Aarau

Stadtratskandidatin hat kurz vor den Wahlen eine Einsprache am Hals

Die Familie Leitner-Cavegn betreibt das Gästehaus (Mitte: Liegenschaftsbesitzerin Zita Steinmann).

Die Familie Leitner-Cavegn betreibt das Gästehaus (Mitte: Liegenschaftsbesitzerin Zita Steinmann).

Im ehemaligen Altersheim im Zelgliquartier bietet die Einwohnerrätin Angelica Cavegn Leitner und ihre Familie ein Bed and Breakfast an. Ein Anwohner glaubt an eine politisch motivierte Werbeaktion und wehrt sich gegen das Gästehaus.

Ein Gästehaus mit 18 Zimmern hat die Familie Leitner-Cavegn im ehemaligen Altersheim an der Zelglistrasse 26 eingerichtet. Denn die Nachfrage für sogenannte «Bed and Breakfast», also von Privatpersonen vermietete Zimmer mit Frühstück, ist in Aarau gross.

Angelica Cavegn Leitner war die erste, welche vor einigen Jahren in Aarau vier zertifizierte «Bed and Breakfast Switzerland»-Zimmer anbot. Inzwischen bieten auf einer Liste bei «aarau info» über ein Dutzend weitere Private Gästezimmer an.

Bisher hat dafür in Aarau niemand eine Umnutzungsbewilligung beantragt und niemand hat sich an den Gästezimmern gestört. Allerdings vermietete bisher auch niemand mehr als fünf Zimmer.

Erstmals Baugesuch für ein «B&B»

Für das Haus mit 18 Zimmern, welches die Familie Leitner-Cavegn gemietet haben, lag im Juni folgerichtig ein Baugesuch auf: «Gästehaus (Bed and Breakfast)» lautete die Beschreibung.

Anwohner Martin Ammann machte dagegen eine Einwendung. Er stört sich an den zusätzlichen Autos, für welche es im Zelgli nicht genug Platz gebe, und er findet, ein «Bed and Breakfast» habe in einer Wohnzone nichts verloren.

Allerdings macht Ammann auch keinen Hehl daraus, dass seine Einsprache in erster Linie politisch motiviert ist. «Es geht nicht, dass sich eine künftige Stadträtin nicht an die Gesetzmässigkeiten hält», sagt er. Denn die Familie Leitner-Cavegn habe im Gästehaus bereits Leute einquartiert, bevor die Bewilligung vorliege.

Bis jetzt erst normale Untermieter

Angelica Cavegn Leitner, die Einwohnerrätin von Pro Aarau ist und nun für den Stadtrat kandidiert, sagt dazu: «Bis jetzt haben wir lediglich die Langzeit-Zimmer vermietet. Eine normale Untervermietung braucht keine Bewilligung.» Der Anbau mit den sechs Kurzzeitzimmern sei noch nicht vermietet.

Ob die Familie Leitner-Cavegn eine Bewilligung für diese Kurzzeitzimmer erhält, ist unklar, denn unklar ist auch die gesetzliche Lage rund um «Bed and Breakfast» in Aarau. Ob ein «Gästehaus» mit einer grösseren Anzahl Zimmern rechtlich wie ein Hotel behandelt wird, dafür gibt es in der Stadt noch kein Beispiel.

Martin Amann findet: «Das ist professionelle Hotellerie und damit in dieser Zone nicht bewilligungsfähig». Daniel Roth, Fachspezialist für Baubewilligungen bei der Stadt Aarau, nimmt zum aktuellen Fall nicht Stellung, sagt jedoch: «Von uns aus gesehen ist ein ‹Bed and Breakfast› eine Art Hotelbetrieb.»

Angelica Cavegn Leitner macht geltend, dass in ihrem Gästehaus nur auf Wunsch Frühstück serviert werde. Geplant sei, dass sich die Kurzzeitgäste in der Mensa der Neuen Kantonsschule vis-à-vis und in der Stadt verpflegen würden oder selbst kochen. Zudem habe es über Nacht, wenn manche Gäste Autos abstellen wollen, im Zelgli und auf der Schanz genügend freie Parkplätze. Zur Liegenschaft gehören sechs eigene Parkplätze.

Nun, da erstmals ein Einwender auftritt, muss der Stadtrat einen Entscheid fällen. Dies geschieht, sobald der Schriftenwechsel zwischen Mieter und Einsprecher beendet ist.

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