Er führt einen Onlinehandel

So kam etwa die Idee mit der Kettensäge: Ein gefährliches Unterfangen, das aber gerade deshalb immer für Aufsehen sorgt. «Es ist übrigens einfacher, mit der Kettensäge zu jonglieren, wenn der Motor läuft. Das fördert die Rotation», verrät er. Auch die Nummer mit der Tischbombe sei zwar natürlich etwas albern, aber immer ein lustiger Höhepunkt.

Jonglieren, das ist für Kaspar Tribelhorn ein Vollzeitjob: Am Wochenende tritt er auf, unter der Woche heisst es planen, neue Shows anheuern – und immer wieder üben. «In den zwei Monaten vor Weihnachten hatte ich keinen freien Tag», sagt er. Zudem belässt er es nicht nur bei seinen Auftritten: Er bietet etwa auch Werkstätten an für Private, Firmen und Schulen und führt einen Onlinehandel für gute, «ausschliesslich selbst getestete» Jonglierbälle mit Hirsefüllung.

«Kein billiges Plastikgranulat», steht etwa auf seiner Website geschrieben. Auf Anfrage lässt er auch personalisierte Bälle herstellen, etwa mit Firmenlogos. Nebst der zusätzlichen Einnahmequelle geht es Kaspar Tribelhorn vor allem dar­um, dass möglichst viele Menschen Jonglieren lernen. Und dafür brauche es geeignete Bälle. «Sonst ist man schnell frus­triert und gibt auf», sagt er, etwa wenn Tennis- oder Gummibälle wegspicken und man diese dann mühsam einsammeln muss. Ein Tipp von ihm ist, vor einem Bett oder Sofa zu üben, damit man sich nicht so weit bücken muss, wenn die Bälle herunterfallen.

«Eine Jonglieranleitung, die auch wirklich funktioniert»

Weitere solche Ratschläge findet man in der Jonglieranleitung, die er vor Jahren zusammengestellt hat und auf der er als Komikfigur zu sehen ist. «Es ist eine Anleitung, die wirklich funktioniert», sagt er. Im April will er ein Jonglierbuch herausbringen. 131 Menschen haben in einem Crowdfunding insgesamt 18565 Franken dafür gesprochen. «Jonglierbücher gibt es viele, aber keines konnte mich voll überzeugen», sagt er. Seines soll klar geschrieben sein, damit sich jeder das Jonglieren selbst und korrekt beibringen kann.

«Viele Menschen können nicht jonglieren, da sie eine falsche Anleitung haben», sagt er. In Onlinevideos erklärt er das Jonglieren Schritt für Schritt und macht aufmerksam auf häufige Fehler. Kaspar Tribelhorn sieht darin fast so was wie eine Mission: «Ich will das Jonglieren in die Welt hinaustragen», sagt er, der selber erst mit 16 Jahren zu jonglieren begann.

«Jonglieren entspannt, fördert die Konzentration, verknüpft die linke und rechte Hirnhälfte, regt die Kreativität an.» Kaum eine Tätigkeit habe so viele positive Effekte. «Es gibt fast nichts Gesünderes, keine effektivere Fitnessmethode.» So zielstrebig und motiviert wie Kaspar Tribelhorn sich gibt, scheint er ein lebendiger Beweis dafür zu sein. Vielleicht wird Jonglieren ja einst tatsächlich zum neuen Fitnesshype.

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