Aarau

Stadtweibel Aeschbach geht nach 38 Jahren in Pension

Stadtweibel Toni Aeschbach schliesst die Tür zum Stadtratssaal zum letzten Mal, er geht in Pension.

Stadtweibel Toni Aeschbach schliesst die Tür zum Stadtratssaal zum letzten Mal, er geht in Pension.

Zwei Jahre vor dem 65. Geburtstag geht Aaraus Stadtweibel Toni Aeschbach in Pension. 38 Jahre war er im Dienst der Stadt, davon 22 Jahre als Stadtweibel.

Nein, ein Exot ist er nicht, aber exotisch ist der Beruf, den Anton Aeschbach während 22 Jahren bei der Stadt ausgeübt hat. Nun geht der Stadtweibel in Pension. Zwei Jahre vor dem 65. Geburtstag. Insgesamt hat er 38 Jahre lang der Stadt gedient. Und das sei genug, sagt er. Bevor er 1993 Stadtweibel wurde, war er nämlich 15 Jahre lang Küchenchef im Altersheim Herosé. Dass er vorzeitig in Pension geht, hat aber auch damit zu tun, dass seine Frau Emma seit diesem Monat ebenfalls pensioniert ist.

Wenn Toni Aeschbach aufzuzählen beginnt, was er alles erledigen musste als Stadtweibel, kommt er nicht so schnell zu einem Ende. Fast bekommt man den Eindruck, er sei für alles zuständig gewesen, wofür es keinen Stellenbeschrieb, keine Bezeichnung, keine Zuordnung zu irgendeiner Verwaltungsstelle gibt: die Kopiergeräte mit Toner und Papier nachladen, Drucksachen wie Kuverts und Briefpapier nachdrucken lassen, die Abteilungen und die Schulhäuser mit Kuverts versorgen, Visitenkarten bestellen, den Briefkasten im Stadtteil Rohr leeren, den internen Postaustauch besorgen. Die Liste wird lang und länger. Kontrollieren, ob die Sitzungszimmer in Ordnung sind, Mineralwasser bereitstellen, Akten bereitlegen oder, wenn dies während der Sitzung gewünscht wird, nachreichen und die Apéros organisieren, wenn der Stadtrat zu kleinen und grösseren Empfängen einlädt, so zum Beispiel am Kultur- oder Sportapéro. Auch für die Apéros an den Vernissagen zu den Jahresausstellungen des Kunsthauses war Stadtweibel Aeschbach zuständig, im Auftrag der Stadt.

Kein Smalltalk mit Bundesrat

Wenn grosser Besuch angesagt war, so wie dieses Jahr mit Bundesrat Alain Berset am Eidgenössischen Volksmusikfest, warf Toni Aeschbach das Ornat in den Wappenfarben der Stadt über, schwarz, weiss und rot, setzte den Weibel-Hut auf und begleitete Stadtpräsidentin Jolanda Urech zu den offiziellen Anlässen. Dreimal habe der Bundesrat in corpore Aarau besucht, zum Beispiel an seinem traditionellen Schulreisli oder anlässlich der 200-Jahr-Feier, berichtet Aeschbach. Bundesrat Kaspar Villiger begleitete er zur Morgenfeier am Maienzug. Auch Doris Leuthard war er in offizieller Mission begegnet.

Mit den Bundesräten sei er kaum ins Gespräch gekommen, sagt Toni Aeschbach. Sich vorzudrängen oder gar in Szene zu setzen, ist ja auch nicht Sache eines Stadtweibels. Da gab es schon eher Smalltalk mit den Kollegen, den Bundesweibeln.

Toni Aeschbach kam mit vielen ganz normalen Einwohnerinnen und Einwohnern ins Gespräch, nämlich dann wenn er die Glückwünsche der Stadt überbringen durfte, zu einem hohen Geburtstag oder einem hohen Hochzeitstag. Jährlich rund 400 solcher Besuche, ausgerüstet mit Blumen oder Wein, hat er abgestattet.

Besonders gern erinnert sich Aeschbach an den Besuch der Expo 02 in Neuenburg, wo der Kanton Aargau mit dem legendären Bagger-Ballett für Aufsehen sorgte. Zudem begleitete er den früheren Stadtammann Marcel Guignard 1994 und in diesem Jahr Stadtpräsidentin Jolanda Urech an die Olma, beide Male war der Aargau Gastkanton in St. Gallen.

Küchenchef im Herosé

Toni Aeschbach, der am Brienzersee aufgewachsen ist, hat Koch gelernt, 1968 bis 1971 im ehemaligen Glockenhof am Rain. Es folgten diverse Stationen im Gastgewerbe, im «Beaurivage» in Weggis, im Hotel «Rössli» in Allschwil oder im «Marmite» im Kleinbasel. Als der Sohn zur Welt kam, passte die Abendarbeit nicht mehr ins Konzept der jungen Familie, die 1979 in Eppenberg ein Eigenheim bezog. Aeschbach nahm eine Stelle im Altersheim Herosé an, als Küchenchef, bevor er am 1. August 1993 als Stadtweibel angestellt wurde.

Die Diskretion und bescheidene Zurückhaltung, die dem Stadtweibel eigen sein muss, kam Toni Aeschbach auch zugute, wenn er Zahlungsbefehle aushändigte. «Das war nicht immer lustig», sagt Aeschbach. Doch er begegnete den Leuten nach dem Grundsatz: Es gibt nur gute und weniger gute Leute. Schlechte Leute gibt es nicht. «Manchmal konnte ich sogar mit einem guten Tipp helfen.» Und wenn ihn einer in der Stadt begrüsst habe mit «Alles geregelt, es kommt gut», dann habe er gewusst: «So schlecht mache ich den Job nicht.»

Oft war Aeschbach der Erste und manchmal auch der Letzte im Rathaus. Bei vielen Dienstleistungen unterstützte ihn seine Frau Emma, zum Beispiel beim Herrichten eines Apéros. Während dreier Jahre arbeitete Emma Aeschbach im Büro der Ortsbürgergemeinde, half im Wahlbüro mit, stellte Abstimmungsunterlagen zum Versand bereit.

Jetzt plant Toni Aeschbach eine Reise rund um Europa. «Den Atlantik möchte ich von dieser Seite sehen», sagt er, der die Atlantikküste mit seiner Familie mehrmals in den USA bereist hat. In Holland möchte er Delft, die Partnerstadt von Aarau besuchen. Dann geht es an der Westküste Frankreichs entlang nach Portugal, Spanien und wieder hoch nach Frankreich. Mit dem Auto, denn Toni Aeschbach ist auch ein Autofan. Das Mercedes-Cabriolet, das er sich als Hobby leistet, bleibt dann allerdings in der Garage stehen, der Kofferraum sei für die lange Reise zu klein.

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