Aarau
Stadtrat muss Aarebadi-Möglichkeiten klären - der Traum geht weiter

Der Aarauer Stadtrat will eigentlich kein Geld ausgeben, um zu prüfen, ob man eine öffentliche Aarebadi auf Stadtgebiet errichten könnte. Aber alt Einwohnerrat Stephan Müller hatte mit seiner Bürgermotion Erfolg.

Nadja Rohner
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In Aarau gab es früher schon mal eine Flussbadi.

In Aarau gab es früher schon mal eine Flussbadi.

ETH Bildarchiv

Es war schon weit nach 23 Uhr, als sich der Aarauer Einwohnerrat am Montagabend endlich der Bürgermotion von Stephan Müller (alt Einwohnerrat, Mitbegründer von «Jetzt») annehmen konnte. Sie kam eigentlich zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt – der Einwohnerrat hatte zuvor gut vier Stunden lang Spardiskussionen geführt und schliesslich eine Steuerfusserhöhung um 3 Prozent genehmigt.

Und jetzt kam Müller und wollte dem Einwohnerrat beliebt machen, seine Bürgermotion für die Machbarkeits-Abklärung einer Aarebadi zu überweisen. Ein Wunschprojekt, das nicht nötig, aber doch irgendwie ganz schön wäre. Dem der Stadtrat aber aus Spargründen kritisch gegenübersteht, weil er mit Abklärungskosten von mindestens 30 000 Franken rechnet – da man bereits ein Frei- und ein Hallenbad habe, sei es nicht opportun, «zusätzliche Mittel für den gleichen Zweck» auszugeben.

Doch siehe da: Dem Einwohnerrat sass das Portemonnaie plötzlich wieder lockerer. Auch bürgerliche Vertreter, die zuvor eine Steuererhöhung bekämpft hatten, stellten sich hinter Müllers Anliegen.

Abklären ja, Finanzieren nein

«Wir sind nicht nur zum Sparen gewählt, sondern auch, um die Stadt weiterzubringen und zu gestalten», sagte Christian Schäli (Grüne). Er wies darauf hin, wie positiv sich das Aareufer West (beim «Summertime») seit der Umgestaltung entwickelt habe. «Im Sommer strotzt es vor Leben. Da hat sich jeder investierte Rappen gelohnt.»

Motionär Müller betonte, seiner Ansicht nach sei eine teure externe Machbarkeitsstudie nicht nötig. «Wir haben eine hervorragende Stadtverwaltung, die das intern machen kann. Wir haben schon viele Aarebadis in der Schweiz. Von denen kann man Informationen einholen – das braucht ein paar Telefonate.»

Stephan Müller, Bürgermotionär und alt Einwohnerrat «Eine externe Machbarkeitsstudie ist nicht nötig. Wir haben eine hervorragende Stadtverwaltung, die das intern machen kann.»

Stephan Müller, Bürgermotionär und alt Einwohnerrat «Eine externe Machbarkeitsstudie ist nicht nötig. Wir haben eine hervorragende Stadtverwaltung, die das intern machen kann.»

Ueli Wild

Er sähe eine Aarebadi zum Beispiel oberhalb des IBAarau-Kraftwerks. Oder beim Unterwasserkanal des Kraftwerks Rüchlig, auf der Aarenau-Seite. «Da würde sie niemanden stören.» Das Gelände gehört den Ortsbürgern und der Axpo.

Die FDP-Fraktion war «geteilter Meinung» bezüglich der Motion, sagte Sprecherin Olivia Müller. «Die Gegner sind der Ansicht, dass wir uns solche Abklärungen in unserer prekären finanziellen Situation nicht leisten können.» Die Befürworter – und dazu gehör auch Olivia Müller – sähen in so einem Projekt aber einen Mehrwert für Aarau, der gewisse Investitionen rechtfertige.

«Klar ist aber auch, dass eine solche Badi nicht durch die Stadt finanziert werden kann», betonte sie. Ähnlich sieht das die CVP, wie Sprecher Lukas Häusermann sagte: Es sei nicht Aufgabe der Stadt, den Aarauern eine Aarebadi zu schenken. Auch von der SVP kamen skeptische Worte.

Michaela Eichenberger gab zu Bedenken, es gebe bereits viele Bademöglichkeiten in der Region – und wer in der Aare schwimme, suche vielleicht eben gerade dieses «Wilde». «Warum soll man alles reglementieren und organisieren?»

Dass die SP die Motion unterstützen würde, hatte sich bereits im Vorfeld abgezeichnet. Auch, weil einige Fraktionsmitglieder schon vor sechs Jahren – ebenfalls mit Stephan Müller – mittels Bürgermotion für eine Aarebadi gekämpft hatten. «Damals hat man uns ebenfalls gesagt, es gehe nicht, weil solche Abklärungen zu teuer seien», erzählte Eva Schaffner. Danach seien sie selber bei der IBA vorstellig geworden, die ein offenes Ohr für das Anliegen gehabt habe, und gemeinsam mit der Bauschule Unterentfelden seien Projekte entworfen worden.

Auch die EVP konnte sich für die Bürgermotion begeistern. «Es braucht Menschen mit Visionen, die solche Projekte lancieren», sagte Matthias Keller. «Es muss ja nicht ein Marzili sein oder eine Lettenbadi. Vielleicht reichen ein ToiToi-WC und ein paar Stege. Wir sehen die Aarebadi als Alternative, nicht als Konkurrenz zum Freibad.»

Einer Aarebadi im Weg stehen könnte etwa das neue Gewässerschutzgesetz, das 15 Meter Uferschutzzone vorsieht. Kanäle sind zwar ausgenommen – «Nicht aber solche mit ökologischem Wert», so Stadtrat Lukas Pfisterer. Von den Grünen kamen denn auch leise Bedenken bezüglich Naturschutz.

Ausserdem bräuchte es für befestigte Aarebadi-Bauten eine Baubewilligung, die Einsprecher auf den Plan rufen könnte. Und nicht zuletzt: Irgendjemand muss die Aarebadi bezahlen. Denn obwohl die Einwohnerräte grösstenteils gewillt waren, Geld für die Abklärungen auszugeben und die Motion am Ende mit 29 Ja zu 16 Nein überwiesen wurde: Die städtische Rechnung auf Dauer mit einer Aarebadi zu belasten, dürfte politisch schwieriger durchzusetzen sein.