Aarau

Stadtsänger wandeln auf Freiersfüssen

Susanne Heuberger, Präsidentin Frauenchor Cäcilienverein: «Der Co-Präsident lehnt sich zum jetzigen Zeitpunkt etwas gar weit aus dem Fenster hinaus.»

Susanne Heuberger, Präsidentin Frauenchor Cäcilienverein: «Der Co-Präsident lehnt sich zum jetzigen Zeitpunkt etwas gar weit aus dem Fenster hinaus.»

Bei den Stadtsängern muss etwas geschehen. Darum haben sie sich auf Brautschau begeben. Das Werben gilt dem Frauenchor Cäcilienverein.

Gehen die Stadtsänger Aarau und der Frauenchor Cäcilienverein bald gemeinsame Wege? Co-Präsident Georg Ruflin hat in seinem Ausblick auf das eben begonnene Jahr das Liebeswerben um eine mögliche «Heirat» eröffnet. Bei der «Braut» zeigt man sich laut Präsidentin Susanne Heuberger vorerst einmal «überrascht». Trotzdem haben sich die Ausschüsse der beiden Vereine im Laufe dieser Woche zu einer ersten Sitzung getroffen, die allerdings lediglich dem Informationsaustausch diente.

Die Stadtsänger Aarau konstatieren seit Jahren eine zunehmende Überalterung und den Mangel an frischem Blut. Deshalb hat die Generalversammlung vor knapp einem Jahr dem Vorstand den verbindlichen Auftrag erteilt, «eine zukunftsträchtige Entwicklung des Vereins vorzubereiten». Laut Co-Präsident Georg Ruflin ging es grundsätzlich darum, «die Wahl zwischen einem reinen Männerchor und einem gemischten Chor zu treffen». Eine Fusion mit «Bruderchören» aus der Region (etwa Buchs oder Entfelden) werde laut Ruflin das Problem nicht lösen, weil diese ebenfalls im gleichen Spittel krank sind. Deshalb bleibe nur eine «gemeinsame Zukunft mit dem Frauenchor Cäcilienverein».

Gemischter Aarauer Stadtchor?

Das Präsidium der Stadtsänger hat bereits konkrete Vorstellungen über den neuen und gemischten «Aarauer Stadtchor». «Einige mögen es bedauern, Liebgewordenes verlassen zu müssen, andere sehen die hoffnungsvollen Chancen einer neuen Gestaltung der Zukunft, und über allem steht die Freude am gemeinsamen Singen», schreibt Georg Ruflin im jüngsten Vereinsorgan der Stadtsänger Aarau.

Die offizielle Eröffnung des Liebeswerbens, das in eine Fusion münden soll, stösst bei der Braut vorerst auf Erstaunen. «Der Co-Präsident lehnt sich zum jetzigen Zeitpunkt etwas gar weit aus dem Fenster», kommentiert Susanne Heuberger die Avancen der Stadtsänger. Die Präsidentin des Frauenchors Cäcilienverein räumt ein, dass man sich mitgliedermässig vor Jahren ebenfalls in einer schwierigen Lage befand. Man habe aber mindestens mittelfristig den Umschwung geschafft, konnte man doch allein im letzten Jahr ein Dutzend neue und jüngere Sängerinnen aufnehmen.

Die beiden Chöre haben sich bereits in der Vergangenheit hin und wieder zu gemeinsamen Aufführungen gefunden, etwa 2007, die mit guten Erinnerungen verbunden sind. Das nächste derartige Projekt steht gemäss Susanne Heuberger 2017 an, zusammen mit der Partnerstadt Reutlingen. Als Präsidentin könne sie sich eine musikalische «Gemeinschaft» durchaus vorstellen. Ob eine solche in eine Fusion oder lediglich in eine vermehrte Zusammenarbeit mündet, müssten letztlich die beiden Vereine an ihren Generalversammlungen entscheiden. Allfällige «Hochzeitsvorbereitungen» brauchen aber laut Heuberger «viel Zeit und vertiefte Diskussionen», etwa bei der musikalischen Leitung oder beim Liedgut. Die Präsidentin will nun das Ansinnen der Stadtsänger vorerst innerhalb des Vorstands und des Cäcilienvereins diskutieren. Dass erste Beschlüsse bereits an der Generalversammlung vom 14. März fallen könnten, schliesst Heuberger zum jetzigen Zeitpunkt aus.

Die Lage wird langsam ernst

Auch Georg Ruflin relativiert auf Nachfrage hin einen möglichen Zeitplan für die Gründung eines gemischten Stadtchors. Er geht davon aus, dass ein solcher gemeinsamer Entscheid – wenn überhaupt – «frühestens im Jahr 2018 erfolgen dürfte». Allerdings betont der Co-Präsident, der übrigens sein Amt an der nächsten Generalversammlung der Stadtsänger vom 15. März zur Verfügung stellen wird, «dass die Lage des Aarauer Männerchors langsam ernst wird».

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